Theo Zwanziger, Ex-Präsident des DFB, äussert sich im Rahmen eines Pressegespräches zu der Anklage der Schweizer Behörden.  | Bildquelle: REUTERS

Ex-DFB-Präsident klagt Zwanziger kämpft um seine Reputation

Stand: 13.08.2019 17:27 Uhr

Theo Zwanziger geht nach seinem Urlaub zum Angriff über: Vor versammelter Presse attackiert der Ex-DFB-Präsident die Schweizer Bundesanwaltschaft. Er sieht sich selbst als Opfer und kontert Betrugsvorwürfe.

Von Juri Sonnenholzner, SWR

Der Deutsche Fußballbund (DFB) erstattet dem Unternehmer Robert Louis-Dreyfus 6,7 Millionen Euro. Doch die Summe deklarierte der DFB als Zahlung für eine Gala, die nie stattfand. Das passierte im Jahr 2005. Drei Jahre zuvor hatte der Unternehmer just die gleiche Summe dem damaligen Organisationschef der Fußballweltmeisterschaft 2006, Franz Beckenbauer, als Darlehen gegeben.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft wittert Verschleierung. Deshalb erhob sie vergangene Woche Anklage gegen Wolfgang Niersbach, Horst Schmidt und Theo Zwanziger. Der Vorwurf: Die drei früheren DFB-Funktionäre sollen im April 2005 den Präsidialausschuss des DFB-Organisationskomitees für die WM 2006 in Deutschland "arglistig über den eigentlichen Zweck einer Zahlung in der Höhe von rund 6,7 Millionen Euro getäuscht" haben, hieß es in der Mitteilung. Ohne diese Täuschung hätte das Gremium die Tilgung sicher nicht durchgewunken, ist sich die Schweizer Bundesanwaltschaft sicher.

Zwanziger geht gegen Staatsanwälte vor

Zwanziger kommt erfrischt aus dem Urlaub zurück. Nun geht er, selbst Jurist und mehrere Jahre Verwaltungsrichter, zum Gegenangriff über: Er habe Strafanzeige wegen "falscher Verdächtigungen" gegen die Ermittlungsführerin der Frankfurter Staatsanwaltschaft gestellt. Auch den Ermittler der Schweizer Bundesanwaltschaft und dessen Assistentin wolle er belangen.

Theo Zwanziger, ehemaliger Präsident des DFB, äußert sich im Rahmen eines Pressegespräches zu der Anklage der Schweizer Behörden. | Bildquelle: dpa
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Theo Zwanziger redete sich in Rage. Zwei Stunden lang präsentierte der von der Schweizer Bundesanwaltschaft angeklagte Ex-DFB-Präsident seine Sicht der Dinge in der Sommermärchen-Affäre

Zwanziger will offensichtlich durch die Anzeigen und die dadurch folgenden Ermittlungen seine Reputation auf dem Gerichtsweg sichern. "Ich bin dreieinhalb Jahre wie eine Sau durchs Dorf getrieben worden. Die deutschen und die Schweizer Strafverfolgungsbehörden haben versagt." Das seien keine Ermittlungen, sondern Märchen", wettert der 74-Jährige in die Mikrophone, die Journalisten im Hotel am Stadtrand im rheinland-pfälzischen Diez aufgebaut haben.

Vorwurf der Kungelei

Der Ex-DFB-Präsident greift auch den Weltfußballverband an: "Die FIFA ist ein kommerzielles Zirkus-Unternehmen." Sie könne den Fußballfunktionär Bin Hammam, an den Beckenbauers Darlehen weitergeflossen sein soll, zu einer Aussage zwingen und Licht ins Dunkel bringen, wofür das Geld überhaupt verwendet wurde. "Aber die FIFA und Infantino schweigen und kungeln mit der Schweizer Bundesanwaltschaft. Das ist Kumpanei auf höchster Ebene." Das werde auf seinem Rücken ausgetragen, sagt Zwanziger. "Das ist ein Skandal."

