CSD im Wendland | dpa

CSD in Berlin und im Wendland Analog und digital gegen Diskriminierung

Stand: 25.07.2020 21:57 Uhr

Große CSD-Paraden fallen coronabedingt zwar aus, demonstriert wird trotzdem: Während sich Berlin virtuell gegen Trans- und Homophobie einsetzt, gehen im Wendland etwa 200 Menschen gegen Hass und Diskriminierung auf die Straße.

"Aufstehen gegen Hass und Diskriminierung" - unter diesem Motto fand im Wendland die bundesweit erste Christopher-Street-Parade des Jahres statt. Das Motto steht für ein gleichberechtigtes Leben aller Menschen - unabhängig von sexueller Identität und Orientierung, Herkunft, Religion und Hautfarbe. Die traditionell großen Paraden in Berlin und Köln mussten wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Nach Angaben der Polizei reihten sich in der ländlichen Gegend südlich von Hamburg rund 200 Menschen - und damit nur etwas weniger als in den Vorjahren - in den Zug von Waddeweitz über mehrere Dörfer. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg hatte die Demonstration unter Einhaltung der Abstandsregeln und der Auflage, Mund-Nasen-Schutzmasken zu tragen, genehmigt.

Livestream-Marathon in Berlin

In Berlin fand der CSD zum ersten Mal online statt. Wegen der Corona-Pandemie wurde im Haus der Statistik am Alexanderplatz ein Studio mit Livebühne aufgebaut. Rund 30 Organisationen und Vertreter verschiedener Gruppen beteiligten sich an dem Multimedia-Event unter dem Motto "Don't hide your Pride!".

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller rief zum entschiedenen Kampf gegen Trans- und Homophobie auf. In einer Videobotschaft zur Eröffnung des digitalen CSD erklärte der SPD-Politiker, es gebe immer noch Übergriffe gegen Transmenschen und Homosexuelle, nicht nur in anderen Ländern.

"Wir dürfen auch in unserer Stadt, in unserem Land, nicht akzeptieren, dass es Übergriffe gibt, dass es Ausgrenzung gibt und Diskriminierung", mahnte Müller. Umso wichtiger sei es, sich weiter zu engagieren, etwa in digitalen Formaten, weil die Coronavirus-Pandemie die sonst übliche Parade zum CSD nicht zulasse.

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth (Grüne), forderte "gleiche Rechte und nicht nur ein bisschen gleiche Rechte". Die Unterdrückung von Homosexuellen in osteuropäischen Ländern dürfe nicht vergessen werden. Während im Nachmittagsprogramm hauptsächlich Initiativen und ihre Ziele vorgestellt wurden, ist für den Abend ein Unterhaltungsprogramm mit Musik geplant. Auf Youtube, wo die Veranstaltung ausgestrahlt wurde, liefen Kommentare im Sekundentakt ein.

Einige kleinere Demos gab es trotzdem. Der "Dyke-Marsch" mit rund 1000 angemeldeten Teilnehmerinnen zog vom Neptunbrunnen am Alexanderplatz zum Brandenburger Tor. Die Demonstrierenden trugen bunte Verkleidungen mit Regenbogenfahnen. "Es ist alles friedlich" sagte eine Polizeisprecherin.

Stuttgart will Vielfalt stärken

Gerade in Zeiten der Pandemie wollten die Verantwortlichen des Stuttgarter Christopher Street Day auf die Regenbogen-Community aufmerksam machen. Der CSD stand in diesem Jahr unter dem Motto "Vielfalt braucht Verstärkung". Das Alternativprogramm startete am Samstag mit dem sogenannten CSD-Pride, der virtuellen Form des bisherigen Straßenfestes. Gesendet wurde live von der Römerkastell-Sommer-Bühne in Bad Cannstatt. Auf dem Marktplatz nahmen etwa 350 Menschen an einer zentralen Kundgebung teil.

Der CSD soll an die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Intersexuellen und queeren Menschen erinnern. Ende Juni 1969 stürmten Polizisten in New York die Bar "Stonewall Inn" in der Christopher Street und lösten einen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transmenschen gegen die Willkür aus.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Juli 2020 um 17:45 Uhr.