CSU-Chef Markus Söder spricht auf dem Parteitag in München.  | Bildquelle: REUTERS

CSU-Parteitag Frauenquote - für Söder fast ein Fiasko

Stand: 19.10.2019 14:35 Uhr

Es waren beileibe nicht nur Männer, die auf dem CSU-Parteitag gegen die Frauenquote wetterten. Für Parteichef Söder wäre die Debatte darüber fast zum Fiasko geworden. Am Ende half nur ein Kompromiss.

Von Daniel Pokraka, ARD-Hauptstadtstudio

Gestern wurde Markus Söder mit einem mehr als ordentlichen Ergebnis wieder zum CSU-Chef gewählt. Heute musste er eine Bewährungsprobe bestehen. Der CSU-Parteitag stand kurz davor, gegen Söders Willen die geplante Ausweitung der Frauenquote zu kippen - ein Desaster für den Vorsitzenden, das dieser mit Mühe und Not abwendete.

Dass die Debatte über die Frauenquote beim Parteitag die strittigste werden würde, war vorher klar. Dass sie Söder gefährlich werden kann, wurde erst nach und nach deutlich.

Geplant war eine moderate Ausweitung der Quote

Worum ging es? Der Leitantrag sah vor, die 40-Prozent-Frauenquote der CSU, die auf Bezirks- und Parteivorstandsebene schon gilt, auf die Kreisverbände auszuweiten. Viele an der CSU-Basis wollen das nicht. Ihr Argument: So viele Frauen habe man auf dieser Ebene einfach nicht - abgesehen davon, dass die CSU eine quotenskeptische Partei ist.

Was als eher harmloser Gedankenaustausch über Für und Wider einer vergleichsweise moderaten Ausweitung der Frauenquote begann, kippte gegen halb elf am Vormittag. Da trat die Delegierte Hannah Lotze aus dem Kreisverband Berchtesgadener Land an eines der Saalmikrofone - und schimpfte auf die Frauenquote. Tosenden Applaus erntete sie, als sie sich "gegen den Narrativ von den bösen Männern" wandte, die Frauen nicht hochkommen ließen. Nein, sagte sie, eine Frau die etwas könne, die werde auch was in der CSU.

CSU stimmt über umfassende Parteireform ab
tagesschau 20:00 Uhr, 19.10.2019, Kirsten Girschick, BR

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Frauen argumentierten auch dagegen

Es waren also nicht "nur" Männer, die gegen eine Frauenquote in der CSU argumentierten. Und mit der Zeit schwante der CSU-Führung, dass da heftiges Umgemach drohte: eine Ablehnung der von Parteichef Söder geplanten Ausweitung der Quote. Was tun? Zwischenzeitlich verschwand Generalsekretär und Sitzungsleiter Markus Blume vom Podium, mutmaßlich, um hinter den Kulissen mit Söder zu beraten, wie eine Abstimmungsniederlage abzuwenden sei.

In der Münchener Olympiahalle schaukelte sich in Blumes Abwesenheit die Stimmung gegen die Frauenquote weiter hoch. Stürmischen Applaus gab es für alle, die gegen die Quote wetterten - müden Beifall für die Befürworter. Es half auch nichts, dass Altvordere und echte Schwergewichte der CSU für die Frauenquote - und den Parteichef - in die Bresche sprangen: Christa Stewens und Barbara Stamm, Manfred Weber und Andreas Scheuer.

Der Fraktionsvorsitzende der EVP-Fraktion, Manfred Weber, spricht auf dem CSU-Parteitag in München. | Bildquelle: REUTERS
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Sprang auf dem CSU-Parteitag für die Frauenqute in die Bresche: Fraktionsvorsitzender der EVP-Fraktion, Manfred Weber.

Zustimmung für Kompromissvorschlag

Die Wende brachte erst die Chefin der Frauen-Union. Nachdem die Debatte und die Beratungen von Söder und Blume noch einige Zeit munter weiter gegangen waren und immer deutlicher wurde, dass die geplante Quote nicht mehr zu halten war, da meldete sich Ulrike Scharf zu Wort. Ihr Kompromissvorschlag: die 40-Prozent-Frauenquote in Kreisverbänden von einer Vorschrift zu einer Soll-Bestimmung herunterzustufen.

Nun konnte Söder in die Debatte eingreifen - und diesen Vorschlag aufnehmen. Der Parteichef bekniete seine CSU, wenigstens den Kompromiss anzunehmen. "Wir schneiden bei jungen Frauen verheerend ab", rief Söder seiner Partei zu. Welches Signal vermittle die CSU Frauen, wenn sie die Quote tatsächlich ablehnen würden?

Es kam dann nicht so weit. Der Parteitag nahm den Kompromiss mit großer Mehrheit an - aber der wiedergewählte Parteichef musste dafür alles aufbieten: Kompromissbereitschaft, Verhandlungsgeschick und Überzeugungskraft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Oktober 2019 um 12:03 Uhr.

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