Einwohner von Naumburg stehen auf dem Markt vor zwei Zelten und warten auf den Start der Corona-Schnelltests.  | dpa

Corona-Krise Gratis-Schnelltests starten - aber nicht überall

Stand: 08.03.2021 09:25 Uhr

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt laut RKI weiter leicht an - gleichzeitig öffnen viele Bundesländer zaghaft das öffentliche Leben. Beim Start der kostenlosen Schnelltests hapert es offenbar. Die Apotheker klagen über unzureichende Organisation.

Es sind vorsichtige Schritte, doch sie werden sehnsüchtig erwartet. Fünf Tage nach den jüngsten Corona-Beratungen treten in vielen Bundesländern Lockerungen in Kraft. Parallel dazu soll mehr getestet werden. Geplant ist, dass der Bund ab heute allen Bürgern mindestens einen Schnelltest pro Woche bezahlt.

Das hatten Bund und Länder bei ihrem jüngsten Treffen am vergangenem Mittwoch vereinbart. Tatsächlich sind die Tests aber noch nicht überall durchgängig verfügbar.

Söder sieht Regierung in der Pflicht

Aus der Opposition, aber auch aus der Regierungskoalition wurde Bundesgesundheitsminister Jens Spahn deshalb mangelhafte Vorbereitung vorgeworfen. Der wies die Kritik zurück und betonte am Wochenende, es sei nie vereinbart worden, dass der Bund die Tests beschaffe. "Was vereinbart war, ist, dass wir mithelfen, dass sie zugänglich sind, dass sie verfügbar sind."

Für die Bereitstellung der Schnelltests sind die Bundesländer verantwortlich. Bayerns Regierungschef Markus Söder stellte im Morgenmagazin von ARD und ZDF klar, dass sein Bundesland viele Hundert Millionen Schnelltest vorbestellt habe. Sie sollen in den kommenden Tagen vordringlich an Schulen ausgeliefert werden, um den Neustart des Unterrichts zu garantieren. Der Bund stehe aber ebenso in der Pflicht, die Finanzierung der Schnelltests wie zugesagt bis März zu regeln, betonte er.

Apotheker klagen über Organisation

In Testzentren und Apotheken soll geschultes Personal die Abstriche in Nase und Rachen vornehmen. Doch es hapert offenbar an der Organisation vor Ort. Es werde nicht möglich sein, dies sofort überall umzusetzen, sagte die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Gabriele Regina Overwiening, im Morgenmagazin von ARD und ZDF.

So müsse die Wegeführung für Testkunden zumeist eine andere sein als für andere Kunden. Die Mitarbeiter bräuchten zudem für den eigenen Schutz eine entsprechende Ausrüstung. Eine Vergabe von Terminen nannte Overwiening sinnvoll. Es gebe auch Apotheken, wo man sich spontan testen lassen könne. Die Arbeitslast müsse aber für die Apotheken kalkulierbar sein. 

Selbsttest-Kits in vielen Supermärkten

In dieser Woche kommen auch immer mehr Laien-Selbsttests für die Anwendung Zuhause in den Einzelhandel. Die Discounter Aldi und Lidl boten erste Selbsttest schon am Samstag an. Auch die Supermärkte von Rewe und Edeka wollen bald mit dem Verkauf beginnen. Die Drogeriemarkt-Ketten Rossmann und dm planen den Start für Dienstag.

Zeitgleich fahren die Bundesländer ihre Corona-Auflagen vorsichtig zurück. Vielerorts sind wieder private Zusammenkünfte des eigenen Haushalts mit einem weiteren Haushalt erlaubt, beschränkt auf maximal fünf Personen plus Kinder.

Zugleich dürfen Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartenmärkte wieder öffnen, soweit sie nicht ohnehin schon offen waren. Der Einzelhandel darf in den meisten Bundesländern Shopping-Termine für eine begrenzte Zahl von Kunden vergeben. Ähnliche Regelungen wie beim Einkaufen gelten auch für die Öffnung von Museen und Galerien. Auch für kontaktfreien Sport im Freien sind Lockerungen vorgesehen.

Lauterbach befürchtet Anstieg ab April

Die Lockerung von Corona-Regeln ist nicht unumstritten. Bund und Länder hatten vergangene Woche eine Öffnungsstrategie in fünf Schritten beschlossen, aber auch mit einer eingebauten Notbremse, falls einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Neuinfektionen in einer Region führen. 

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet damit, dass die Notbremse schon bald nötig wird. Wegen der Ausbreitung der ansteckenderen Virus-Varianten würden die Fallzahlen in den nächsten Wochen stetig steigen, warnte er in der ARD-Sendung Anne Will. Er erwarte, dass die Sieben-Tage-Inzidenz Anfang April wieder über 100 liegen werde. "Dann ist die Mutation so weit verbreitet, dass es eine ganz neue Dynamik gibt."

Tatsächlich steigen die Infektionszahlen in vielen Regionen wieder. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete binnen eines Tages 5011 neue Fälle. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 34 neue Todesfälle verzeichnet - und damit ein neuer Tiefstand im Jahr 2021. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bundesweit bei 68,0 - und damit höher als am Vortag.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 08. März 2021 um 09:00 Uhr.