Die Band Orange spielt ein Konzert auf der Seebühne am Großen Dutzendteich in Nürnberg vor Zuschauern, die auf ihren eigenen Booten das Konzert verfolgen. | dpa

Länder planen einfachere Impf-Angebote Am Strand, in Kirchen, auf Festivals

Stand: 09.07.2021 15:33 Uhr

Angesichts der sinkenden Nachfrage bei den Corona-Impfungen planen mehrere Bundesländer, die Impfstoffgabe künftig unkomplizierter anzubieten. Vielerorts kann man sich bereits ohne Termin impfen lassen. Ein Überblick.

In Deutschland planen mehrere Bundesländer neue, einfachere Angebote für eine Corona-Impfung. Um die stockende Impfkampagne wieder zu beschleunigen, sind dafür Aktionen unter anderem auf Parkplätzen, bei Veranstaltungen, in Bürgerhäusern, Kirchen und Moscheen oder in Jobcentern geplant, wie es von zuständigen Ministerien hieß.

Dadurch soll das Impfen weniger unkomplizierte und weniger aufwändig werden, ohne, dass man Termine in Praxen und Impfzentren machen muss - auch dort sind nach monatelangen Wartezeiten jetzt aber häufig leichter Termine zu bekommen, wie mehrere Länder betonen.

Bundesweit ist der Ansturm auf Impfungen etwas zurückgegangen. Die Behörden begründen das zum Teil mit der begonnenen Urlaubszeit oder damit, dass viele Entschlossene ihre Impfung bereits verabreicht bekommen haben. Ein Überblick über einige Ideen zum Ankurbeln der Impfungen vor Ort:

BRANDENBURG will nach dem Ende der Sommerferien eine weitere Impf-Kampagne starten, die sich erstmals an jüngere Leute richten soll. "Wir wollen einen Paradigmenwechsel: Der Impfstoff soll zu den Menschen kommen, nicht wie bislang die Menschen zum Impfstoff", sagte Ministeriumssprecher Dominik Lenz der Nachrichtenagentur dpa. Ziel seien unkomplizierte Angebote: "Impfen auf Parkplätzen, am Strand und auf Festivals, ohne Termin", sagte Lenz zu den derzeitigen Überlegungen. Man sei mit den Kommunen im Gespräch.

BERLIN plant Sonderkampagnen mit mobilen Impfteams: "Wir müssen in die Kieze rein gehen, dorthin, wo möglichst viele Menschen sind", sagte die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci im rbb. Ihr Ziel sei es, Impfangebote niederschwelliger zu machen als bisher in den Impfzentren mit vorheriger Online-Terminbuchung - etwa auf Straßen oder an Supermärkten.

HAMBURG bereitet mobile Teams vor, die zu mehreren Aktionen ausrücken sollen, wie ein Sprecher der Gesundheitsbehörde der dpa sagte. Geplant sind ab Ende Juli Impf-Angebote für bis zu 40.000 Sozialleistungsbezieher - Termine sollen wie übliche Beratungstermine direkt mit dem Jobcenter gemacht werden können, die Impfungen laufen dann auch wohnortnah am gewohnten Jobcenter-Standort. Geplant seien parallel Impfangebote in Bürgerhäusern und in weiteren Schritten in Elternschulen, Kirchen oder Moscheen.

Ziel sei, durchaus impfbereite Menschen zu erreichen, die bisher aber nicht selbst für Termine initiativ geworden sind. Vollkommen "spontane" Impfaktionen wie auf Marktplätzen würden in Hamburg derzeit nicht geplant, so der Sprecher. "Bei unseren Angeboten soll ein würdiger Rahmen bestehen und eine angemessene Anamnese, Aufklärung und Dokumentation erfolgen - insbesondere auch, um die Durchführung der Zweitimpfung sicherzustellen." Auch Impfprämien seien derzeit nicht vorgesehen.

MECKLENBURG-VORPOMMERN setzt ebenfalls auf Angebote an verschiedensten Orten. Ob Therme, Sporthalle, Marktplatz oder Landes-Öko-Zentrum - im Osten Mecklenburgs und in Vorpommern sollen die Bürger demnächst viele Möglichkeiten zur Impfung bekommen. "Wir gehen beim Impfen jetzt noch einen Schritt auf die Bürgerinnen und Bürger zu", sagte der Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Der Besuch der Impfzentren Greifswald und Pasewalk sei beispielsweise auch ohne Termin möglich.

NIEDERSACHSEN will mit dezentralen und mobilen Impfangeboten das Tempo der Kampagne weiter hochhalten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums können die Landkreise und kreisfreien Städte den Impfstoff selbstständig etwa für Impfaktionen an Universitäten oder in sozial benachteiligten Quartieren verplanen. Spezielle Anreize wie etwa Lotterien sind nicht geplant.

NORDRHEIN-WESTFALEN setzt in vielen Städten auf ausgeweitete Informationskampagnen und mobile Impfangebote. Im Kreis Olpe etwa bot das Impfzentrum am Mittwochabend eine "Impflounge" für Jugendliche an. Vier Stunden lang konnten sich dort alle ab 16 Jahren bei Musik und alkoholfreien Getränken ohne Termin impfen lassen.

RHEINLAND-PFALZ erwägt den Einsatz von Impfbussen, damit man sich ohne Registrierung etwa auf Marktplätzen oder in Einkaufsstraßen impfen lassen kann. Diese Idee werde zurzeit noch geprüft, sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch. Zudem werde mit der Bundesagentur für Arbeit und den Tafeln geschaut, welche Aktionen in deren Umfeld möglich seien. Voraussichtlich von kommender Woche an soll man sich auch ein Impfzentrum aussuchen dürfen. Bislang war dies an den Wohnort gekoppelt. Ein Ampelsystem soll bei der Registrierung anzeigen, wie lange man in welchem Zentrum auf Termine warten muss.

SACHSEN-ANHALT wirbt in einigen Landkreisen bereits mit unterschiedlichen Aktionen, wie eine Sprecherin des Sozialministeriums sagte - vom Impfen im Einkaufszentrum bis zu verlängerten Öffnungszeiten der Impfzentren oder Impftagen, an denen kein gebuchter Termin notwendig ist. Zudem bieten viele Impfzentren Impfungen ohne Termin an.

BADEN-WÜRTTEMBERG plant Impfaktionen etwa vor Supermärkten oder an anderen zentralen und gut zugänglichen Orten. Der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha kündigte im SWR zudem Sonder-Impfaktionen und den Einsatz mobiler Impfteams an. Mit Blick auf die Impfzentren sagte das Sozialministerium: "Wer in letzter Zeit nicht mehr nach Terminen gesucht hat, hat jetzt wieder gute Chancen."

SCHLESWIG-HOLSTEIN bietet an den Universitäten und Hochschulen im Land Impfungen für Studierende an - ohne Termin. Mobile Teams impften auch gezielt Erntehelfer, wie ein Ministeriumssprecher sagte. Bei "Quartiersimpfungen" in Wohnvierteln könnten sich auch Menschen impfen lassen, die es sonst möglicherweise nicht tun würden. Bei sogenannten Open-House-Aktionen kann man sich in einigen Impfzentren auch ohne Termin impfen lassen. Impfungen in Fußgängerzonen sind laut Ministerium derzeit nicht geplant.

SACHSEN veranstaltet am 20. Juli einen Impfgipfel, zu dem verschiedene Akteure eingeladen sind. Man wolle alles dafür tun, das Impftempo hochzuhalten und wolle mit Anreizen arbeiten, das sei vielversprechender als mit Zwangsabgaben, sagte Staatskanzleichef Oliver Schenk.

THÜRINGEN hatte Angebote wie etwa einen speziellen Studierenden-Impftag angeboten, der jedoch zuletzt nur verhalten genutzt wurde.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 09. Juli 2021 um 06:11 Uhr.