"Deutschland spricht"-Treffen in Hamburg | Bildquelle: Meyer-Ciolek udn Behr

"Deutschland spricht" Suche nach der anderen Meinung

Stand: 23.09.2018 22:32 Uhr

AfD wählen? Grenze stärker kontrollieren? Ein Juso und ein enttäuschter Wechselwähler trafen sich bei "Deutschland spricht". Die Diskussion war hart - aber am Ende gewannen beide Einsichten.

Von Elisabeth Weydt, NDR

Benjamin Behr - 24 Jahre alt, Juso und angehender Jurist - kommt als erster zum verabredeten Treffpunkt, einer Hamburger Bar zwischen Reeperbahn und Hafen.

"Ich fand die Idee ganz spannend, weil ich glaube, dass es in unserer Gesellschaft eine recht große Polarisierung gibt", sagt er. Eigentlich gehöre zu einer Demokratie dazu, dass man sich auch mit Leuten austausche, die eine ganz andere Meinung haben - und ein bisschen deren Beweggründe verstehe. "Ich glaube nicht, dass wir uns heute gegenseitig überzeugen, aber das ist vielleicht auch gar nicht das Ziel, sondern dass man sich einfach kennenlernt, Argumente austauscht - und darauf hab ich Lust", meint er.

Das große Treffen der Andersdenkenden
tagesthemen 23:15 Uhr, 23.09.2018, M. Aden/U. Schmidt/A. Kartschall, NDR

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Auf der Suche nach der grundsätzlich anderen Meinung

Der Mann mit den Gegenargumenten ist ebenfalls pünktlich. Frederic Meyer-Ciolek - 31 Jahre alt und im Vertrieb beschäftigt - schließt sein Fahrrad an und streicht sich den Nieselregen aus dem Gesicht.

"Ich dachte einfach, man befindet sich permanent in dieser Filterblase, sowohl online als auch eben in der echten Welt", sagt er. Man umgebe sich ja mit Menschen, mit denen man übereinstimme. Er finde es deswegen gut, mit jemandem zu reden, der wirklich grundsätzlich anderer Meinung sei.

Ein Algorithmus hat die beiden zusammengebracht. In fünf von sieben Fragen stimmten der SPDler Behr und der Wechselwähler Meyer-Ciolek nicht überein. Und zwar beim Thema Trump, #Metoo, der Grenzsicherung, der Besteuerung des Fleischkonsums und der Frage, ob es den Deutschen schlechter gehe als vor zehn Jahren.

"Deutschland spricht"-Treffen in Hamburg
galerie

Harmonie mit Hafenpanorama: die Diskutanten Meyer-Ciolek (links) und Behr.

Harte Bandagen von Anfang an

Die erste Themenrunde bestreiten beide noch mit Kaffee und Wasser – aber schon mit harten Bandagen.

"Also, ich find‘s schon beeindruckend, dass du überhaupt noch in der SPD bist! Viel ist ja nicht mehr übrig", sagt Meyer-Ciolek. "Im Moment macht es die Parteiführung einem SPD-Mitglied auch schwierig, glücklich zu sein", erwidert Behr.

Meyer-Ciolek ist  von den Politikern allgemein schwer enttäuscht, erzählt er. Speziell von der SPD, die seiner Meinung nach gerade für die sozialen Themen wie faire Löhne, Kinderbetreuung, bezahlbare Wohnungen und Rente viel zu wenig unternehme.

AfD wählen? Oder doch nicht?

Aber was sei denn dann seine Lösung, fragt Behr: "Klar, Die SPD willst du nicht wählen, aber was glaubst du, wer kann das besser voran treiben?" "Aktuell keiner", antwortet Meyer-Ciolek. "Aber was macht man dann?" "AfD wählen im Zweifel."

Behr: "Aber das bringt doch nichts. Oder glaubst du, dass die das besser lösen?"

Meyer-Ciolek: „Nein. Ich halte die für hochgradig gefährlich. Ich halte das für faschistisch. Aber ich kann nicht mehr so weiter machen wie bisher.“

Behr: "Also, du würdest jetzt tatsächlich AfD wählen, obwohl  du..."

Meyer-Ciolek: "Nein, würde ich jetzt nicht unbedingt, aber ich würde vermutlich zweimal, dreimal drüber nachdenken."

Behr: "Es wäre es ja schlimm, wenn du als engagierter Demokrat mit deiner Proteststimme dafür sorgst, dass es am Ende unsere Demokratie nicht mehr gibt."

Meyer-Ciolek: "Ja, es wär' der Supergau. Und ich hoffe einfach, dass der Schuss so langsam gehört wird."

Grenzen besser schützen?

Und beim Thema Grenzen verläuft das Gespräch so:

Behr: "Okay, also du bist der Meinung, dass Deutschlands Grenzen besser geschützt werden sollen?"

Meyer-Ciolek: "Ja, strikter kontrolliert werden. Denke schon, dass wir einen gut aufgestellten Bundesgrenzschutz haben, aber es findet ganz offenbar im Rahmen der Flüchtlingskrise viel zu viel Bewegung statt. Da ist viel falsch gelaufen."

Behr: "Also, ich glaube auch, dass wir ein geordneteres Verfahren als bisher brauchen bei der Flüchtlingsaufnahme, ich fände es aber schlimm, wenn Deutschland seine Grenzen dicht macht oder stärker kontrolliert, weil das ja eine der größten Errungenschaften Europas ist, dass wir hier freien Grenzverkehr haben und dass Leute wie du und ich ohne Grenzkontrollen nach Dänemark, nach Österreich fahren könnten."

"Wenn man es ausspricht..."

Nach einer Stunde Diskussion die erste Zigarette und eine erste Erkenntnis. "Ich fand mich teilweise ein bisschen großkotzig", sagt Meyer-Ciolek, der enttäuschte Wechselwähler: "Hab ich dann auch durch ihn gemerkt." Teilweise seien Aussagen vielleicht nicht ganz richtig gewesen, müsse er sich mehr mit den Dingen befassen. Und das sei auch ganz gut: Einfach mal durchzuchecken, was denkt man eigentlich selber? "Wenn man es ausspricht, ist es immer einfacher, sich damit zu befassen, was man selber denkt."

Behr meint, es habe ihn schockiert, dass sein Gesprächspartner in ganz vielen Fragen seiner Meinung sei, dass er aber trotzdem einen anderen Weg finden wolle, seine Positionen durchzusetzen. "Ich mach mir ein bisschen Sorgen, weil ich Angst habe, dass sein Kalkül nicht aufgeht", meint er.

Die nächste Themenrunde nehmen die Diskussionspartner dann ohne Mikrofon. Und wer weiß, vielleicht ist es der Beginn einer Freundschaft.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 23. September 2018 um 23:15 Uhr.

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