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ARD-DeutschlandTrend März 2006 Verhaltene Zustimmung für Schwarz-Rot

Stand: 02.03.2006 12:23 Uhr

Ende November wurde die neue Bundesregierung vereidigt, 100 Tage später ist die Schonfrist für die große Koalition vorbei. Nun wird eine erste Bilanz gezogen. Das Urteil der Bevölkerung fällt dabei verhalten positiv aus: Für 52 Prozent hat Schwarz-Rot bis jetzt gute Arbeit geleistet. Der sachliche Umgangston und die recht harmonische Zusammenarbeit der Koalitionspartner kommen offenbar gut an. Sie führen allerdings auch dazu, dass die Unterschiede zwischen Union und SPD immer undeutlicher werden: Zwei Drittel der Befragten können kaum noch unterschiedliche Positionen zwischen den Regierungsparteien ausmachen.

Jörg Schönenborn

Politikernoten: Fast alle mit Ansehensverlust

Angela Merkel ist weiterhin die mit Abstand beliebteste Politikerin in Deutschland: 74 Prozent sind mit ihrer Amtsführung zufrieden. Mit einem Minus von 6 Punkten muss sie jedoch Sympathieeinbußen hinnehmen. Gleiches gilt für fast alle anderen Spitzenpolitiker. Nennenswerte Zugewinne verzeichnen lediglich der wegen der Vogelgrippe geforderte Landwirtschafts- und Verbraucherminister und der Außenminister. Frank-Walter Steinmeier kann sich dank eines Ansehensgewinns von 3 Punkten auf Platz zwei der Rangliste mit 56 Prozent wohlwollenden Urteilen vorarbeiten. Dicht dahinter folgt Horst Seehofer, mit dessen Arbeit 55 Prozent zufrieden sind (+4). Alle anderen Politiker müssen Ansehensverluste hinnehmen, zum Teil sogar zweistellig.

Besonders kräftige Verluste müssen aus den Reihen der Koalitionsparteien die SPD-Politiker hinnehmen. Dies gilt sowohl für den SPD-Vorsitzenden Matthias Platzeck (51 Prozent, -14), als auch für den Arbeits- und Sozialminister. Franz Münteferings Arbeit findet nur noch bei 43 Prozent Zuspruch, 16 Punkte weniger als im Vormonat - möglicherweise eine Reaktion auf die von ihm initiierte schnellere Anhebung des Renteneintrittsalters. Auch Finanzminister Peer Steinbrück muss ein kräftiges Minus von 9 Punkten verkraften und findet nur noch bei 42 Prozent Gefallen. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt findet sich, wie in den Monaten zuvor, am unteren Ende der Rangliste wieder (26 Prozent, -2).

Sonntagsfrage: CDU/CSU mit großem Abstand vor der SPD

Würden die Wahlberechtigten bereits am nächsten Sonntag wieder an die Urnen gerufen, wäre die Union mit großem Abstand vor den Sozialdemokraten stärkste Partei. Derzeit käme die CDU/CSU auf 41 Prozent der Stimmen, im Vergleich zur Vorwoche ist dies ein Minus von einem Punkt. Auch die Sozialdemokraten verlieren 1 Punkt und würden einen Wähleranteil von 30 Prozent erreichen. Die Linkspartei.PDS könnte erneut 7 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Die beiden anderen Oppositionsparteien erzielen leichte Gewinne von jeweils 1 Punkt. Dadurch käme die FDP derzeit auf 9 Prozent, die Grünen auf 10 Prozent. Die Bündnisgrünen sind damit erstmals seit der Bundestagswahl wieder zweistellig.

Auch in den alten Bundesländern müssen beide Regierungsparteien Einbußen hinnehmen. Die Union kommt in Westdeutschland auf 42 Prozent (-2), die SPD auf 30 Prozent (-1). Die drei kleinen Parteien FDP (9 Prozent, +1), Linke (5 Prozent, +1) und Grüne (11 Prozent, +1) können jeweils einen Punkt zulegen.

In den neuen Bundesländern ist die Entwicklung für die CDU gegenläufig, denn hier kann sie um 2 Punkte auf jetzt 34 Prozent zulegen. In gleichem Umfang verlieren die Sozialdemokraten und kommen nur noch auf einen Wähleranteil von 28 Prozent. Auch die Linkspartei.PDS muss Stimmen abgeben (20 Prozent, -2), während FDP (7 Prozent) und Grüne (8 Prozent) jeweils einen Punkt zulegen.

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland
Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl / Randomstichprobe
Erhebungsverfahren: Computergestützte Telefoninterviews
Fallzahl: 1000 Befragte (Sonntagsfrage: 1536 Befragte)
Erhebungszeitraum:
27. - 28. Februar 2006
Sonntagsfrage:
27. Februar - 1. März 2006
Fehlertoleranz: 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte