Kampagnen-Logo der Demokraten | Bildquelle: AFP

Demokraten vor US-Wahl Kampf um jede Auslands-Stimme

Stand: 17.08.2020 04:10 Uhr

Auf dem heute beginnenden Parteitag soll Biden als Präsidentschaftskandidat nominiert werden. Auch in Deutschland mobilisieren die US-Demokraten. Denn die Stimmen der Auslandsamerikaner könnten entscheidend werden.

Von Ute Spangenberger, SWR

Für die Mitglieder der Democrats Abroad aus Mainz und Wiesbaden ist es ein ganz besonderes Treffen. Zum ersten Mal seit dem Corona-Lockdown im März treffen sie sich wieder persönlich, face to face, in einem Biergarten. In den vergangenen Monaten hatten sie nur online Kontakt gehalten. Jetzt, mit Blick auf die bevorstehende Präsidentschaftswahl, wollen sie alle Kräfte bündeln und Aktionen planen. Allein in Deutschland haben die Democrats Abroad etwa 12.000 Mitglieder, weltweit sind es nach Angaben der Organisation rund 150.000.

"The last push", alles nach vorne werfen, so beschreibt Beverly Seebach die Arbeit der Democrats Abroad derzeit: "Unsere Haupttätigkeit und der Hauptgrund, warum es uns gibt, ist Auslandsamerikaner zu motivieren, wählen zu gehen", erklärt sie.

Mitglieder der "Democrats Abroad" aus Mainz und Wiesbaden
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Mitglieder der Democrats Abroad aus Mainz und Wiesbaden: Zünglein an der Waage bei den Wahlen in den USA

Seit 40 Jahren in Deutschland

Beverly Seebach lebt seit 40 Jahren in Deutschland, darf aber in den USA wählen, da sie die US-Staatsbürgerschaft hat. Sie rechnet vor, dass es weltweit 6,7 Millionen Amerikaner im Ausland gäbe, die wahlberechtigt seien. Doch bei der Wahl 2016 hätten gerade mal sieben Prozent gewählt: "Wir haben ein riesiges Potenzial an Amerikanern, die bei der vergangenen Wahl nicht gewählt haben", sagt sie. "Die Zahl der Auslandsamerikaner, die wählen dürfen, ist größer als die Bevölkerung in elf Bundesstaaten zusammen."

Zünglein an der Waage

Wer es schaffe, Wähler zu mobilisieren, könne sich die entscheidenden Stimmen im Kampf um die Präsidentschaft sichern, schätzt USA-Kenner David Sirakov von der Atlantischen Akademie in Kaiserslautern: "Die Stimmen der Millionen Auslandsamerikaner können durchaus eine große Auswirkung auf das Wahlergebnis haben, gerade in den Bundesstaaten, die am Ende ziemlich knapp entschieden werden", sagt er. "Da kann die Briefwahl aus dem Ausland schon das Zünglein an der Waage sein."

Deandra Anderson, die Vorsitzende der Ortsgruppe Mainz-Wiesbaden, gibt ein Beispiel: "Es steht viel auf dem Spiel. Ich etwa stimme in North Carolina ab, das ist einer der sogenannten Swing States. 2008 hat North Carolina für Obama gestimmt, 2012 nicht und 2016 war es ein Trump-Staat. Dieses Jahr wird es ein Biden-Staat werden. Es ist ein Imperativ, wählen zu gehen."

Aktionen besprechen

Bei ihrem Treffen in Mainz besprechen die Democrats Abroad ihre nächsten Aktionen, unter anderem eine große Kampagne in bis zu 30 deutschen Städten Anfang September. Dann wollen sie Infostände in den Fußgängerzonen aufbauen, um mit Auslandsamerikanern ins Gespräch zu kommen. Viele wüssten gar nicht, dass sie wählen dürfen. Oder ihnen sei der Registrierungsprozess zu kompliziert.

"Request a ballot. Vote by mail. Shape the future", steht auf den Plakaten, die sie zu ihrem Treffen mitgebracht haben. Das heißt so viel wie: "Registriere dich für die Abstimmung. Mache Briefwahl. Gestalte die Zukunft."

Weltweit werben prominente Demokraten und ihre Unterstützer dafür, wählen zu gehen. "Every vote counts", jede Stimme zählt, das hat auch Barack Obama kürzlich getwittert.

Politisierung der Wähler

USA-Kenner Sirakov glaubt, dass in diesem Jahr tatsächlich mehr Auslandsamerikaner wählen gehen werden, weil sie "politisiert" sind: "Präsident Trump polarisiert extrem. Auch die Amerikaner im Ausland bekommen immer wieder Fragen wie: 'Mensch, was ist denn bei euch los?' Das erhöht die Betroffenheit, vor allem natürlich bei den Anhängern der Demokraten."

Sozusagen in Sippenhaft genommen zu werden, diese Erfahrung hat Ben Foyle schon öfter gemacht. Er ist mit seiner Mutter zu dem Treffen der Democrats Abroad in Mainz gekommen.

Ben ist erst 16 Jahre alt, darf noch nicht wählen: "Ja, das merke ich auch in der Schule, dass ich auf die Politik von Präsident Trump angesprochen werde und man mich fragt, wie ich als Amerikaner dazu stehen kann."

Rosa Foyle, die Mutter von Ben, ergänzt: "Trump hat mit seiner Politik kein Gefühl der Einheit geschaffen. Er brachte die Menschen dazu, andere und Minderheiten nicht zu mögen oder zu hassen. Deshalb denke ich, dass diese Wahl wahrscheinlich die wichtigste Wahl in der Geschichte der USA in den vergangenen 100 Jahren ist."

Junge Wähler

An dem Parteitag der Demokraten in den USA nehmen auch drei junge Delegierte der Democrats Abroad aus Deutschland teil. Mit ihnen hat die Ortsgruppe aus Mainz/Wiesbaden nochmal via Internet gesprochen. Klimapolitik und eine Krankenversicherung für alle - das sind zwei der Themen, für die sich die Delegierten stark machen.

Amelia Gorman ist mit ihren 18 Jahren die jüngste Wahlberechtigte bei dem Treffen der Democrats Abroad. Sie sagt, dass die Politik von Präsident Trump dazu geführt habe, dass auch die Demokraten viel mehr über Themen wie "racial justice"  gesprochen hätten: "Das hat vor allem junge Leute inspiriert. Und als dann die Pandemie ausbrach, hat sich alles sozusagen verdichtet und viele Risse in der Gesellschaft haben sich gezeigt."

Daher glaubt sie, dass sich gerade jetzt besonders viele junge Amerikaner engagieren wollen und wählen werden - überall auf der Welt.

Parteitag unter schwierigen Bedingungen
Sebastian Hesse, ARD Washington
17.08.2020 07:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. August 2020 um 12:00 Uhr.

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Ute Spangenberger, SWR

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