Zwei Besucherinnen stoßen auf einem Weihnachtsmarkt mit Glühwein an. (Archivbild: 6.12.2019) | dpa

Debatte über Weihnachtsmärkte "Weihnachtsmarkt ist kein Ballermann"

Stand: 11.11.2021 16:01 Uhr

Bald sollen die Weihnachtsmärkte öffnen - doch angesichts steigender Corona-Zahlen werden erste Forderungen nach einer Absage der Märkte laut. Auch über mögliche Regeln wie 2G oder Maskenpflicht wird kontrovers diskutiert.

In Deutschland haben die stark steigenden Corona-Zahlen zu einer erneuten Debatte über Weihnachtsmärkte geführt. Während Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer die Absage der Märkte forderte, äußerte sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zurückhaltender. Er plädierte für eine bundeseinheitliche Regelung.

"Kind schon in den Brunnen gefallen"

Mit Kretschmer sprach sich ein erster ranghoher Politiker für einen solchen Schritt aus. "Man kann sich doch nicht vorstellen, dass man auf dem Weihnachtsmarkt steht, Glühwein trinkt, und in den Krankenhäusern ist alles am Ende und man kämpft um die letzten Ressourcen", sagte der CDU-Politiker dem TV-Sender RTL/ntv. Bund und Länder müssten Bürgermeistern, Landräten und Marktbetreibern diese schwere Entscheidung jetzt abnehmen. Sollte sich die Infektionsdynamik bis zum 25. November so fortsetzen wie in den vergangenen zwei Wochen, wäre das eine furchtbare Entwicklung, so Kretschmer. "Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. Jetzt geht es darum, es rauszuholen."

Söder fordert bundeseinheitliche Regelung

CSU-Chef Söder erklärte, bei der nächsten Bund-Länder-Runde über Großveranstaltungen wie Weihnachtsmärkte sprechen zu wollen. Das heiße nicht, dass die Märkte nicht stattfinden könnten, sagte er. Er respektiere, wenn einzelne Kommunen hier nun Entscheidungen träfen und sie etwa absagten. Aber es sei ebenso wie bei den Zugangsregeln für Zuschauer in Fußballstadien eine bundeseinheitliche Regelung notwendig.

Städte- und Gemeindebund für 2G

Der Städte- und Gemeindebund hat sich für Zugangsbeschränkungen wie 2G oder 2G-Plus - mit zusätzlichem Test - auf den Märkten ausgesprochen. "In der aktuellen Situation halten wir 2G auf den Weihnachtsmärkten für ein wichtiges Zeichen, dass die größtmögliche Sicherheit für die Besucherinnen und Besucher sowie die Beschäftigten gewährleistet wird", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Funke-Zeitungen. Dabei sei es nicht erforderlich, dass alle Bundesländer unbedingt einheitliche Regeln einführen. "Allerdings wäre es sinnvoll, wenn sich alle auf ein bestimmtes Gerüst einigen könnten, bei welchen Infektionszahlen welche Regeln gelten", sagte Landsberg.

Eine "generelle Maskenpflicht" sei aus der Sicht der Kommunen zwar nicht nötig, aber: "Der Mund- und Nasenschutz sollte dann getragen werden, wenn die Abstände nicht eingehalten werden können oder große Gruppen, auch draußen, zusammenkommen."

Schausteller gegen Maskenpflicht auf Märkten

Der Deutsche Schaustellerbund lehnte eine Maskenpflicht auf Weihnachtsmärkten ab. "In Fußgängerzonen in Deutschland herrscht keine Maskenpflicht, deshalb sollte das auf einem Weihnachtsmarkt auch nicht gelten", sagte Präsident Albert Ritter den Funke-Zeitungen. Grundsätzlich gälten die AHA-Regeln auf den Weihnachtsmärkten. Ein Mund- und Nasenschutz müsse von den Besuchern vor allem nicht getragen werden, weil die Märkte draußen stattfinden. Zweifel, ob die Abstandsregeln durch den Konsum von Alkohol auf den Märkten überhaupt einzuhalten seien, wehrte Ritter ab: "Weihnachtsmärkte sind nicht der Ballermann auf Mallorca." Sie gehörten zur Tradition, dort gehe es "um ein gepflegtes Miteinander".

Falls es doch zu Absagen der Märkte komme, forderte der Schaustellerverband eine Verlängerung der Überbrückungsgelder auch über deren geplantes Ende am 31. Dezember 2021 hinaus. Bei einem erneuten Lockdown würde es Ritter ungerecht finden, ausgerechnet die zu bestrafen, die sich an die Regeln hielten. Er schlägt vor: "Höchstens könnte man Ungeimpfte von den Weihnachtsmärkten ausschließen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 12. November 2021 um 06:10 Uhr.