Frau mit Laptop steht vor einer Wand mit einem Login | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Nutzerkonten im Internet Die deutsche Datenallianz

Stand: 28.07.2017 20:49 Uhr

Facebook, Google oder Twitter bieten längst die Möglichkeit, sich mit seinem Benutzerkonto auch bei anderen Diensten anzumelden. Diesem Vorbild folgen nun deutsche Konzerne und gründeten gleich zwei Allianzen.

Von Stephan Ebmeyer, SWR

Eine Allianz fürs Anmelden: So lässt sich das Vorhaben umschreiben, das deutsche Konzerne gerade vorantreiben. Genau genommen gibt es zwei Allianzen: Die erste gründeten Deutsche Bank, Postbank, Daimler, Axel Springer, das IT-Unternehmen Core und der Geodatendienst Here. Jetzt kündigten RTL, ProSiebenSat.1 und United Internet eine zweite an.

Eine Anmeldung für alles?

Diese zweite Allianz bündelt die dominierenden Akteure im Privatfernsehmarkt und United Internet - ein Unternehmen, das spätestens seit der Übernahme des Mobilfunkanbieters Drillisch noch größer im Internetgeschäft ist. Nach eigenen Angaben kommen sie zusammen auf mehr als 45 Millionen monatliche Nutzer. Erster und bislang einziger Partner der Initiative ist Zalando. Für weitere seien die beiden Unternehmen "explizit offen". 2018 soll es losgehen: ein Zugang für alle Dienste der beteiligten Partner, ob TV, E-Mails oder Schuhe.

Log der ProSiebenSat.1-Mediengruppe
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ProSiebenSat.1 verspricht den Kunden Vorteile durch die neue Allianz.

Der Vorstandsvorsitzende von ProSiebenSat.1, Thomas Ebeling, verspricht: "Mit unserer Allianz schaffen wir einen überzeugenden Mehrwert für den Kunden. Zugleich stärken wir den deutschen Digitalmarkt, indem wir ein Gegengewicht schaffen zu den monopolistischen und intransparenten Algorithmen der US-Spieler."

Angeblich habe der Nutzer "stärkere Kontrolle" über seine Daten. So sollen sie nur nach Zustimmung zu anderen Diensten übertragen werden und verbleiben den Angaben zufolge innerhalb der EU. Europäische Datenschutzstandards seien ebenfalls berücksichtigt.

Daten nutzen oder Daten schützen

Der Datenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz, Dieter Kugelmann, hat grundsätzlich nichts gegen das geplante Vorhaben einzuwenden. Noch seien allerdings zu viele Fragen ungeklärt: etwa, wo genau die Server stünden, wie sicher die Daten dort wirklich seien und welche Daten genau gesammelt würden.

Generell warnt Kugelmann davor, dass Nutzerdaten auch bei allen anderen damit verbundenen Diensten nicht mehr sicher seien, falls ein persönliches Konto einmal gehackt werde. Ein Login für alle Dienste ist eben bequem für den Nutzer, aber auch bequem für Hacker.

Eine Allianz fürs Leben im Internet?

Die erste Allianz will nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sogar noch mehr bieten: Mit der Plattform könne sich der Nutzer nicht nur beim Banking und Carsharing einloggen, sondern auch Verträge abschließen und sogar Behördenangelegenheiten erledigen. Sie will in der zweiten Jahreshälfte 2018 an den Start gehen. Auch andere Unternehmen sollen ihre Dienste über die Plattform verfügbar machen können.

Ein Austausch zwischen den beiden Allianzen ist bislang übrigens nicht vorgesehen.

Eine Alternative für Daten in Deutschland?

Bislang beherrscht Facebook die Domäne des sogenannten "Single-Sign-On". Auch Google und Twitter bieten an, dass sich Menschen mit ihren dortigen Login-Daten auch bei anderen Diensten registrieren können, ohne mühsam ein eigenes Benutzerkonto anlegen zu müssen. Die daraus gewonnenen Daten sind wiederum für die US-Konzerne interessant.

Die deutschen Allianzen fürs Anmelden dürften wohl viele Menschen ansprechen, die den amerikanischen Mega-Konzernen nicht trauen. Aber ob sie auch technisch mithalten können, komfortabel und innovativ genug sind, wird sich erst zeigen. Falls nicht, droht ihnen ein ähnliches Schicksal wie einem ebenfalls mit hehren Absichten gestarteten, aber kaum genutzten Dienst: De-Mail.

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