Fluggäste mit Koffern warten am Flughafen Marrakesch auf ihren Flug (Bild vom 15.03.2020). | AFP

Corona-Rückholaktion Noch Tausende Rechnungen offen

Stand: 16.03.2021 16:21 Uhr

Vor rund einem Jahr saßen coronabedingt Zehntausende Deutsche im Ausland fest und wurden mit staatlicher Hilfe in die Heimat zurückgeflogen. Die meisten haben bis heute das Geld nicht zurückgezahlt.

Als vor rund einem Jahr pandemiebedingt Grenzen geschlossen und Flugverbindungen storniert wurden, saßen Zehntausende deutsche Individualtouristen im Ausland fest. Bei der größten Rückholaktion der Geschichte der Bundesrepublik wurden sie nach Deutschland geflogen. Ein Jahr später hat die Regierung mit 17,9 Millionen Euro erst ein Fünftel der Gesamtkosten dafür von den Passagieren zurückbekommen. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa und beruft sich dabei auf Informationen des Auswärtigen Amtes.

Individualtouristen müssen sich beteiligen

Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte die Aktion am 17. März 2020 zusammen mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften ins Leben gerufen. Insgesamt wurden etwa 240.000 Reisende zurückgebracht. Die Reiseveranstalter flogen die Touristen, die bei ihnen gebucht hatten, selbst kostenlos aus.

Für Individualreisende und andere Rückkehrwillige charterte das Auswärtige Amt Maschinen, die 260 Flüge absolvierten und bis Ende April etwa 67.000 Menschen aus rund 65 Ländern zurückbrachten.

Mehr als 300 Deutsche warten auf dem internationalen Flughafen in Manila auf einen Lufthansa-Flug, der von der deutschen Botschaft auf den Philippinen wegen der Covid-19-Pandemie gechartert wurde. | dpa

Mehr als 300 Deutsche warteten im März 2020 in Manila auf einen von der deutschen Botschaft gecharterten Flug Bild: dpa

Kosten variieren je nach Entfernung

Von Juni an wurden die Rückkehrer zur Kasse gebeten. Die Gesamtkosten wurden damals auf 93,8 Millionen Euro geschätzt, knapp 40 Prozent davon sollten die Flugpassagiere selbst übernehmen. Die Ticketpreise lagen etwa im Bereich günstiger Economy-Tickets für die jeweiligen Regionen.

Für Flüge von den Kanarischen Inseln und Nordafrika mussten etwa 200 Euro gezahlt werden. Wer zum Beispiel aus Neuseeland, Australien oder von einer Südseeinsel zurückgeholt wurde, sollte eine Rechnung über 1000 Euro erhalten. Gerade bei den Fernflügen kann mit der Beteiligung in dieser Höhe ohnehin nur ein Teil der Gesamtkosten beglichen werden.

Mehr als 20.000 haben noch keine Rechnung erhalten

Bis zum vergangenen Freitag wurden nach Angaben des Auswärtigen Amts knapp 35.000 Zahlungsbescheide an Passagiere aus Deutschland verschickt, weitere 21.000 sollen noch folgen. Den Verzug bei der Zusendung der Rechnungen begründet das Ministerium mit großem bürokratischen Aufwand und erschwerten Bedingungen wegen der Pandemie. Man gehe davon aus, dass bis Ende des Sommers die letzten Rechnungen verschickt würden.

Die Passagiere aus anderen EU- und Drittstaaten erhalten keinen individuellen Bescheid. Die Bundesregierung will in diesen Fällen an den jeweiligen Heimatstaat herantreten und Rückforderungen geltend machen.

Nicht alle sind zahlungswillig

Nach Erfahrungen des Auswärtigen Amts werden 80 Prozent der Rechnungen fristgerecht beglichen. Allerdings gibt es auch Passagiere, die sich vor Gericht dagegen wehren, den Rückflug bezahlen zu müssen. 113 Verfahren laufen derzeit noch. Bislang gibt es in keinem Fall eine Entscheidung. 17 Klagen wurden zurückgezogen.

Aus Sicht des Auswärtigen Amts ist die Forderung einer Kostenbeteiligung durch das Konsulargesetz abgedeckt. Eine genaue Höhe wird darin allerdings nicht genannt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. März 2021 um 07:33 Uhr.