Markus Söder | dpa
Analyse

Die CSU und die K-Frage Was, wenn es Söder wird?

Stand: 10.04.2021 12:44 Uhr

Noch ist Markus Söder nicht Kanzlerkandidat, doch in der CSU sieht ihn schon mancher auf dem Weg nach Berlin. Was aber würde das mit der CSU machen?

Eine Analyse von Maximilian Heim, BR

Egal mit wem man derzeit in der CSU spricht, mit Vertretern der Basis oder Mandatsträgern, der Tenor ist ähnlich: Die Union sollte bei der Bundestagswahl im September mit dem Kanzlerkandidaten antreten, der die besten Siegchancen verspricht. Und das ist aus CSU-Sicht inzwischen - bedingt überraschend - der eigene Parteichef Markus Söder.

Maximilian Heim

Eine wichtige Einschränkung folgt meistens noch, formuliert etwa von der früheren Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Sie sagt: Wenn Söder sich zur Kandidatur entschließe, "und das wird mit Sicherheit kein leichter Entschluss für ihn", dann müsse die Union fest geschlossen sein. "Ansonsten kann ich ihm nur sagen: Bitte nein." Grundsätzlich sei Söder aber "für die Bundesrepublik Deutschland bestens geeignet", findet Stamm.

Viele Diskussionen, keine Gewissheit

Auffällig ist, dass sich die Vertreter der ersten CSU-Reihe bisher offiziell zurückhalten - Minister, Generalsekretär, Vize-Parteichefs. Dafür wird im Hintergrund und im Rest der Partei munter diskutiert. Die Umfragewerte seien eindeutig, ist aus der erweiterten Parteispitze zu hören. Zudem gebe es, auch wegen unglücklicher Auftritte von CDU-Chef Armin Laschet, eine deutliche Dynamik in Richtung Söder.

Grundsätzlich gilt für weite Teile der CSU, was für den Rest der Republik gilt: Hundertprozentig sicher, dass Söder ins Kanzleramt will, ist niemand. An der Basis gibt es Wohlwollen für seine mögliche Kandidatur, aber auch Zweifel. "Ich bin jetzt nicht der größte Fan von Markus Söder", sagt CSU-Mitglied Andreas Argstatter aus Piding im Berchtesgadener Land. Der Landwirt verweist auf Söders "Hang zur Show", ergänzt aber: "Ich denke, er wird Kanzler können müssen, weil es zu ihm aus meiner Sicht keine Alternative gibt."

Aus einem anderen CSU-Kreisverband ist zu hören, die Mitglieder seien hin- und hergerissen. Einerseits müsse Söder die Chance ergreifen und sei für die Union der bessere Kandidat als Laschet. Andererseits gebe es auch Zweifel, ob Söder mit seinem "dominanten Führungsstil" auf Bundesebene dauerhaft erfolgreich sein könne.

Ex-Parteichef Huber: "Zeit für Entscheidung"

Der frühere CSU-Chef Erwin Huber will sich nicht festlegen, ob Söder kandidieren soll. Er sagt allerdings auch: "Ein Politiker, dem das Amt des Kanzlerkandidaten angetragen wird, der kann vor dieser Verantwortung eigentlich gar nicht ausweichen." Grundsätzlich werde es "höchste Zeit für eine Entscheidung", betont der 74-Jährige.

Doch Huber lässt auch Skepsis aufblitzen. "Der Wahlkampf in ganz Deutschland ist hart und anstrengend, gerade unter Corona-Bedingungen", sagt er. Zudem sei Deutschland "groß und vielfältig", mit ganz unterschiedlichen Strukturen. "Die Bayern sind nicht immer so beliebt, wie wir selber sein wollen", sinniert Huber. "Markus Söder ist ein sehr erfahrener Politiker, aber es wäre in der Tat eine Knochenarbeit, den Bundestagswahlkampf erfolgreich zu bestreiten."

Nürnberg-CSU und JU-Chef pro Kandidatur

In Söders fränkischer Heimat scheint die Sache deutlicher: Zuletzt plädierten in Würzburg sowohl der örtliche CSU-Bundestagsabgeordnete als auch der CSU-Landrat für Söders Kandidatur. Auch seine alten Weggefährten sind angetan. Söder sei schon immer ein großer Stratege gewesen, sagt Jürgen Messer von der Nürnberger CSU, wo Söders Parteikarriere begann. "Und wenn der Markus sagt: Ja, ich wäre bereit - dann bin ich auch überzeugt, dass er gewinnt."

