Dresden: Polizisten und Demonstranten stehen auf der Magdeburger Straße.  | dpa

"Querdenker" in Dresden Angriffe gegen Polizisten bei Corona-Demo

Stand: 13.03.2021 22:14 Uhr

Erneut haben in deutschen Städten zahlreiche Menschen gegen die Corona-Politik demonstriert. In Dresden versammelten sich trotz Verbots Hunderte Demonstranten. Dabei kam es zu Angriffen auf Polizisten, zwölf Beamte wurden verletzt.

Trotz Verbots einer "Querdenken"-Demonstration in Dresden sind mehrere Hundert Menschen durch die sächsische Landeshauptstadt gezogen. Ein Polizeisprecher sagte, Polizeibeamte hätten die Teilnehmer wegen Verstoßes gegen die geltenden Corona-Auflagen gestoppt. Dabei sei es auch zu tätlichen Angriffen und Widerstand gegen Beamte gekommen.

Laut Polizeidirektion Dresden wurden zwölf Polizisten verletzt. Zudem seien 47 Straftaten registriert worden - darunter neun tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte, sieben Beleidigungen sowie jeweils zwei Verstöße gegen das Waffengesetz und das Versammlungsgesetz. Außerdem wurde 17 Mal Widerstand gegen Vollzugsbeamte geleistet. Insgesamt wurden 915 Platzverweise erteilt sowie 943 Anzeigen wegen Verstoßes gegen die sächsische Corona-Schutzverordnung gestellt.

Ein 36-Jähriger kam vorübergehend in Polizeigewahrsam. Drei Menschen im Alter von 16, 41 und 50 Jahren wurden vorläufig festgenommen. Ihnen wird ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte vorgeworfen.

"Mit unser aller Gesundheit gespielt"

Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks verurteilte die Gewalt. "Sogenannte Querdenker zeigen ihr wahres Gesicht: Gewaltbereite Extremisten am Werk", twitterte er. Sachsens SPD-Chef und stellvertretender Regierungschef Martin Dulig äußerte sich schockiert. "Jeder, der auf dieser verbotenen Demo mitläuft, macht sich gemein mit den verübten Straftaten. Corona wird so nicht aufgehalten, im Gegenteil! Hier wird mit unser aller Gesundheit gespielt."

Das Oberverwaltungsgericht Bautzen hatte in der Nacht zum Samstag das Verbot der Querdenker-Demonstration in Dresden bestätigt. Die Stadt hatte am Dienstag ein Versammlungsverbot ausgesprochen, das Verwaltungsgericht Dresden bestätigte dies am Freitag.

Angriff auf Pressevertreter in Stuttgart

In Stuttgart wurde ein Fernsehteam des SWR nach dem Ende einer Demo angegriffen. Wie ein Sprecher der Polizei sagte, wurde das Team mit einem Gegenstand beworfen worden. Verletzt worden sei niemand. Auch andere Medienvertreter, die ihre Zelte zur Berichterstattung über die Landtagswahl vor dem Landtag aufgestellt hatten, seien von den Teilnehmern der Demo verbal angegriffen und in Sprechchören als "Lügenpresse" bezeichnet worden. Zuvor hatten sich in Stuttgart viele Hundert Menschen unter dem Motto "Es reicht" versammelt.

Auch in anderen Städten gingen Menschen gegen die Corona-Auflagen auf die Straße. In München versammelten sich mehrere Tausend Menschen unter dem Motto "Ein Jahr Lockdown-Politik - es reicht" in der Nähe des bayerischen Landtags. Die Polizei musste eigenen Angaben zufolge die Demonstration am Nachmittag "wegen mehrerer nicht-eingehaltener Auflagen" auflösen. So sei nicht nur die zugelassene Teilnehmerzahl überschritten worden. Vielfach seien die Maskenpflicht ignoriert und der Mindestabstand nicht eingehalten worden.

Demo vor dem Gesundheitsministerium

In Berlin gab es Demonstrationen an verschiedenen Orten der Stadt. Außerdem waren zwei Auto-Korsos mit mehreren Hundert Fahrzeugen angemeldet. Nach Polizeiangaben trafen sich "in der Spitze rund 1000 Demonstranten" vor dem Bundesgesundheitsministerium zu einer Kundgebung. Ein dpa-Reporter sprach von Hunderten Teilnehmern. "Die Demonstranten haben sich später verstreut und auf 400 verringert", sagte eine Polizeisprecherin. Angemeldet waren nach Polizeiangaben 50 Menschen. Die Mehrheit der Demonstranten war mit Masken unterwegs, jedoch nicht alle. Ein Dutzend Gegendemonstranten riefen "Wir impfen euch alle."

In Düsseldorf demonstrierten am nordrhein-westfälischen Landtag nach Polizeiangaben rund 2000 Menschen gegen Corona-Einschränkungen. In Kiel kamen bis zu 900 Teilnehmer zu Protesten zusammen. Zu einer Gegendemonstration kamen bis zu 200 Teilnehmer, wie die Polizei am Nachmittag berichtete. In Hamburg nahmen an einer Demonstration der Gegner von Corona-Maßnahmen nach Angaben der Polizei etwa 200 Menschen teil. Weitere etwa 400 Beobachter und Unterstützer standen hinter den Absperrungen. Eine Gegendemonstration kam auf rund 100 Teilnehmer. In Hannover demonstrierten laut Polizei knapp 800 Menschen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. März 2021 um 20:00 Uhr.