Ein Mann tippt auf einer beleuchteten Tastatur. | Bildquelle: dpa

Datendiebstahl Drei Jahre Haft zu milde?

Stand: 12.01.2019 09:47 Uhr

Wer Daten stiehlt, kann nach derzeitiger Rechtslage mit maximal drei Jahren Haft bestraft werden. Zu wenig, sagt Unionsfraktionschef Brinkhaus. Der Datenschutzbeauftragte warnt indes vor der Benutzung von WhatsApp.

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus hat sich für härtere Strafen bei Datendiebstählen ausgesprochen. "Das Hacken und Abschöpfen von Daten ist ein schwerer Eingriff in die Privatsphäre der Betroffenen", sagte Brinkhaus der "Rheinischen Post".

Bislang könne das Ausspähen von Daten mit maximal drei Jahren geahndet werden. "Wir sollten prüfen, das Strafmaß bei schweren Cyberdelikten anzuheben", sagte er. Wenn sehr persönliche Dinge gestohlen würden, seien die Opfer mitunter für ihr ganzes Leben traumatisiert. Trotzdem werde der Datendiebstahl bislang nicht so bestraft wie ein einfacher Diebstahl, der mit maximal fünf Jahren Haft geahndet werde.

Die Gefahr: Menschen engagieren sich nicht mehr

Ralph Brinkhaus | Bildquelle: dpa
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Brinkhaus verweist darauf, dass ein Diebstahl die Menschen oft traumatisiere.

Wenn Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im Netz wie Freiwild behandelt werden könnten, sei das eine Gefahr für die Gesellschaft und die Demokratie. "Datendiebstähle könnten letztlich dazu führen, dass sich Menschen nicht mehr öffentlich engagieren, weil die Gefahr besteht, an den digitalen Pranger gestellt zu werden", warnte Brinkhaus.

Hintergrund ist der Fall eines 20-jährigen Schülers aus Hessen. Er hatte massenhaft Daten von Politikern und anderen Personen des öffentlich Lebens ausgespäht und ins Netz gestellt. Meist ging es um Kontaktdaten, in 50 bis 60 schwereren Fällen aber auch etwa um private Chat-Verläufe.

Datenschützer: "Ich würde nie WhatsApp benutzen"

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber nahm derweil die Schulen in die Pflicht. Datenschutz müsse "sinnvoll in die Lehrpläne eingebunden und selbstverständlicher Bestandteil des Schulunterrichts werden", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dafür müssten Lehrer entsprechend fortgebildet und die Schulen mit geeignetem Lehrmaterial ausgestattet werden. Kelber appellierte zugleich an alle Eltern, mit der Digitalisierung Schritt zu halten und ihre Kinder zu einem verantwortungsvollen Umgang damit zu erziehen.

Auch bei Politikern müsse es "eine Sensibilisierung geben, wie schnell unzureichender Eigenschutz zu einem echten Erdrutsch führen kann, der andere in Mitleidenschaft zieht", sagte Kelber. Politiker verfügten "über hoch sensible Kontaktdaten". "Aus diesem Grund würde ich übrigens auch nie Apps wie WhatsApp benutzen, wo man für die volle Funktionalität seinen gesamten Kontaktordner anbieten muss."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Januar 2019 um 10:00 Uhr.

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