Horst Seehofer vor einem Rednerpult | Bildquelle: ALEXANDER BECHER/EPA-EFE/REX/Shu

Nach Datendiebstahl Seehofer wehrt sich gegen Kritik

Stand: 07.01.2019 02:56 Uhr

Nach der Kritik an den Sicherheitsbehörden will Innenminister Seehofer im Datendiebstahl aufklären - allerdings erst, wenn er belastbare Fakten habe. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf rund 50 schwerwiegende Fälle.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat im Fall des Hackerangriffs auf Daten von Politikern und Prominenten volle Transparenz zugesagt. "Die Öffentlichkeit wird alles erfahren, was ich weiß", sagte Seehofer der "Süddeutschen Zeitung". Allerdings wolle er "die Bevölkerung nur mit belastbaren Fakten und nicht mit Vermutungen informieren".

Zuvor hatten der Koalitionspartner SPD und Oppositionspolitiker gefordert, Seehofer müsse sich um die Aufklärung kümmern. Dies wies Seehofer als überflüssig zurück. "Das ist eine Selbstverständlichkeit, aber es entspricht auch meinem Amtsverständnis, erst die Erkenntnisse zu sammeln und die Verantwortlichen anzuhören", sagte er.

Der scheidende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer bei der Klausurtagung in Seeon. | Bildquelle: PHILIPP GUELLAND/EPA-EFE/REX
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Innenminister Seehofer: "Die Öffentlichkeit wird alles erfahren, was ich weiß."

50 schwerwiegendere Fälle

Am Freitag war bekanntgeworden, dass personenbezogene Daten von Politikern, Prominenten und Journalisten im Internet verbreitet worden waren. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sind etwa 50 der fast 1000 Fälle schwerwiegender. Nach bisherigem Stand seien 994 Personen betroffen, vor allem aktive und ehemalige Mandatsträger. Bei 940 Fällen gehe es aber lediglich um die Veröffentlichung von Kontaktdaten, hieß es. Die etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil hier größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht wurden. Diese Fälle seien nun besonders im Fokus der Ermittlungen.

Screenshot des inzwischen gesperrten Twitter-Accounts | Bildquelle: dpa
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Auch über einen Twitter-Account wurden wochenlang gestohlene Daten verbreitet. Er wurde am Freitag gesperrt.

Mitte der Woche mehr Informationen?

Seehofer sagte, er persönlich habe am Freitagmorgen von den Vorgängen erfahren. "Vorher: Null." Seither habe es bereits eine ganze Serie von ihm initiierter Gespräche zur Aufklärung des Falles gegeben. Am heutigen Montag wird sich Seehofer nach eigenen Angaben noch einmal mit dem Präsidenten des Bundesamtes für IT-Sicherheit (BSI), Arne Schönbohm, und dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, zusammensetzen. Der Minister rechnet damit, die Öffentlichkeit "spätestens Mitte der Woche ausführlich zu informieren".

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt will aus "ermittlungstaktischen Gründen" derzeit keine weiteren Angaben zu dem Verfahren machen, das die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft zusammen mit dem Bundeskriminalamt führt. Die Ermittlungen würden mit Hochdruck geführt, sagte ein Behördensprecher. "Wir werden die Medien informieren, sobald der Stand der Ermittlungen dies zulässt."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Januar 2019 um 17:00 Uhr.

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