Das Präsidium des Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland (l-r): der 1. Vizepräsident Horst R. Schmidt, Vizepräsident Theo Zwanziger, Präsident Franz Beckenbauer und Vizepräsident Wolfgang Niersbach. | Bildquelle: dpa
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Theo Zwanziger wird vorgeworfen, den Präsidialausschuss des WM-Organisationskomitees 2006 über den eigentlichen Zweck einer Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro im April 2005 vom Deutschen Fußball-Bund an den Weltverband FIFA arglistig getäuscht zu haben.

Ein Skandal, an dem Zwanziger nicht ganz unschuldig ist: Im November 2015 etwa gab er in einem Gespräch mit dem SWR an, dass er die Zahlung zehn Jahre zuvor tatsächlich selbst falsch deklariert habe. Die 6,7 Millionen Euro seien für ein "Kulturprogramm der FIFA" überwiesen worden. Er habe erst später erfahren, dass das nicht stimme, sondern dass man den Schuldschein ausgelöst habe, den Franz Beckenbauer einst unterschrieben hatte. Seine Sicht steht so auch im Untersuchungsbericht, den die Wirtschaftskanzlei Freshfields im Auftrag des DFB angefertigt hatte. Warum er dies nicht gleich versuchte aufzudecken, ist unklar.

Durchsuchungen bei Zwanziger

Außerdem hatte Zwanziger laut dem Freshfields-Bericht die zur Überweisung geplanten zunächst sieben Millionen Euro um 300.000 Euro für Personalkosten gekürzt. Ein Zufall, dass so genau dieselbe Summe wie von Beckenbauers Schuldschein entstand? Im Sommer 2015 sorgte er dann für Aufregung unter seinen ehemaligen Organisationskomitee-Kollegen. "Auslöser hierfür scheint die Ankündigung von Theo Zwanziger gewesen zu sein, möglicherweise die 6,7-Millionen-Zahlung dem DFB oder der FIFA mitzuteilen", heißt es im Freshfields-Bericht. In diesem Zusammenhang habe Zwanziger auch ein Rechtsgutachten anfertigen lassen. "Franz Beckenbauer versuchte, ihm dies auszureden, und reiste dafür anscheinend sogar nach Altendiez", also zu Zwanzigers Wohnsitz im Westerwald.

Theo Zwanziger, ehemaliger Präsident des DFB, äußert sich im Rahmen eines Pressegespräches zu der Anklage der Schweizer Behörden. | Bildquelle: REUTERS
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Der Ex-DFB-Präsident setzt auch zu einem verbalen Angriff auf die FIFA an. Der Weltfußballverband hätte bisher wenig zu Aufklärung der Affäre geleistet.

Ermittler der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main durchsuchten Ende 2015 diesen wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Sie vermuteten hinter dem Verwendungszweck "Beitrag Kulturprogramm" eine insgesamt falsche Steuererklärung, um Steuern von mehr als 13 Millionen Euro zugunsten des DFB sparen zu können. Die Eröffnung des Hauptverfahrens lehnte das Landgericht Frankfurt am Main im vergangenen Oktober dann aber ab: Die 6,7-Millionen-Euro-Zahlung könne "steuermindernd" wirken. Die DFB-Steuererklärung wäre damit also beanstandungsfrei. Dagegen hat die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel eingelegt. Die Entscheidung des Oberlandesgerichts steht noch aus.

15 Jahre Verjährung in der Schweiz

Die Weltmeisterschaft in Deutschland ging als "Sommermärchen" in den Sprachgebrauch ein. 2006 war das. Das ist länger als zehn Jahre her und der damit verbundene Vorwurf des Betrugs nach deutschem Recht verjährt. Um das auch in der Schweiz zu verhindern, wo 15 Jahre Verjährung gelten, muss dort bis kommenden April ein erstinstanzliches Urteil gefällt werden. Dann hätte ein Schweizer Gericht festgestellt, ob es zu jenem deutschen Sommermärchen auch einen Märchenonkel gab. Oder mehrere.

DFB: Angeklagter Ex-DFB Chef Zwanziger klagt nun selbst
Phillipp Sohmer, SWR Mainz
13.08.2019 16:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. August 2019 um 15:00 Uhr.

Korrespondent

Juri Sonnenholzner | Bildquelle: SWR/Alexander Kluge Logo SWR

Juri Sonnenholzner, SWR

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