Für den Chef der Jungen Union in Bayern, Christian Doleschal, ist die Sache ebenfalls klar: Wenn die Union das Kanzleramt halten wolle, müsse man Söder als Kanzlerkandidaten aufstellen, wurde Doleschal neulich im "Spiegel" zitiert.

Wie viele in der Partei fordert der bayerische CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer eine zügige Entscheidung. "Wir trauen Markus Söder auch jederzeit zu, Bundeskanzler zu werden", sagte Kreuzer zuletzt der "Süddeutschen Zeitung". Dass Söder unbedingt kandidieren soll, diese Forderung hört man bisher aus der Landtagsfraktion dagegen kaum.

CSU müsste sich in Berlin neu erfinden

In der CSU wissen sie, dass auch viele Gründe gegen einen Kanzlerkandidaten aus den eigenen Reihen sprechen. Denn die Partei müsste sich in Berlin neu erfinden. Am Kabinettstisch immer wieder auch als Opposition in der Regierung auftreten, teils ungeniert bayerische Interessen durchdrücken - das wäre schwierig bis unmöglich, wenn ein CSU-Bundeskanzler die Verantwortung für das ganze Land trägt. Und vom ganzen Land wiedergewählt werden möchte. Zu hören ist auch, dass Söder in Berlin nicht gut genug vernetzt sei, um sich die Kandidatur überhaupt zu sichern.

Doch es bewegt sich was, auch in der CSU. Schon vor Ostern erwähnte Söder im Parteivorstand, dass die Umfragewerte für die Union und für Personen sinken würden - "nur nicht für euren Parteivorsitzenden". Daraufhin soll sich eine einzelne Bundestagsabgeordnete für ihn als Kanzlerkandidat ausgesprochen haben, nicht aber der gesamte Parteivorstand. Doch inzwischen sind immer mehr CSU-Vertreter sicher: Söder will - und sollte die Chance ergreifen.

Mögliche Nachfolge in Bayern offen

Sollte Söder kandidieren und die Union die Wahl gewinnen, ist völlig offen, wer ihm in der bayerischen Staatskanzlei nachfolgen könnte. Die nächste Landtagswahl ist erst auf Herbst 2023 datiert - die CSU könnte die Nachfolge von Söder als Ministerpräsident erstmal weitgehend alleine regeln. Verschiedene Namen aus der bayerischen Landespolitik kursieren in der Partei: Staatskanzleichef Florian Herrmann, Finanzminister Albert Füracker, Innenminister Joachim Herrmann und Landtagspräsidentin Ilse Aigner werden regelmäßig genannt.

Für die Frauen-Union in der CSU ist klar: Nach Söders Berlin-Umzug wäre es Zeit für die erste Ministerpräsidentin in Bayern - nach rund einem Dutzend Männer seit 1945. Dazu kommt: Söder hat angekündigt, die Partei weiblicher zu machen - eine Ministerpräsidentin wäre da nicht das schlechteste Signal. Landtagspräsidentin Aigner betonte neulich schon mal: "Nach 16 Jahren wird ins Kanzleramt wahrscheinlich wieder ein Mann einziehen. Vielleicht ist dann in der Staatskanzlei, egal ob in Düsseldorf oder in München, Platz für eine Frau."

Nicht das Ende der Karriere

Und eine weitere Variante wäre denkbar: Söder tritt an, verliert aber - die Union stellt nicht den nächsten Kanzler. Für Ex-CSU-Chef Huber würde das nicht das Ende von Söders Karriere bedeuten. Er erinnert daran, dass Edmund Stoiber nach seiner Niederlage 2002 in Bayern ein "sensationelles Ergebnis über 60 Prozent" holte - "sicherlich auch die Anerkennung der Bayern für seinen beherzten Kampf". Auf die Unterstützung der Partei könnte Söder im Wahlkampf nach Hubers Einschätzung jedenfalls uneingeschränkt zählen: "Er hat so eine starke Stellung in der CSU, wie das zuletzt bei Strauß der Fall war."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. April 2021 um 09:00 Uhr.

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