Markus Söder | Bildquelle: picture alliance/dpa

CDU-Personalien Was will Markus Söder?

Stand: 12.02.2020 21:09 Uhr

Die Union soll in der AKK-Nachfolge persönliche Eitelkeiten zurückstellen, hat CSU-Chef Söder gefordert - zu groß die Sorge vor weiteren Stimmverlusten. Für seine Unterstützung muss ein Kandidat ein entscheidendes Kriterium erfüllen.

Von Kirsten Girschick, ARD-Hauptstadtstudio

Wenn einer weiß, was ungeklärte Führungs- und Richtungsfragen anrichten können - dann ist es Markus Söder. Die jahrelangen Querelen um die Nachfolge von Horst Seehofer schwächten die CSU nachhaltig. Die Annäherung an AfD-Positionen in der Innenpolitik vergraulte einen Teil der eher liberal und christlich orientierten CSU-Wählerschaft bei der bayerischen Landtagswahl 2018. Nur eine klare Abgrenzung zur AfD auf den letzten Metern verhinderten noch mehr Stimmenverluste.

Bloß keine Hängepartie

Kein Wunder, dass die CSU mächtig Druck macht, dass die große Schwesterpartei ihre Personalfragen schnell klärt - auf gar keinen Fall erst zum Ende des Jahres, wie ursprünglich von Kramp-Karrenbauer angekündigt. Vor Ostern vielleicht nicht, aber doch noch vor dem Sommer müsse die CDU ihren Vorsitz klären, ist aus der CSU zu hören. Und zwar in den Gremien, auf gar keinen Fall mit einem langen Auswahlverfahren.

Söder warnte im BR: "Ein halbes Jahr jetzt möglicherweise einen Schönheitswettbewerb zu machen, wer wann wo besser ist, wird nicht mehr Stabilität bringen." Führende Christsoziale warnen: Sonst könnte die Union in den Umfragen immer weiter absinken und am Ende die Grünen vorbeiziehen. Ein Horrorszenario für die Christsozialen. Denn für Söder geht es nicht nur um die Führungsfrage in der Union, sondern um die Zukunft von CDU und CSU als Volksparteien.

Markus Söder und Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem CDU-Parteitag in Leipzig am 23. November 2019 | Bildquelle: FILIP SINGER/EPA-EFE/REX
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Der Abgang von Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Chefin kommt für CSU-Chef Markus Söder machttaktisch zur Unzeit.

Abgang zur Unzeit

Der plötzliche Abgang von Kramp-Karrenbauer kommt für Söder machttaktisch zur Unzeit. Im Endspurt der bayerischen Kommunalwahl braucht er eher Ruhe in Berlin. Eine Diskussion, ob er als Kanzlerkandidat antreten soll, kann er nicht vermeiden. Gebrauchen kann er sie im Moment nicht. Klar ist: Er will und wird bei der Kanzlerkandidatur mitentscheiden. In der CSU herrscht auch deshalb viel Unmut, weil Kramp-Karrenbauer CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur verknüpft. CSU-Generalsekretär Blume forderte, die Entscheidungen zu trennen.

Kanzlerkandidat Söder?

Nach dem Wahlschock in Thüringen war Söder der erste, der öffentlich den Kurs vorgab - und von einem "inakzeptablen Dammbruch" sprach. Führungsstark und klar in der Ansage - dieses positive Echo bekommen derzeit nicht viele in der Union.

Doch selber kandidieren? Söder dementiert gebetsmühlenartig, sein Platz sei in Bayern. In seinem Umfeld gibt es unterschiedliche Auffassungen, ob er im Zweifel nicht doch zugreifen würde. Doch Söder weiß um die Risiken: Sofort würde sich eine Nachfolgedebatte in Bayern entspinnen und genau das braucht die CSU nicht noch einmal. Bayerische Kanzlerkandidaten gelten nördlich der Mainlinie als schwer vermittelbar. Und falls Söder als CSU-Kanzlerkandidat scheitert, wäre er schwer beschädigt.

Kein klarer Favorit

Bislang ist nicht klar, welchen Kandidaten der CDU Söder unterstützen würde. Sicher scheint nur - persönliche Sympathie wird für den Machtpolitiker Söder keine Rolle spielen. Mit welcher Person und welchen Inhalten hat die Union die größte Chance, bei der nächsten Bundestagswahl stärkste Kraft zu werden? Nur daran werden sich Markus Söder - und die CSU - orientieren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Februar 2020 um 20:00 Uhr.

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