Menschen stehen Schlange am Flughafen Frankfurt/a.M. | picture alliance/dpa

Umgang mit Reiserückkehrern "Wir müssen Delta zurückdrängen"

Stand: 29.06.2021 12:57 Uhr

Jede zweite Corona-Neuinfektion in Deutschland geht auf die Delta-Variante zurück. Besonders Urlauber aus Virusvariantengebieten könnten als potenzielle Überträger die Lage wieder verschärfen. Die Politik ringt um Lösungen.

Von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio

Bund und Länder haben bei ihren gestrigen Beratungen über den Umgang mit Reiserückkehrern keine Verschärfung der Einreiseregeln beschlossen. Die bereits geltenden Regeln sind gestaffelt: Es gibt Risikogebiete wie Teile Spaniens, dann Hochinzidenzgebiete wie Ägypten. In der höchsten Stufe gelten für Rückkehrer aus sogenannten Virusvariantengebieten wie etwa Portugal oder Großbritannien durchweg 14 Tage Quarantäne.

Kai Clement ARD-Hauptstadtstudio

Diese Auflage greife auch bei vollständig Geimpften, betonte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU). Schließlich könnten auch sie womöglich Überträger einer Mutation sein. "Das ist die europaweit strengste Regel. Unser Schwachpunkt ist, dass andere Länder in Europa die nicht auch haben und da sind wir hoch alarmiert", sagte er.

"Intensivere Kontrollen"

FDP-Vize Johannes Vogel findet die derzeitige Staffelung ziemlich kompliziert. Da müsse die Regierung mehr Klarheit schaffen. "Die Regeln müssen natürlich systematisch kontrolliert werden, das war ja letztes Jahr größtenteils das Problem", sagte er.

Die FDP und CDU-Mann Braun sind zumindest bei diesem Punkt nah beieinander. Er sei sowieso dafür, die Reiseanmeldungen bei Risikogebieten intensiver zu kontrollieren, sagte der Kanzleramtschef. Er zeigte sich offen, für Urlauber verbindliche zusätzliche Tests einzuführen. "Wir müssen Delta zurückdrängen."

Inzidenz fällt auf 5,4

Zwar sinkt die Inzidenz in Deutschland immer weiter - aktuell auf 5,4 von 5,6 am Vortag. Dafür bereitet die Delta-Variante Sorgen. Fast jede zweite Neuinfektion in Deutschland dürfte inzwischen auf die ansteckendere Mutation zurückzuführen sein, schätzt das Robert Koch-Institut.

Doppelte Impfung biete den besten Schutz, so Kanzleramtschef Braun. Die Impfkommission prüfe derzeit, ob man die zweite vorziehen könne. Es sei ein Grenzgang: Einerseits helfe das gegen Delta, andererseits verspreche der längere Abstand die optimale Impfwirkung.

Seehofer stellt Forderung an UEFA

Aus Sicht der Liberalen ist klar: Ein Fehler des Vorjahres dürfe sich nicht wiederholen. "Es darf natürlich nicht zu Grenzschließungen kommen", sagte FDP-Vize Vogel. Nach eineinhalb Jahren Pandemie könne Deutschland nicht allen Ernstes zu dieser Maßnahme greifen. "Uns darf das vereinte Europa nicht zerbrechen."

Innenminister Horst Seehofer (CSU) befürwortet Schleierfahndungen, um Reiserückkehrer zu kontrollieren. Zugleich kritisierte er in der "Süddeutschen Zeitung" mit Blick auf das heutige EM-Spiel Deutschland gegen England, Zehntausende Fans im Stadion seien "unverantwortlich". Die UEFA müsse die Zuschauerzahlen deutlich nach unten korrigieren.

Braun: "Testangebote nutzen"

Die Kritik ist parteiübergreifend - ob von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach oder den Grünen mit ihrem Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen. Der sagte: "Wir machen so alles kaputt, was wir uns an niedrigen Fallzahlen aufgebaut haben." Fußball sollte Vorbild sein und nicht in trügerischer Sorglosigkeit selbst zum Pandemietreiber werden, warnte Dahmen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Impfen, impfen, impfen. Damit wirbt die Politik erneut. "Und auf keinen Fall die zweite Dose verpassen", sagte FDP-Politiker Vogel. Wer die Chance noch nicht hatte, solle das Testangebot nutzen, stellte Kanzleramtschef Braun klar. Wer noch nicht geimpft sei, solle sich zweimal die Woche testen lassen. Das gilt natürlich ganz besonders für Reiserückkehrer aus aller Welt. Gut die Hälfte der Deutschen ist inzwischen einfach geimpft, rund ein Drittel vollständig.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Juni 2021 um 11:00 Uhr.

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