Georg Bätzing | dpa

Deutsche Bischofskonferenz Bätzing für "wesentliche Veränderungen"

Stand: 20.09.2021 18:31 Uhr

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bätzing, hat Reformen in der katholischen Kirche angemahnt. Zu Beginn der Herbstvollversammlung sprach er sich etwa für eine veränderte Sexualmoral aus.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat zu Beginn ihrer Herbstvollversammlung den Willen zu Reformen unterstrichen. Ziel des derzeitigen Reformprozesses der deutschen Katholiken, des Synodalen Wegs, sei es, "das Handeln der Kirche sehr konkret zu verändern", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zu Beginn des viertägigen Treffens. Es gehe nicht um einen "kleineren Außenanstrich", sondern um "wesentliche Veränderungen", so Bätzing.

Die Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche sollten spüren, "dass sich Wesentliches verändert", sagte Bätzing. Konkret heißt das für Bätzing: "Die Rolle der Frau ist nach meinem Begriff, das habe ich oft genug gesagt, die entscheidende Zukunftsfrage, und eine Öffnung in die Dienste und Ämter hinein muss diskutiert werden." Zur kirchlichen Sexualmoral sagte er: "Wir brauchen da Zeichen. Zeichen auch im Blick auf Partnerschaften, die nicht in einer sakramentalen Ehe beschlossen werden, ob sie gleichgeschlechtlich oder mehrgeschlechtlich sind. Wir brauchen konkrete Zeichen."

Hoffnung auf baldige Entscheidung zu Erzbistum Köln

Bätzing machte diese Zusicherung angesichts immer drängenderer und ungeduldiger Forderungen nach Reformen. Konservative Bischöfe wie der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kritisieren, dass Bätzing und andere Reformer nur Erwartungen schüren würden, die sie am Ende nicht einhalten könnten, weil der Vatikan dabei nicht mitmachen werde. Dies könne dann nur zu großem Frust bei den deutschen Katholiken führen.

Die Bischöfe Rudolf Voderholzer aus Regensburg und Stefan Oster aus Passau gehen sogar auf Distanz zum Reformprozess in der katholischen Kirche. Voderholzer hatte jüngst sogar Alternativtexte zum Synodalen Weg auf einer eigenen Website veröffentlicht. Dazu sagte Bätzing, dies sei ein "Überraschungsmoment" gewesen, Voderholzers Initiative gefährde den Synodalen Weg jedoch in keiner Weise. Ob es klug von ihm gewesen sei, so zu handeln, müsse sich zeigen.

Größtes deutsches Bistum in der Dauerkrise

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz mahnte weiterhin eine baldige Entscheidung im Fall des Kölner Kardinals Woelki an. Das größte deutsche Bistum befindet sich seit einem Jahr in einer Dauerkrise, weil Woelki ein Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen zunächst aufgrund rechtlicher Bedenken zurückgehalten hatte. "Wir warten. Ich warte auch", sagte Bätzing.

Er hoffe, "dass das nicht mehr allzu viel Zeit in Anspruch nimmt". Viele Menschen erhofften eine Entscheidung - aber die Beurteilung der von Papst Franziskus nach Köln geschickten Visitatoren liege noch nicht vor, so Bätzing.

Verständnis für Kritik an Entscheidung zu Heße

An der Herbstvollversammlung nahm auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße teil, der dem Papst im März seinen Rücktritt angeboten hatte. Der Grund dafür war, dass ihm ein Gutachten Pflichtverletzungen bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch nachgewiesen hatte. In der vergangenen Woche hatte Papst Franziskus gleichwohl entschieden, dass Heße in sein Amt zurückkehren kann.

Dies hatte Kritik ausgelöst. Bätzing äußerte in Fulda Verständnis für die Irritation. "Ich kann das wirklich gut verstehen", sagte er. Für den Papst sei jedoch ausschlaggebend gewesen, dass er keine Hinweise für eine "aktive, willentliche Vertuschung" durch Heße gefunden habe. Es sei aber nicht so, dass der Papst immer seine schützende Hand über die Bischöfe halte. In den vergangenen Jahren hätten etliche Bischöfe auf der Welt ihr Amt verloren, sagte Bätzing.

Mahnende Worte des Papstbotschafters

Einen eindringlichen Appell, die Einheit der Kirche zu wahren und den Weisungen des Papstes zu folgen, richtete der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, an die deutschen Bischöfe. In deinem Grußwort erinnerte der Vatikandiplomat an ein spanisches Radiointerview des Papstes. Darin hatte Franziskus unlängst gesagt, es sei nicht böser Wille, der viele deutsche Bischöfe antreibe, sondern "ein pastorales Verlangen", das aber manche notwendigen Weisungen des Papstes "nicht berücksichtige". Diese Weisungen habe er am 29. Juni 2019 in dem Papstbrief "an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" formuliert.

Eterovic erinnerte daran, dass bereits Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in seiner Ansprache in Berlin vor drei Monaten einige Passagen aus diesem Brief wiederholt und dabei "auf die Bedeutung der Einheit in der katholischen Kirche" verwiesen habe. Dabei habe Parolin den Papst mit den Worten zitiert: "Sooft eine kirchliche Gemeinschaft versucht hat, alleine aus ihren Problemen herauszukommen, und lediglich auf die eigenen Kräfte, die eigenen Methoden und die eigene Intelligenz vertraute, endete das darin, die Übel, die man überwinden wollte, noch zu vermehren und aufrechtzuerhalten".

Mit Informationen von Tilmann Kleinjung, BR