Zugewanderter Azubi bei Siemens | dpa

DGB-Ausbildungsreport Azubi-Gehälter reichen oft nicht zum Leben

Stand: 27.08.2020 13:23 Uhr

Vielen Azubis reicht der Monatslohn nicht zum täglichen Leben. Zudem müssen sie ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen und Toiletten putzen, oder den Betrieb renovieren. Das ergab eine Umfrage des DGB.

Mehr als jeder zweite Auszubildende kann seinen Lebensunterhalt nicht vom eigenen Gehalt bestreiten, oder sich einen eigenen Haushalt in einer Wohnung leisten. Das ergab der jährliche Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), für den mehr als 13.000 Auszubildende aus den 25 häufigsten Berufen befragt wurden.

Demnach gaben 60 Prozent der Befragten an, nicht vom Ausbildungsgehalt leben zu können. Jeder Dritte werde deshalb noch finanziell von den Eltern unterstützt und jeder Zehnte gehe zusätzlich zur Ausbildung noch einem Nebenjob nach. 65 Prozent würden laut des Berichts gerne in einer eigenen Wohnung leben, für die das Geld aber nicht ausreicht. Durchschnittlich verdiene ein Azubi über alle Ausbildungsjahre hinweg 836 Euro monatlich.

Jeder Dritte hat keinen Ausbildungsplan

Jeder achte Azubi gab außerdem an, ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben zu müssen. Demnach mussten sie während der Ausbildung Toiletten putzen, Gläser spülen und tagelange Renovierungsarbeiten im Betrieb erledigen.

Mehr als 34 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass ihr Betrieb keinen Ausbildungsplan vorgelegt hätte, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Große Probleme gibt es laut Bericht auch nach wie vor bei der Ausbildungsqualität in der Berufsschule. Über 43 Prozent der Auszubildenden finden demnach die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts nur befriedigend bis mangelhaft. 

Unsicherheit bei der Übernahme im Betrieb

Große Unsicherheit herrscht für die Lehrlinge außerdem bei der Übernahme im Betrieb. Fast 40 Prozent der Auszubildenden wissen demnach im letzten Ausbildungsjahr noch nicht, ob sie von ihrem Betrieb übernommen werden. Selbst wenn es eine Übernahmezusage gibt, würden knapp 30 Prozent dieser Azubis nur zeitlich befristet eingestellt.

Gut 70 Prozent der Auszubildenden zeigten sich aber auch mit ihrer Lehre zufrieden. Deutliche Unterschiede gab es dabei je nach Branche: Industriemechaniker, Verwaltungsfachangestellte, Mechatroniker, Elektroniker und Bankkaufleute sind laut Umfrage überdurchschnittlich zufrieden. Berufe aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, der Zahnmedizin, dem Einzelhandel und Teilen des Handwerks bewerten ihre Betriebe dagegen als mangelhaft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. August um 17.00 Uhr sowie NDR 2 am 27. August 2020 um 15:30 Uhr.