Die Holocaust-Überlebende und Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in Deutschland Esther Bejarano | Bildquelle: dpa

Debatte über Erinnerungskultur Zuspruch für neuen Feiertag am 8. Mai

Stand: 28.01.2020 14:10 Uhr

Der Vorstoß einer Auschwitz-Überlebenden, den Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai zum bundesweiten Feiertag zu erklären, hat eine Debatte angestoßen. Aus dem politischen Berlin gibt es breite Unterstützung.

Als "Tag der Befreiung" wird der 8. Mai oft bezeichnet. In vielen europäischen Ländern ist er ein Gedenk- oder Feiertag, an dem an die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht und damit das Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert wird. Auch in der DDR war der 8. Mai für viele Jahre ein gesetzlicher Feiertag.

So sollte es auch in der Bundesrepublik sein, hatte die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano vor wenigen Tagen gefordert - in einem offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel und Mitglieder des Bundestages.

"Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschla­gung des NS-Regimes. Wie viele andere aus den Konzentrationslagern wurde auch ich auf den Todesmarsch getrieben. Erst Anfang Mai wurden wir von amerikanischen und russischen Soldaten befreit. Am 8. Mai wäre dann Gelegenheit, über die großen Hoffnungen der Menschheit nachzudenken: Über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – und Schwesterlichkeit."

Mit ihrem Vorstoß schob Bejerano, die auch Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in Deutschland ist, eine Debatte an und erhält nun viel Zuspruch.

Göring-Eckardt: "Bleibender 'Pflock' in der Erinnerungskultur"

"Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung, der das demokratische Deutschland erst möglich machte. Der 8. Mai als Feiertag mahnt uns, die deutschen Verbrechen nicht zu relativieren - und wäre ein bleibender 'Pflock' in der deutschen Erinnerungskultur", sagte Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

Die Linken-Parteivorsitzende Katja Kipping plädierte für einen dauerhaft arbeitsfreien 8. Mai in Deutschland: "Ob der Tag zum ausgelassenen Feiern, zum stillen Gedenken oder zum Besuch einer Gedenkstätte genutzt wird, hängt dann von jedes einzelnen Familiengeschichte und der jeweiligen persönlichen Verbindungen zu diesem Tag ab", sagte sie den RND-Zeitungen.

Theurer für europaweiten Feiertag

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sagte, der 8. Mai sei ein "zentraler Tag in der europäischen Geschichte" und solle daher "am besten europaweit" als Feiertag begangen werden. In einigen Ländern, wie Frankreich und Tschechien, ist dies bereits der Fall.

Für die SPD machte sich die Berliner Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe für den 8. Mai als Feiertag stark: "Es ist unsere Verpflichtung gegenüber allen Ermordeten und Überlebenden, dafür zu sorgen, dass Antisemitismus in unserem Land niemals mehr geduldet und akzeptiert wird", sagte sie den RND-Zeitungen. 

Andere befürworten zwar, der Erinnerung einen arbeitsfreien Tag zu widmen, halten neben dem 8. Mai aber auch andere Jahrestage für geeignet. Vorgeschlagen wurden etwa der Tag der Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar oder das Datum der Ausrufung der Weimarer Republik, der Pogromnacht 1938 und des Mauerfalls am 9. November.

Staatsakt zum Gedenken

Eine Reaktion aus dem Amt des Bundespräsidenten zum Feiertagsvorstoß gibt es bislang nicht. Es wurde nur mitgeteilt, dass die Spitzen der deutschen Politik am 8. Mai bei einem Staatsakt in Berlin des Kriegsendes gedenken werden. Dies habe Steinmeier in Abstimmung mit Merkel angeordnet. Im Land Berlin ist der 8. Mai in diesem Jahr anlässlich des 75. Jahrestages der Kapitulation der Wehrmacht einmalig gesetzlicher Feiertag.

8. Mai soll in diesem Jahr mit Staaktsakt gewürdigt werden
Evi Seibert, ARD Berlin
28.01.2020 12:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 28. Januar 2020 um 14:12 Uhr.

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