Markus Söder | Bildquelle: dpa

Kanzlerkandidatur Söder widerspricht Kramp-Karrenbauer

Stand: 17.02.2020 08:47 Uhr

Die scheidende CDU-Chefin plädiert dafür, Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur sollten in einer Hand liegen. Viele dringen auf eine rasche Entscheidung. Doch der CSU-Chef hat seine eigenen Vorstellungen.

In der Union ist eine Kontroverse über den Weg zur Kanzlerkandidatenkür von CDU und CSU entbrannt. Aus Sicht von CSU-Chef Markus Söder ist die Entscheidung über den CDU-Vorsitz noch keine über die Kanzlerkandidatur.

"Der Parteivorsitz ist das eine. Aber das andere ist die Kanzlerkandidatur", sagte er am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will". Diese gehe nur mit der CSU.

Söder hatte sich in der Vergangenheit mehrfach dafür ausgesprochen, zügig über den Parteivorsitz zu entscheiden - allerdings losgelöst von der Kanzlerkandidaten-Frage der Union. Denn einen Kanzlerkandidaten sollte man nicht anderthalb Jahre bis zur Bundestagswahl durchs Land schicken. "Also macht es keinen Sinn, den Kanzlerkandidaten jetzt zu benennen, der dann ständig eine Art Nebenregierung führt."

Anke Plättner, ARD Berlin, zur Diskussion über Kanzlerkandidaten der Union
ARD-Morgenmagazin, 17.02.2020

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Wie Kramp-Karrenbauer vorgehen will

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte vor einer Woche auf eine Kanzlerkandidatur verzichtet und erklärt, Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur müssten aus ihrer Sicht am Ende wieder in einer Hand liegen. Sie werde deshalb nur noch so lange CDU-Vorsitzende bleiben, bis die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur getroffen sei, und das Parteiamt dann "in die entsprechenden Hände abgeben".

Kramp-Karrenbauer will in dieser Woche Gespräche mit den drei potenziellen Kandidaten für ihre Nachfolge an der CDU-Spitze führen. Als aussichtsreichste mögliche Bewerber gelten der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Jens Spahn.

Spahn, Laschet und Merz | Bildquelle: dpa
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Werden als mögliche CDU-Chefs gehandelt: Jens Spahn, Armin Laschet und Friedrich Merz.

Spahn für zügige Entscheidung

Wann er "seinen" Termin bei Kramp-Karrenbauer hat, wollte Spahn im Bericht aus Berlin zwar nicht sagen, aber dass er bei den Gesprächen dabei ist, dementierte er nicht. Auch ob er als Nummer 1 ins Rennen geht oder es doch auf eine Teamlösung bei der CDU hinausläuft, ließ Spahn offen. "Ich schließe nichts ein und nichts aus", sagte der Gesundheitsminister lediglich. Wichtig sei, dass jetzt zügig entschieden werde - und zwar über beides: den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur.

Spahn plädierte für ein Team an der CDU-Spitze, das die Partei eint und das Deutschland inhaltlich durch die kommenden zehn Jahre führt. "Es gibt ein hohes Bedürfnis bei unseren Wählern und unseren Mitgliedern, dass wir das im Team und mit viel Verantwortungsbereitschaft jetzt auch regeln", sagte Spahn zur bevorstehenden Kandidatenkür.

Jens Spahn zu seinen Ambitionen auf den CDU-Vorsitz
Bericht aus Berlin, 16.02.2020

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Teamlösung als Vorschlag

In der CDU dringen immer mehr Spitzenpolitiker auf eine Teamlösung bei der Neuaufstellung. Parteivize Thomas Strobl betonte am Abend im ZDF, dass die CDU "drei exzellente Bewerber" habe.

"Es könnte ja auch sein, dass wir in den nächsten Tagen uns darum bemühen, ein Team zu bilden, in dem die Stärken aller drei Bewerber zur Geltung kommen", sagte der baden-württembergische CDU-Chef. Merz habe nicht von vorneherein gesagt, dass er sich einem Team verschließe. Das gelte auch für die beiden anderen potenziellen Bewerber.

Beredtes Schweigen bei Merz und Laschet

Neben Spahn gehören auch Merz und Laschet zum potenziellen Bewerberfeld. Nach dpa-Informationen will sich Kramp-Karrenbauer am Dienstag mit Merz treffen. Der Ex-Unionsfraktionschef vermied bislang eine definitive öffentliche Festlegung, ob er kandidieren will. Aus seinem engsten Umfeld heißt es aber, er sei entschlossen.

Auch der NRW-Ministerpräsident hüllt sich bislang in Schweigen, was seine Ambitionen angeht. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz überraschte Laschet mit dezidierter Kritik an der Europapolitik von Kanzlerin Angela Merkel.

Am Rosenmontag - also am Tag nach der Hamburg-Wahl - will Kramp-Karrenbauer den Spitzengremien der Partei den Weg für die Suche nach ihrem Nachfolger aufzeigen. Ziel sei, die personellen Fragen vor der Sommerpause zu klären, sagte sie kürzlich in den tagesthemen.

CSU und Junge Union machen Tempo

Ursprünglich hatte Kramp-Karrenbauer eine Entscheidung beim Bundesparteitag im Dezember favorisiert. Vor allem Unionspolitiker aus Ländern, in denen Wahlen anstehen, drängten allerdings auf eine rasche Entscheidung.

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus hat es weniger eilig. Im ZDF verwies er auf komplizierte Klärungen. "Deswegen müssen wir uns jetzt auch Zeit nehmen, und wir müssen es in Ruhe machen."

Über dieses Thema berichtete das Erste in "Anne Will" am 16. Februar 2020 um 21:45 Uhr.

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