Ein Sachbearbeiter im Bereich "Neue Medien und Internetkriminalität" am Polizeipräsidium München zeigt auf einer Echtzeitkarte von Kaspersky die Cyberbedrohung in Deutschland. | Bildquelle: dpa

BSI-Jahresbericht Cyberschützer stellen düstere Prognose

Stand: 17.10.2019 13:08 Uhr

Angriffe auf Krankenhäuser, Behörden und Unternehmen - Hacker werden in Deutschland immer mehr zu Gefahr. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in seinem Jahresbericht.

Von Sebastian Tittelbach, WDR-Studio Bonn

Es gibt Prognosen, bei denen wünscht man sich, dass sie nicht zutreffen. Eine solche Prognose stammt von Arne Schönbohm. Der Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik ging vor einem Jahr davon aus, dass sich die angespannte Cyber-Sicherheitsanlage in Deutschland weiter verschärfen wird. Und offenbar hat er recht behalten. "Die digitalisierte Welt ist gefährlicher geworden, weil wir eine Vielzahl von spezialisierten und hochqualitativen Angriffen sehen", sagt Schönbohm.

Der 80 Seiten dicke Bericht der deutschen Cyberschutz-Behörde malt ein düsteres Bild: In einem Jahr hat die Behörde 114 Millionen neue Varianten von Schadprogrammen registriert, Hacker attackieren Online-Shops gezielt an besonders umsatzstarken Tagen wie dem Black Friday oder Cyber Monday, und sie verschlüsseln die Festplatten von Krankenhäusern, um Lösegeld zu erpressen.

Organisierte Kriminalität

Krankenhauspersonal versorgt einen Patienten | Bildquelle: dpa
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Im Sommer haben Hacker die Server eines Krankenhausverbunds in Rheinland-Pfalz lahmgelegt und versucht Lösegeld zu erpressen.

Laut Schönbohm stecken hinter den Angriffen zum Teil ausländische Geheimdienste, das Gros entfalle aber auf die Organisierte Kriminalität. "Der Lagebericht zeigt, dass wir als Gesellschaft begreifen müssen, dass unsere digitalisierte Zukunft untrennbar mit der IT-Sicherheit verknüpft ist" Früher habe es gehießen: Ohne Sicherheit gebe es keine Freiheit. Heute heiße es: Ohne Cybersicherheit werde es keine erfolgreiche Digitalisierung geben.

Besonders ein Programm beschäftigt die Sicherheitsexperten. Es heißt "Emotet". Das BSI bezeichnet es als die gefährlichste Schadsoftware der Welt. Das Programm analysiert das Adressbuch und den E-Mail-Verkehr seines Opfers und kann in seinem Namen täuschend echte wirkende E-Mails verschicken und sich so weiter verbreiten. "Egal ob das Verschlüsselungstrojaner sind, die nachgeladen werden oder Banking-Trojaner, wo dann auch finanzielle Schäden erfolgen können. Es ist ein tolles Tool für die Organisierte Kriminalität."

Das Regierungsnetz habe das BSI nach eigenen Angaben gut gegen Attacken etwa durch "Emotet" schützen können, Sorgen bereiten der Behörde aber kleinere und mittelständische Unternehmen. Der 50-jährige Schönbohm appelliert an die Eigenverantwortung. Das betreffe Unternehmer aber genauso auch Eltern. "Man kann auch die Frage stellen, was machen meine Kinder eigentlich ständig auf dem Handy oder auf dem iPad? Ist das in Ordnung, oder muss ich da Einstellungen vornehmen?"

Gütesiegel lässt auf sich warten

BSI-Chef Schönbohm | Bildquelle: REUTERS
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BSI-Chef Schönbohm sorgt sich um Behörden und kleinere Unternehmen.

Was weiter auf sich warten lässt, ist ein angekündigtes Gütesiegel für IT-Geräte. Dieses Siegel sollen Hersteller auf die Verpackungen etwa ihrer Smartphones oder Router kleben dürfen, wenn sie besondere Sicherheitsmaßnahmen beachten. Vor drei Jahren hatte das Bundesinnenministerium das Siegel angekündigt. Wann es nun kommt, kann BSI-Chef noch immer nicht sagen: "Damit das IT-Sicherheitkennzeichen juristisch sauber implementiert wird, bedarf es des IT-Sicherheitsgesetzes 2.0, und das ist gerade in der Abstimmung der Ressorts der Bundesregierung."

Entspannung ist laut Schönbohm nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Hacker werden zukünftig auch künstliche Intelligenz für ihre Angriffe nutzen, lautet seine neue Prognose. Denn es sei einfach zu verlockend für die Organisierte Kriminalität, mit geringem Aufwand an immer mehr Geld zu kommen.

BSI-Bericht über Cybergefahren
Sebastian Tittelbach, WDR
17.10.2019 12:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Oktober 2019 um 14:45 Uhr.

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