Deutsche-Welle-Zentrale in Bonn | picture alliance /

Externe Untersuchung angeordnet Deutsche Welle prüft Antisemitismusvorwürfe

Stand: 01.12.2021 11:15 Uhr

Antisemitische Äußerungen in Artikeln und Social-Media: Die "Süddeutsche Zeitung" hat in einem Bericht schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Deutschen Welle erhoben. Nun leitet der Sender eine externe Untersuchung ein.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" über Antisemitismusvorwürfe gegen mehrere Mitarbeiter der Deutschen Welle (DW), hat der Sender eine Prüfung der Anschuldigungen angekündigt. "Auf Anordnung des Intendanten wird die DW umgehend eine unabhängige externe Untersuchung beauftragen", teilte der deutsche Auslandssender mit.

Laut dem "SZ"-Artikel hätten sich mehrere Mitarbeiter der arabischen Redaktion der DW in Beiträgen im Internet in der Vergangenheit antiisraelisch bis antisemitisch geäußert. Dies habe eine umfangreiche Auswertung einer großen Anzahl von Social-Media-Posts und in arabischen Medien erschienener Artikel ergeben.

Ein Redakteur etwa soll den Holocaust auf Facebook ein "künstliches Produkt" genannt haben und geäußert haben, dass die Juden weiterhin "die Gehirne der Menschen durch Kunst, Medien und Musik" kontrollieren würden, schreibt die Zeitung.

Konsequenzen, wenn sich Vorwürfe bewahrheiten

Die DW ergänzte in ihrem Statement: Unter anderem gebe der Verhaltenskodex der DW klar vor, welche Werte alle Mitarbeitenden der DW zu respektieren und nach innen wie nach außen zu vertreten hätten. Der Kodex der Chefredaktion zeige eindeutig, welche journalistischen Prinzipien sie im Hinblick auf den Umgang mit Antisemitismus beachten müssen. Die DW werde nach einer ersten Prüfung gegebenenfalls "umgehend Konsequenzen ziehen, wenn sich Verstöße gegen diese Regeln bewahrheiten."

Bereits im Februar hatte die "Süddeutsche Zeitung" von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DW berichtet, die schwere Vorwürfe gegen die Führung des Auslandssenders erheben. In verschiedenen Abteilungen gebe es Einschüchterung und Schikane, berichtete die Zeitung unter Berufung auf mehrere DW-Angestellte. Auf die Meldung von Missständen werde nicht angemessen reagiert. Mit drei freien Mitarbeitern habe die DW im Dezember 2020 die Zusammenarbeit beendet. Aus internen E-Mails gehe hervor, dass sie sich zuvor kritisch geäußert hatten. Der Sender hatte laut Bericht die Vorwürfe bestritten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Dezember 2021 um 15:40 Uhr.