Ein BVG-Bus fährt am Zoologischen Garten in Berlin vorbei. | picture alliance/dpa

Verkehrsbetriebe zum 49-Euro-Ticket "Der 1. Januar ist nicht zu halten"

Stand: 03.11.2022 15:59 Uhr

Die Verkehrsunternehmen halten einen Start des neuen Deutschlandtickets im Nah- und Regionalverkehr im Januar für nicht machbar. Realistisch sei eine Einführung am 1. März. Es seien noch einige Fragen offen.

Die Bus- und Bahnbranche hält die Einführung des Deutschlandtickets für 49 Euro im Monat zum Jahresbeginn für nicht umsetzbar. "Der 1. Januar ist nicht zu halten, da das Ticket finanziell nicht gedeckt ist", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Verkehrsunternehmen (VDV), Oliver Wolff, zu dem Bund-Länder-Beschluss vom Vortag. Verkehrsunternehmen und Verbünde wollten zwar alles daran setzen, diesen so schnell wie möglich umzusetzen. Entscheidende Fragen seien aber unbeantwortet geblieben. "Diese offenen Punkte führen auch dazu, dass das Ticket zunächst nicht überall in digitaler Form kommen kann."

Das Deutschlandticket soll die Nachfolge des 9-Euro-Tickets aus dem Sommer werden, das über 50 Millionen Mal verkauft wurde. Es galt in den Monaten Juni bis August und man konnte mit Bus oder Bahn im Nahverkehr bundesweit unterwegs sein. Dieses Prinzip soll auch für das neue Deutschlandticket gelten.

VDV: Unternehmen tragen Risiko

Bund und Länder wollen als Ausgleich für fehlende Einnahmen der Unternehmen 2023 jeweils 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Das hält der VDV für unzureichend. "Das Risiko eines höheren Verlustes sowie die erforderlichen Anlaufinvestitionen sind ins unternehmerische Risiko der Unternehmen verschoben, das geht nicht", sagte Wolff. Völlig unberücksichtigt geblieben seien auch die pandemiebedingten Verluste und die hohen Anlaufverluste. Auch die monatliche Kündbarkeit des Deutschlandtickets führe zu Risiken. Damit fehlten dem Beschluss zwei wesentliche Eckpunkte: Einerseits die Übernahme der Nachschusspflicht und andererseits eine Erhöhung des Zuschussbetrags nach zwei Jahren. Man dürfe Unternehmen nicht mit dem Ticket in eine massive Schieflage bringen. Der VDV vertritt über 600 Firmen im Nahverkehr, darunter auch die Deutsche Bahn-Tochter DB Regio.

Papiertickets für Übergangszeit

Das Deutschlandticket sei ein Paradigmenwechsel und stelle viele Unternehmen vor große Herausforderungen, sagte Wolff. Es würden überall noch Papiertickets angeboten, die auch von den Kunden nachgefragt werden. "Und insofern haben wir tatsächlich die Aufgabe, die digitalen Kanäle jetzt vorzubereiten. Das braucht ein bisschen Zeit." Er gehe deshalb davon aus, "dass wir eine Übergangszeit haben werden, wo auch alte Vertriebsformate weiterlaufen, also auch Papiertickets eine gewisse Zeit. Aber am Ende werden wir dann eben digital unterwegs sein müssen."

Die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder hatten sich am Mittwochabend auf die Nachfolgelösung zum 9-Euro-Ticket geeinigt - und dabei auch einen Kompromiss im Streit um die generelle Finanzierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) gefunden. Dieser sieht nun vor, die sogenannten Regionalisierungsmittel, mit denen der Bund den ÖPNV in den Ländern mitfinanziert, um eine Milliarde Euro pro Jahr zu erhöhen. Von 2023 an sollen die Regionalisierungsmittel jährlich um drei Prozent erhöht werden. Bisher waren es 1,8 Prozent. Der Nahverkehr ist zwar im Kern Ländersache, der Bund ist aber zur Mitfinanzierung verpflichtet.