David Dushman | AP

David Dushman gestorben Der letzte Befreier von Auschwitz ist tot

Stand: 06.06.2021 22:10 Uhr

Er war 21 Jahre alt, als er mit seinem Panzer den Zaun zum NS-Vernichtungslager Auschwitz niederwalzte. Später erlebte er als Fechttrainer das Olympia-Attentat 1972 in München mit. Nun ist David Dushman gestorben.

Der letzte lebende Befreier des Konzentrationslagers Auschwitz, David Dushman, ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Das bestätigte ein Sprecher der Israelitischen Kultusgemeinde München (IKG). Demzufolge starb Dushman in der Nacht zu Samstag in einem Münchner Krankenhaus. Anlässlich seines letzten Geburtstages war er zum Ehrenmitglied der IKG ernannt worden.

"Wir wussten kaum etwas von Auschwitz"

Dushman stammte aus der ehemaligen Sowjetunion und kämpfte als Panzerfahrer unter anderem in der Schlacht von Stalingrad. Am 27. Januar 1945 walzte er im Alter von 21 Jahren mit einem Panzer der Roten Armee den Zaun des NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz nieder. "Wir wussten kaum etwas von Auschwitz", sagte er 2015 in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung". 

Er habe damals "überall Skelette" gesehen, erinnerte sich Dushman. "Aus den Baracken wankten sie, zwischen den Toten saßen und lagen sie. Schrecklich. Wir warfen ihnen alle unsere Konserven zu und fuhren sofort weiter, um die Faschisten zu verjagen." Erst nach dem Krieg habe er vom ganzen Ausmaß der Gräueltaten in Auschwitz erfahren.

Als Zeitzeuge in Schulen

Dushman war einer von 69 Soldaten seiner Einheit, die den Krieg überlebten. Danach trainierte er von 1952 bis 1988 als Fechttrainer die Frauennationalmannschaft der Sowjetunion. Dabei erlebte er auch den Terroranschlag auf die israelische Mannschaft beim Olympia-Attentat 1972 in München mit. Als Zeitzeuge trat er später an Schulen auf und erzählte seine Geschichte.

"Was Sie an physischen und seelischen Schmerzen erleiden mussten, aber auch, was Sie an Großartigem geleistet haben und welche außergewöhnlichen Erfolge Sie feiern konnten - das reicht eigentlich für drei Leben", resümierte Charlotte Knobloch, Präsidentin der IKG, anlässlich seines 95. Geburtstag.