Schatten von Kanzlerin Merkel vor CDU-Logo | Bildquelle: REUTERS

CDU-Parteivorsitz "Wir hatten noch nie die Auswahl"

Stand: 04.11.2018 20:15 Uhr

Gleich mehrere Kandidaten wollen den CDU-Vorsitz übernehmen - eine Chance für die Partei, meint EU-Kommissar Oettinger im Bericht aus Berlin. Er ließ Sympathien für Merz erkennen. Die Chefin der Frauen-Union warb für Kramp-Karrenbauer.

Der CDU stehen fünf Wochen interner Wahlkampf ins Haus. Drei maßgebliche Kandidaten bewerben sich bislang um den Parteivorsitz - die zwei Männer haben sich schon positioniert, in der kommenden Woche will auch Annegret Kramp-Karrenbauer aus der Deckung gehen.

Friedrich Merz, Jens Spahn oder Kramp-Karrenbauer - die Entscheidung ist nicht nur eine Personalfrage, es geht auch um Inhalte. Entsprechend formieren sich die Unterstützer der Kandidaten. Merz hat etwa Anhänger im Parlamentskreis Mittelstand, Kramp-Karrenbauer bei der Frauen-Union und dem saarländischen CDU-Landesverband.

"Sie kann Wahlen gewinnen"

Im Bericht aus Berlin bekräftigte die Vorsitzende der Frauen Union, Annette Widmann-Mauz, ihre Unterstützung für Kramp-Karrenbauer als neue CDU-Vorsitzende. "Sie hat gezeigt, dass sie Wahlen gewinnen kann, sie ist eine erfolgreiche Ministerpräsidentin gewesen und sie ist in der Lage, die unterschiedlichen Strömungen in der CDU zusammenzuführen." Das brauche die Partei jetzt.

In die Debatte um einen möglichen Kurswechsel nach rechts wollte sich Widmann-Mauz nicht einmischen. Positionierungen wie rechts oder links würden nicht weiterhelfen, sagte sie. Wichtig sei vielmehr, dass die CDU über die Themen der nächsten zehn Jahre spricht. "Wir müssen konkrete Antworten geben."

Fairplay und Ehrgeiz

Derzeit berät die CDU auf einer Klausurtagung über das Prozedere der Wahl der neuen Parteispitze. Bei dem Treffen ist auch EU-Kommissar Günther Oettinger dabei. Im Bericht aus Berlin lobte er alle drei Kandidaten für ihr Fairplay und ihren Ehrgeiz. Er sei seit 1979 bei Parteitagen dabei - "und wir hatten noch nie die Auswahl." Das sei nun eine große Chance für die CDU und ihre Zukunft.

Oettinger soll Merz schon im Oktober zur Kandidatur ermuntert haben. Im Bericht aus Berlin dementierte er das nicht. "Friedrich Merz war immer nah an der CDU." Er schätze an Merz dessen europäischen Bezug, außerdem kenne Merz die Arbeitswelt. "Er weiß, wie Arbeitsplätze entstehen, wie die Wirtschaft tickt, und das könnte ein großer Vorteil für die Arbeit der CDU in den nächsten Jahren sein."

"Wir brauchen starke Kanzlerin"

Der EU-Kommissar warnte davor, Kanzlerin Angela Merkel nach ihrem angekündigten Rückzug vom CDU-Vorsitz zu schwächen. "Gerade im nächsten Jahr brauchen wir eine starke Kanzlerin", sagte Oettinger mit Blick auf die Europawahl und Verhandlungen über den Brexit sowie den EU-Haushalt. "Ich glaube, es besteht guter Grund, die Kanzlerin in ihrem Kanzleramt mit starker Autorität im nächsten Jahr und in den nächsten zweieinhalb Jahren zu sehen."

Über dieses Thema berichtete am 04. November 2018 der "Bericht aus Berlin" um 18:30 Uhr und die tagesschau um 20:00 Uhr.

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