Trump bei einer Rede am 29. Mai in Arlington | Bildquelle: AP

Deutsch-amerikanisches Verhältnis Wettern gegen Trump - mit einer Ausnahme

Stand: 30.05.2017 08:59 Uhr

In der Diskussion um das deutsch-amerikanische Verhältnis hat Außenminister Gabriel nachgelegt: "Wer dieser US-Politik nicht entgegentritt, macht sich mitschuldig", sagte er. Auch Politiker anderer Parteien gingen Trump an. Nur die FDP setzt nicht auf Konfrontation.

Nach den kritischen Äußerungen der Kanzlerin über das deutsch-amerikanische Verhältnis hat sich auch Außenminister Sigmar Gabriel kritisch über US-Präsident Donald Trump geäußert: "Wer dieser US-Politik nicht entgegentritt, macht sich mitschuldig", sagte er der "Rheinischen Post". Die kurzsichtige Politik der US-Regierung stehe gegen die Interessen der Europäischen Union. "Wer den Klimawandel durch weniger Umweltschutz beschleunigt, wer mehr Waffen in Krisengebiete verkauft und wer religiöse Konflikte nicht politisch lösen möchte, der bringt den Frieden in Europa in Gefahr", sagte Gabriel.

Auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz kritisierte die Haltung der USA und forderte Widerstand aus Europa gegen Trump. Sich ihm in den Weg zu stellen sei "das Gebot der Stunde", sagte Schulz bei einer Parteiveranstaltung.

Zypries: "Nicht reden ist keine Alternative"

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) beurteilte das deutsch-amerikanische Verhältnis positiver: "Es gibt viele Diskussionen zwischen den unterschiedlichen Beteiligten - die Ministerien, die Parlamente und das Weiße Haus sind in einem durchaus konstruktiven Spannungsverhältnis", sagte sie im ARD-Morgenmagazin. "Deswegen finde ich eben auch: Wir müssen mit den Amerikanern weiter reden. Nicht reden ist keine Alternative."

Röttgen: "Trump nicht mit den USA verwechseln"

CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen rief die Europäer zu mehr Eigenständigkeit auf. "Trump hat durch seine Äußerungen, seine Nichtaussagen und sein Verhalten die Grundlagen der transatlantischen Gemeinschaft in Frage gestellt", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Zugleich mahnte er jedoch: "Wir sollten nicht den Fehler machen, Trump mit den USA zu verwechseln. Er ist der gegenwärtige Präsident, aber nicht die USA."

Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen, sieht das ähnlich. Im ARD-Morgenmagazin sagte er: "Die USA sind die besten Wertepartner, die Deutschland hat." Mit Trump sei jedoch schwer zu planen. Dennoch sei die Kooperation mit den USA notwendig. "Deshalb sollte man nun nicht mit der ganz großen moralischen Keule kommen", warnte er. Nouripour forderte jedoch auch: "Wir müssen den Amerikanern klar machen, dass wir auch ohne sie weitermachen können - im Klimaschutz zum Beispiel."

"Keine dauerhafte Entfremdung"

FDP-Chef Christian Lindner warnte vor abreißenden Gesprächen. "Aus Irritation darf keine dauerhafte Entfremdung werden", sagte er. "Der Dialog muss gerade dann, wenn es große Meinungsunterschiede gibt, besonders intensiv geführt werden", forderte Lindner.

Der Vorsitzende der Linksfraktion, Dietmar Bartsch, forderte in der "Nordwest-Zeitung" eine Neuordnung der internationalen Beziehungen: "Es ist lange überfällig, eine eigenständige Politik gegenüber der Administration von Donald Trump durchzusetzen", sagte er.

DIHK warnt vor überzogenen Reaktionen

Der Deutsche Industrie-und Handelskammertag (DIHK) warnte vor überzogenen Reaktionen und verwies auf die engen wirtschaftlichen Verbindungen: "Die USA sind unser größter Exportkunde. Wir kaufen und verkaufen für mehr als 150 Milliarden Euro pro Jahr Produkte und Dienstleistungen im US-Geschäft", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Über dieses Thema berichteten am 30. Mai 2017 das ARD-Morgenmagazin u.a. um 06:43 Uhr und tagesschau24 um 09:00.

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