DeutschlandTrend

Deutschlandtrend

ARD-DeutschlandTrend Die Deutschen stehen fest zum Euro

Stand: 01.08.2012 22:32 Uhr

Wird sich die wirtschaftliche Lage verschlechtern?

Die Stimmung im Land ist geprägt von Sorge. Noch wird die wirtschaftliche Lage zwar als relativ gut beurteilt. Mehr als die Hälfte der Deutschen, 56 Prozent, sind allerdings der Ansicht, dass sie sich im Lauf des nächsten Jahres verschlechtern wird. Einen vergleichbar hohen Wert haben wir nur zu Beginn der Finanzkrise im Sommer 2008 gemessen.

84 Prozent sind der Überzeugung, dass der schlimmste Teil der Eurokrise noch bevorsteht. Dabei stehen die Deutschen - auch, wenn einzelne Umfrageschlagzeilen gelegentlich einen anderen Eindruck erwecken - weiterhin fest zum Euro. 76 Prozent glauben, "das Zerbrechen des Euro wäre für die deutsche Wirtschaft schwer zu verkraften". Und knapp zwei Drittel (64 Prozent) sind überzeugt, dass der Euro "die gegenwärtige Krise überstehen und auch in einigen Jahren noch existieren wird". Deshalb, so sagen 56 Prozent, sollte die Bundesregierung "alles tun, um den Euro zu retten".

Aussagen zur Euro- und Schuldenkrise
galerie

Aussagen zur Euro- und Schuldenkrise

Keine Spielregeln für den Euro festgeschrieben

Bei Umfragen zum Euro kommt es auf die Feinheiten an. Je nach Wortwahl und Formulierung fallen die Ergebnisse sehr unterschiedlich aus. So sind zwar 51 Prozent der Ansicht, "die Bundesrepublik hätte besser die D-Mark behalten sollen als den Euro einzuführen". Dahinter steckt offenbar die Erkenntnis, dass die Spielregeln für die gemeinsame Währung nicht wirklich festgeschrieben wurden. Trotzdem glauben nur 34 Prozent, dass es in der jetzigen Situation besser wäre, "schnell die D-Mark wieder einzuführen, als jahrelang um den Euro zu kämpfen".

Aussagen zur Euro- und Schuldenkrise
galerie

Aussagen zur Euro- und Schuldenkrise

Die Situation ist für viele Menschen nicht nur geprägt von dem Gefühl, dass Dinge, die gestern absolut gewiss waren, heute völlig offen sind. Sie haben auch Probleme, genau zu verstehen, welche Wege heraus aus der Krise gegenwärtig diskutiert werden und welchen Argumenten man folgen kann. Langfristige Grundstimmungen prägen das Bild, nicht aktuelle Einschätzungen.

So haben wir zum Beispiel danach gefragt, ob die Europäische Zentralbank sich allein auf die Bekämpfung der Inflation konzentrieren sollte, oder - wie in diesen Tagen vor allen Dingen von südeuropäischen Ländern gefordert - Staatsanleihen hochverschuldeter Länder aufkaufen sollte. 45 Prozent trauen sich bei dieser Fragestellung kein Urteil zu.

Aufgaben der Europäischen Zentralbank
galerie

Aufgaben der Europäischen Zentralbank

39 Prozent wollen, dass sich die EZB weiterhin allein um stabile Preise kümmert. Zwölf Prozent halten auch den Kauf von Staatsanleihen für die Aufgabe der EZB. Hinter dem Ergebnis steckt vor allem die in Deutschland besonders tief verwurzelte Angst vor Geldentwertung und dem Verlust des eigenen Vermögens.

Sehnsucht nach Politikern mit Erfahrung und Weitsicht

Wenn es keine wirklichen Gewissheiten mehr gibt, wenn die politischen Fragen zu kompliziert sind, um sie zu verstehen, dann hilft nur Führungspersonal, dem man wirklich vertrauen kann. Und da kommt Angela Merkel ins Spiel, aber nicht nur sie. Die Sehnsucht nach Staatsmännern (oder "Staatsfrauen") ist groß, nach Politikern und Politikerinnen mit großer Erfahrung und Weitsicht, denen man wichtige Entscheidungen gern anvertraut. 76 Prozent der Befragten finden, dass Merkel diese Kriterien erfüllt.

Immerhin 66 Prozent sehen das auch für Finanzminister Wolfgang Schäuble und 59 Prozent für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier. Auch Peer Steinbrück (55 Prozent) wird von mehr als der Hälfte der Befragten als guter Staatsmann anerkannt. Das gilt nicht für Horst Seehofer (43 Prozent), Sigmar Gabriel (33 Prozent), Jürgen Trittin (28 Prozent) und erst Recht nicht für den Vizekanzler und FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler (13 Prozent).

Bewertung als "Gute Staatsfrau / Guter Staatsmann"
galerie

Bewertung als "Gute Staatsfrau / Guter Staatsmann"

Im Wesentlichen findet sich diese Reihenfolge auch auf unserer monatlichen Politiker-Hitliste wieder. Für 14 ausgewählte Spitzenpolitiker haben wir wieder die Frage gestellt, ob die Deutschen zufrieden mit ihrer politischen Arbeit sind. Angela Merkel führt das Feld mit 68 Prozent an, ihrem besten Wert seit Dezember 2009. Es folgt Wolfgang Schäuble (64 Prozent) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (60 Prozent). Mehrheitlich positiv bewertet werden auch drei Sozialdemokraten: Frank-Walter Steinmeier (55 Prozent), die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück (jeweils 52 Prozent).

Am unteren Ende der Tabelle rangieren Innenminister Hans-Peter Friedrich und Außenminister Guido Westerwelle mit jeweils 34 Prozent, Linken-Fraktionschef Gregor Gysi mit 32 Prozent und - erneut - FDP-Chef Philipp Rösler mit 16 Prozent.

Einfluss des Bundesverfassungsgerichts für 70 Prozent angemessen

Die Bundesrepublik hat also das Glück, in der Krise über eine Gruppe von Spitzenpolitikern und Spitzenpolitikerinnen zu verfügen, denen die Menschen mehrheitlich vertrauen. Und es hat ein oberstes Gericht, das zuletzt in praktisch allen wichtigen politischen Fragen, auch dem Euro, das letzte Wort hatte. 70 Prozent der Befragten halten den Einfluss des Bundesverfassungsgerichts für angemessen, 16 Prozent wünschten sich gar noch mehr Einfluss. Elf Prozent finden, dass der Einfluss der Karlsruher Richter zu groß ist.

Der Einfluss des Bundesverfassungsgerichts ist ...
galerie

Der Einfluss des Bundesverfassungsgerichts ist ...

Untersuchungsanlage DeutschlandTrend

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren
Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl / Randomstichprobe
Erhebungsverfahren: Computergestützte Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl: 1.004 Befragte
Erhebungszeitraum: 30. und 31. Juli 2012

Fallzahl Sonntagsfrage: 1504 Befragte
Erhebungszeitraum: 30. und 31. Juli 2012

Fehlertoleranz: 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%, ** bei einem Anteilswert von 50%

Archiv DeutschlandTrend

DeutschlandTrend Banner
Monat:
Darstellung: