Bundesjustizministerin Katarina Barley hält eine Rede. | Bildquelle: dpa

Barley will mehr Schutz Schnelleres Sperren gehackter Accounts

Stand: 08.01.2019 09:55 Uhr

Bundesjustizministerin Barley hat Internetanbieter aufgefordert, gehackte Nutzerkonten sofort zu sperren. Sie will Plattformen künftig stärker in die Pflicht nehmen. Unterdessen steht das BSI massiv in der Kritik.

Nach dem großangelegten Datendiebstahl bei Politikern und weiteren Personen des öffentlichen Lebens hat Bundesjustizministerin Katarina Barley Internetanbieter und soziale Netzwerke aufgerufen, im Fall eines Cyberangriffs schneller zu reagieren.

"Die Plattformen müssen die Accounts, über die Hacks verbreitet werden, sofort sperren", sagte Barley der "Rheinischen Post". "Wenn Accounts von Hackern gekapert werden, müssen ihre Inhaber sie schnellstens zurückerlangen können", fügte sich hinzu. Es werde geprüft, wie die Plattformen stärker in die Pflicht genommen werden könnten. Die Ministerin regte an, ein "europaweit gültiges IT-Sicherheits-Gütesiegel" einzuführen. Dies solle es Nutzern ermöglichen, "vertrauenswürdige Angebote" direkt zu erkennen.

Der Diebstahl persönlicher Daten hunderter deutscher Politiker und Prominenter, darunter zahlreiche Handynummern, und deren Veröffentlichung im Internet war am Freitag öffentlich bekannt geworden. Links zu den Datensätzen wurden über einen mittlerweile gesperrten Account über Twitter verbreitet.

Kritische Diskussion um das BSI

Der SPD-Innenpolitiker Burkhard Lischka sieht vor allem Bundesinnenminister Horst Seehofer in der Pflicht. Beim zuständigen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) "herrscht Kommunikationswirrwarr, und diese Behörde untersteht dem Bundesinnenminister", sagte Lischka der "Passauer Neuen Presse".

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion kritisierte zudem eine fehlende Koordinierung der IT-Sicherheitsbehörden. "Ich sehe das Problem nicht im Strafgesetzbuch, sondern eher in der Zersplitterung der für IT-Sicherheit zuständigen Behörden", sagte Lischka. Nötig seien eine "bessere Koordination und klare Verantwortlichkeiten".

Forderungen nach strukturellen Änderungen kamen neben Lischka auch von der Opposition. Der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Dietmar Bartsch, sagte der "Heilbronner Stimme": "Struktur, Aufgaben und Kommunikation von BSI, BKA und Geheimdiensten müssen neu bestimmt werden."

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
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Politiker fordern eine Neustrukturierung des BSI.

Amthor nimmt BSI in Schutz

CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor stellte sich hinter das BSI. "Es ist unsachlich und greift zu kurz, jetzt einseitige Kritik am BSI zu üben", sagte Amthor. Die Behörde habe die gesetzliche Aufgabe, die IT-Sicherheit der Staatsorgane des Bundes zu schützen. Der Schutz der privaten Kommunikation von Amtsträgern gehöre bisher hingegen nicht zu den gesetzlichen Aufgaben des BSI.

Schleswig-Holsteins Minister für Digitalisierung, Jan Albrecht, forderte ein beim BSI und den Ermittlungsbehörden angesiedeltes eigenes Ermittlungs- und Analysepersonal mit direkten Durchgriffsmöglichkeiten bei Anbietern wie Twitter. Außerdem müssten auch technisch nicht versierte Nutzer in die Lage versetzt werden.

Seehofer will über Ermittlungen informieren

Bundesinnenminister Seehofer will am Mittag über weitere Ermittlungen im Fall des Cyberangriffs informieren. Davon betroffen sind dem Innenministerium zufolge rund tausend Menschen, von denen Daten im Internet veröffentlicht wurden. Am Morgen wurde eine Festnahme bekannt. Ein 20-Jähriger aus Hessen ist tatverdächtig.

Meist geht es um reine Kontaktdaten, in 50 bis 60 schwereren Fällen aber auch etwa um privaten Chat-Verläufe. Seehofer hatte am Montag mit den Präsidenten des BSI, Arne Schönbohm, und des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, über die Lage beraten. Regierung und Sicherheitsbehörden wird vorgeworfen, den Vorfall zunächst nicht ernst genug genommen zu haben.

Was tun gegen Datenklau?
A. Ulrich, ARD Berlin
08.01.2019 09:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Januar 2019 um 06:45 Uhr.

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