Ein Junge erfrischt sich mit kaltem Wasser aus dem Gartenschlauch. | dpa

Hitzewelle über Deutschland Rekordverdächtige Temperaturen und Gewitter

Stand: 17.06.2021 12:25 Uhr

Das Wetter in Deutschland steht die nächsten Tage ganz im Zeichen von Hitze. Temperaturen von mehr als 35 Grad sind keine Seltenheit. Warum die Wärmebelastung steigen wird und welche Regionen wann betroffen sind.

Vom Tim Staeger, HR

Die erste Hitzewelle dieses Sommers erreicht heute im Westen und Norden ihren Höhepunkt. Verbreitet steigt die Temperatur auf mehr als 30 Grad, vielerorts sogar bis auf 35 Grad und mehr. Am heißesten wird es mit bis zu 37 Grad voraussichtlich in den Innenstädten im Westen, aber sogar Bremen erwartet mit bis zu 35 Grad einen rekordverdächtigen Hitzepeak.

Selbst auf den ostfriesischen Inseln könnte es mit 30 Grad einen amtlichen Hitzetag geben. Lediglich an der Ostsee bleibt es, zumindest heute noch, bei auflandigem Wind mit 25 Grad erträglich.

Heißeste Zeit eigentlich während der Hundstage

Verursacht wird diese recht frühe Hitzewelle durch eine südliche Strömung, mit der Saharaluft ihren Weg über das westliche Mittelmeer weit nach Norden bis an die deutschen Küsten findet. Typischerweise ist die heißeste Zeit zwischen Mitte Juli und Mitte August, während der sogenannten Hundstage.

Es kann jedoch auch schon im Juni schweißtreibend werden, wie beispielsweise am 18. Juni 2018, als in Herten im Ruhrgebiet mit 38,3 Grad die bisher deutschlandweit höchste Temperatur für Mitte Juni gemessen wurde. Der aktuelle Juni-Rekord liegt übrigens sogar bei 39,6 Grad und wurde am 30.6. 2019 in Bernburg (Saale) südlich von Magdeburg registriert.

Hitzewellen in Großstädten häufiger

Dass Hitzerekorde typischerweise jüngeren Datums sind, verwundert in Zeiten globaler Erwärmung kaum noch. So hat eine Studie des Deutschen Wetterdienstes festgestellt, dass Hitzewellen in Großstädten häufiger werden. Seit Beginn flächendeckender Messungen im Jahr 1881 ist es in Deutschland im Mittel um etwa 2 Grad wärmer geworden.

Damit in Verbindung steht auch eine systematische Zunahme von Hitzewellen. Die intensivste wurde europaweit in 2003 beobachtet, als in Frankfurt am Main beispielsweise das 14-tägige Mittel der Höchsttemperatur im August bei 35,8 Grad lag. Der deutsche Hitzerekord von 41,2 Grad stammt jedoch vom 25.7. 2019 und wurde während der damaligen extremen Hitzewelle in Duisburg gemessen. Damals wurde der alte Rekord von 40,3 Grad sogar gleich an 14 Stationen übertroffen.

Luftfeuchtigkeit steigt an

Ganz so extrem wird es zum Auftakt der diesjährigen Saison wohl noch nicht, aber von Westen näherst sich feuchte Luft, wodurch die Wärmebelastung deutlich ansteigt. Denn bei hoher Luftfeuchtigkeit ist die Verdunstung über der Hautoberfläche erschwert, wodurch der Kühleffekt beim Schwitzen herabgesetzt wird.

Die Folge: man schmort quasi im eigenen Saft. Besonders Ältere, aber auch Kinder und Personen mit schwachem Herz-Kreislauf-System sind davon besonders betroffen. Vor allem nachmittags sollte man es ruhiger angehen lassen und ausreichend zuckerarme, alkoholfreie und nicht zu kalte Getränke griffbereit halten.

Umschwung mit Gewittern

Die Feuchte treibt nicht nur den Schweiß auf die Haut sondern auch die Gewitterwolken in die Höhe und so muss bereits am Abend im Westen mit ersten Entwicklungen gerechnet werden, die lokal unwetterartige Ausmaße mit Starkregen, Hagel und Sturmböen annehmen können. Im Laufe des Freitags verlagert sich der Hitzeschwerpunkt weiter in den Osten, aber auch im Westen bleibt es schwül-heiß und gewittrig.

Erst zu Beginn der neuen Woche kündigt sich aus Westen kühlere Luft an, so dass es in der Folge auf einem normalem sommerlichen Temperaturniveau weitergeht. Der Wechsel vollzieht sich ab Sonntag dann typischerweise nicht geräuschlos sondern eher mit Pauken und Trompeten, sprich mit weiteren schweren Gewittern.

Für die Trockenheit, die vor allem im Osten in den tiefen Bodenschichten immer noch verbreitet ist, werden diese Gewittergüsse aber wohl eher der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein sein. Linderung würde hier tagelang oder am besten sogar wochenlang andauernder Landregen bringen.

Witterung bleibt ähnlich erhalten

Ob es 2021 einen verregneten oder einen weiteren Dürresommer gibt, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. Jahreszeitenvorhersagen sind nach wie vor mit großen Unsicherheiten behaftet. Der Deutsche Wetterdienst sieht jedenfalls eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen etwas zu warmen und zu trockenen Sommer. In etwa zwei von drei Jahren werden die Weichen für den weiteren Verlauf des Sommers Ende Juni/Anfang Juli gestellt.

Dann bleibt die Witterung über die nächsten Wochen ähnlich erhalten, da sowohl die Tageslänge, als auch die Temperatur der uns umgebenden Meere wenig Änderungen erfahren. Hierauf fußt auch die Siebenschläfer-Regel: So wie das Wetter am Siebenschläfertag (27. Juni), es noch sieben Wochen weitergehen mag. Ob es dieses Jahr zutrifft? Schauen wir mal.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Juni 2021 um 12:00 Uhr.