Symbolbild zu Demenz | Bildquelle: dpa

TK-Bericht Demenz-Patienten oft falsch behandelt

Stand: 24.10.2018 12:55 Uhr

Viel zu oft werden Menschen mit Demenz gar nicht behandelt - oder mit Beruhigungsmitteln statt adäquaten Medikamenten, so eine Studie. Der Verdacht liege nahe, dass Patienten einfach ruhiggestellt würden.

Menschen mit Demenz werden einem Bericht der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge oft falsch oder gar nicht behandelt. Die Kasse spricht von einer "flächendeckenden Fehlversorgung". Wie aus ihrem Innovationsreport hervorgeht, wird jeder vierte Patient mit einer Alzheimer-Demenz mit Beruhigungsmitteln statt mit Medikamenten gegen seine Demenz behandelt. Jeder zweite bleibe zudem unbehandelt.

Nur 14 Prozent der an Alzheimer erkrankten Patienten erhalten demnach einen Arzneistoff zur Behandlung ihrer Krankheit, ein sogenanntes Antidementivum. Neun Prozent werden mit einem Antidementivum und zusätzlich mit Beruhigungsmitteln behandelt, wie aus der Untersuchung von Experten der Universität Bremen hervorgeht.

Einfach ruhiggestellt?

"Diese gravierende Fehlversorgung mit Beruhigungsmitteln und die gleichzeitige Unterversorgung mit Antidementiva lässt sich nicht mit den medizinischen Leitlinien erklären", erklärte der Bremer Gesundheitswissenschaftler Gerd Glaeske. Stattdessen liege hier "der Verdacht nahe, dass demente Menschen einfach ruhiggestellt werden, statt sie richtig zu behandeln".

TK-Chef Jens Baas forderte, die Versorgung von Menschen mit Demenz dringend zu verbessern. In Deutschland gelten heute etwa 1,7 Millionen Menschen als demenzkrank. Ungefähr zwei Drittel von ihnen haben Alzheimer, die häufigste Form der Demenz. Die Erkrankung des Gehirns führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprache, Urteilsfähigkeit und Orientierung sowie zum Absterben oder einer starken Schädigung von Gehirnzellen vor allem in der Hirnrinde.

Jedes Jahr 40.000 Neuerkrankungen

Verbände wie die Deutsche Alzheimergesellschaft beklagen schon seit längerem einen Rückgang der Alzheimerforschung, die neue Therapien und Medikamente entwickeln soll. Die derzeit verfügbaren Medikamente verlangsamen nur das Fortschreiten der Erkrankung, können sie aber weder aufhalten noch heilen.

Nach Angaben der Alzheimer-Gesellschaft erkranken jedes Jahr weitere 40.000, überwiegend alte Menschen. Bis zum Jahr 2030 wird sich die Zahl der Demenzkranken voraussichtlich auf rund drei Millionen erhöhen.

Der TK-Report erscheint jährlich und befasst sich mit der Verschreibungspraxis, dem Arzneimittelmarkt und der pharmazeutischen Forschung. In einem Sonderkapitel widmeten sich die Autoren in diesem Jahr der Alzheimer-Demenz.

Sauber, satt und ruhig - Behandlung von Demenzkranken oft falsch
Martin Mair, ARD Berlin
24.10.2018 16:39 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Oktober 2018 um 17:30 Uhr.

Darstellung: