Mann und Frau unterhalten sich | Bildquelle: picture alliance / Bildagentur-o

"Deutschland spricht" 10.000 Debatten-Paare zugeordnet

Stand: 11.09.2018 14:42 Uhr

Am 23. September ist es soweit: Dann setzen sich - vermittelt durch die Aktion "Deutschland spricht" - Menschen an einen Tisch mit jemandem, der ganz anders denkt. Die Paare wurden jetzt zugeordnet.

Die Aktion "Deutschland spricht" lädt politisch Andersdenkende zum massenhaften Meinungsaustausch ein. Nach der Anmeldephase im August haben die Organisatoren jetzt die Gesprächspartner zugeteilt. Sie können ziemlich sicher sein, dass ihr Gegenüber politisch ganz anders tickt als sie selbst.

Nach Angaben von "Zeit Online" sind 10.293 Paare zusammengekommen. Insgesamt hatten sich rund 28.000 Interessenten dafür angemeldet. Nach der Premiere zur Bundestagswahl 2017 auf Initiative von "Zeit Online" beteiligen sich in diesem Jahr eine Reihe weiterer Medienunternehmen, darunter auch tagesschau.de. Die Schirmherrschaft hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übernommen.

"Respekt gegenüber Andersdenkenden"

"Die Idee ist großartig", sagt Kai Gniffke, als Chefredakteur von ARD-aktuell auch verantwortlich für tagesschau und tagesthemen. "Sie trifft genau den Kern dessen, was wir auch bei ARD-aktuell beabsichtigen: Den gesellschaftlichen Diskurs nicht abreißen zu lassen, selbst wenn die Meinungen unversöhnlich zu sein scheinen."

Die Aktion solle zum Dialog und zum respektvollen politischen Streit ermutigen, betont Gniffke. "Wir möchten zeigen, dass das direkte Gespräch fast immer die Qualität der Diskussion verbessert und zu mehr Respekt gegenüber Andersdenkenden führt."

Jochen Wegner, Chef von "Zeit Online" | Bildquelle: dpa
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Startete vor einem Jahr das Projekt "Deutschland spricht": Jochen Wegner, Chef von "Zeit Online".

Integration und Verkehrspolitik

Alle beteiligten Medien hatten ihren Lesern zunächst Fragen gestellt wie "Können Muslime und Nicht-Muslime in Deutschland gut zusammen leben?" oder "Sollten deutsche Innenstädte autofrei werden?". Wer bei "Deutschland spricht" mitmachen wollte, musste sie zunächst beantworten.

Nach dem Ende der Anmeldephase erfolgte die Zuordnung der Paare, die eine Software übernommen hat: "Sie sucht Paare, die im Sinne unserer Aktion möglichst gut passen - also Menschen, die mit ihren Meinungen weit auseinanderliegen, aber nah beieinander leben, damit sie sich gut treffen können", sagt Jochen Wegner, Chefredakteur von "Zeit Online".

Neugierig auf die abweichende Meinung

Was bringen solche Begegnungen? "Es wäre vermessen, zu glauben, dass man durch Sprechen allein die Welt verändert. Der Zauber liegt aber schon in der Tatsache, dass sich zwei Menschen treffen, die sich normalerweise nicht begegnen würden - und wissen, der hat zu fünf oder sieben Fragen genau das Gegenteil geantwortet wie ich", sagt Wegner.

Schon beim ersten Mal habe es das Feedback gegeben, dass Teilnehmer erstaunt aus dem Gespräch gekommen seien und festgestellt hätten, dass sie gut nachvollziehen konnten, was der andere gesagt habe. "Hat das jetzt die Welt verändert?", fragt Wegner. "Nein, aber es hat vielleicht den einen Gesprächspartner verändert."

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