Ein ICE 4 steht im Bahnbetriebswerk. | Bildquelle: dpa

Mangelhafte Schweißnähte ICE 4 muss nachgebessert werden

Stand: 04.04.2019 20:14 Uhr

Mehr Sitzplätze, mehr Komfort - und weniger Verspätungen: All das wollte die Bahn mit dem ICE 4 erreichen. Doch nun wird sie den Herstellern vorerst keine Züge mehr abnehmen: Es wurden mangelhafte Schweißnähte entdeckt.

Die Deutsche Bahn nimmt wegen Fertigungsfehlern vorerst keine weiteren ICE-4-Züge von den Herstellern mehr an. Wie der Hersteller Siemens gemeinsam mit dem Subunternehmer Bombardier mitteilte, wurde festgestellt, "dass vereinzelt Schweißnähte an ICE-4-Wagenkästen nicht wie vorgeschrieben ausgeführt wurden". Das sei aber nicht sicherheitsrelevant.

Auch die Bahn betonte, dass die Sicherheit der Züge davon unberührt sei: "Alle ICE-4-Fahrzeuge waren und sind jederzeit sicher." Zur Zahl der betroffenen Züge wollten die Hersteller keine Angaben machen. Der "Spiegel" berichtet von betroffenen 15 Wagen, die bereits im Betrieb sind und nun wegen der Reparatur über Monate ausfielen. Siemens teilte hingegen mit: "Es ergeben sich aktuell keine Auswirkungen auf diese im Einsatz befindlichen Züge."

Ein Zug des Typs ICE 4 der Deutschen Bahn verlässt den Hauptbahnhof in München | Bildquelle: picture alliance / Sven Hoppe/dp
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Sechs Milliarden Euro investierte die Bahn in den ICE 4 - der größte Auftrag ihrer Geschichte.

Auftrag über sechs Milliarden Euro

Die Bahn forderte die Hersteller auf, die Wagen im Rahmen der Gewährleistung auszubessern. Wie Siemens mitteilte, arbeiten die Unternehmen zusammen mit dem Eisenbahn-Bundesamt an einer Lösung. Die Reparaturen dürften allerdings nicht schnell gehen, weil sie den Rohbau fertig ausgestatteter Züge betreffen.

Für die Bahn ist das Problem schwerwiegend - es ist der größte Auftrag ihrer Geschichte. Das Gesamtvolumen umfasst sechs Milliarden Euro, bis zum Jahr 2023 sollen mehr als 100 Züge geliefert werden. Bislang sind nach Angaben der Bahn insgesamt 25 ICE 4 in Betrieb.

Verspätungen und Zugausfälle

Der Fertigungsfehler könnte langfristig zu einem höheren Wartungsaufwand führen, wie der Konzern mitteilte. Das kann bedeuten, dass die Züge häufiger in die Werkstatt müssen. Die Wagenreserve der Bahn ist jedoch knapp, der Konzern hält ohnehin nur mühsam Schritt mit den wachsenden Fahrgastzahlen. Verspätungen und Zugausfälle häuften sich im vergangenen Jahr im Fernverkehr.

Das neue Flaggschiff ICE 4 soll das ändern. Mehr Sitzplätze, mehr Komfort und mehr Zuverlässigkeit, lautete das Versprechen. Die ersten ICE 4 sind seit Dezember 2017 auf den Gleisen.

Schon vor dem Regelbetrieb hatte es mit dem ICE 4 jedoch Probleme bei Testfahrten gegeben. Einzelne Waggons vibrierten bei hohem Tempo auf einigen Streckenabschnitten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. April 2019 um 20:00 Uhr.

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