CSU-Chef Markus Söder | dpa

Virtueller CSU-Parteitag Markus der Erste aus Bayern?

Stand: 22.05.2020 02:17 Uhr

Der CSU-Parteitag findet zwar nur virtuell statt - könnte aber weitreichende Folgen für die reale politische Landschaft haben. Vielleicht beginnt hier der Weg des ersten bayerischen Kanzlers.

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Kennen Sie den noch? "Ich habe mir angewöhnt, dass ich jeden Tag in der Frühe in den Garten schaue und vielleicht eine Blume hinrichte" - Edmund Stoiber hat neben Blumen hin- auch Markus Söder aufgerichtet. Jahrelang hat er für ihn, seinen politischen Ziehsohn, getrommelt. Und jetzt das: Stoiber rät Söder von der Kanzlerkandidatur ab. Warum auch immer. Vielleicht will er nicht, dass Söder schafft, was ihm misslang: Kanzler zu werden - ganz entspannt.

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

"In der Ruhe liegt die Kraft", sagt Merkel auch immer und regiert dementsprechend. Das findet Söder offenbar nachahmenswert: "Das war nicht der Politikansatz, den ich früher als junger Mann oder als noch junger Finanzminister zu meinen kernphilosophischen Satz erklärt hatte. Ich kann nur sagen: Jetzt hilft er."

Corona-Krise als Karriereschub

Jetzt ist Pandemie und Söder so etwas wie Corona-Kanzler. Er nutzt alle Macht, die ihm der Föderalismus ermöglicht. Söder ist präsent - auch in Berlin. Merkel und Söder - es wird berichtet, dass diese beiden schon vor der Pandemie in den Koalitionsrunden den Ton angaben. Jetzt sind sie das Corona-Gespann, die Vorsichtigen, die gemeinsam die sogenannten Öffnungsdiskussionsorgien zurückwiesen. War doch so, oder?

"Sie stellen genau die richtige Frage, die sich die Kanzlerin und ich eigentlich ständig stellen: Warum wir seit Ostern, obwohl wir noch gar nicht wussten, wie die Zahlen waren, eine Lockerungsdebatte nach der anderen bekommen und eine Exitstrategie nach der anderen vorgelegt bekommen haben."

Er muss wohl gebeten werden

"Die Kanzlerin und ich", das neue "Wir" im Sprachgebrauch von Markus Söder. Manch einer reibt sich die Augen: Ist das etwa derselbe Söder, der einen knallhart anderen Kurs in der Flüchtlingspolitik fuhr, der Bayern zum Mond schießen wollte und sich unter Kruzifixen fotografieren ließ? Dann: ein Sinneswandel. Söder umarmte plötzlich Bäume, mimte den Retter der Bienen. Das kam an, die Beliebtheitswerte stiegen, seitdem brodelt die Gerüchteküche - obwohl Söder immer wieder beteuert: "Mein Platz ist hier in Bayern - und nicht in Berlin."

Keiner hat so oft vor ihm gesagt, dass er nicht will, schon gar nicht öffentlich. Aber je öfter er "nein" sagt, desto mehr sieht es nach einem "ja" aus - oder zumindest nach einem "vielleicht". Warum bringt sich ein Ministerpräsident sonst derart in Stellung? Gerade jetzt, in der größten Krise der Nachkriegsgeschichte des Landes, in der die CDU ein Führungsproblem hat. Manche munkeln, Söder will gebeten werden: Markus, mach du es.

"Was soll das bringen?", fragt Söder. Ja, was soll das bringen? Ruhm und Ehre. Macht und Einzigartigkeit. Söder könnte schaffen, was Edmund Stoiber und selbst Franz-Josef Strauß nicht schafften: Kanzler sein, Markus der Erste aus Bayern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Mai 2020 um 09:00 Uhr.