Lehrer vor Schultafel | AFP

Rückkehr zum Präsenzunterricht "Wer öffnen will, muss Impfangebote machen"

Stand: 21.02.2021 12:58 Uhr

Der Verband Bildung und Erziehung warnt vor dem Corona-Risiko, dem Lehrkräfte bei der Rückkehr zum Präsenzunterricht ausgesetzt sind. Rasche Impfangebote müssten her. Bildungsministerin Karliczek unterstützt entsprechende Pläne.

Kurz vor dem Start des Schulbetriebs in zehn Bundesländern hat der Verband Bildung und Erziehung (VBE) an die Gesundheitsgefährdungen für Lehrerinnen und Lehrer erinnert. "Die Öffnungen sind kein Wettbewerb, bei dem das Bundesland gewinnt, das die weitgehendsten Lockerungen umsetzt und die Gesundheit aller Beteiligten maximal riskiert", sagte VBE-Chef Udo Beckmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

"Der föderale Vergleichsmaßstab muss sein, welches Land am besten Neuinfektionen verhindert", forderte er. "Lehrkräfte müssen sich bei der von Montag an breitflächigen Öffnung der Schulen zum Teil ungeschützt ausgeliefert in Situationen begeben, denen sich kaum jemand anders stellen muss: Nämlich dass viele Haushalte über mehrere Stunden zusammen in einem Raum sind - im Klassenraum."

Impfpriorisierung von Lehrkräften wäre gut

Die Lehrkräfte seien nicht geimpft, es sei unklar, wer sich wann wo testen lassen könne, und teilweise bekämen die Lehrerinnen und Lehrer keine oder nicht ausreichend Masken gestellt. "Wer öffnen will, muss Impfangebote machen."

Dass eine Priorisierung von Lehrkräften beim Impfen im Gesundheitsministerium geprüft werde, sei gut. "Die Frage ist nur, wann eine Entscheidung getroffen wird - und warum die Schulöffnungen davor stattfinden sollen."

Auch Bundesbildungsminsiterin Anja Karliczek befürwortet die Pläne für eine frühere Impfung von Lehrkräften und Kita-Personal. "Beide Berufsgruppen nehmen Aufgaben wahr, die für unsere ganze Gesellschaft von ganz großer Bedeutung sind, was sich auch in der Impfpriorisierung zeigen sollte", sagte die CDU-Politikerin.

Frühere Impfung von Lehr- und Kitapersonal wahrscheinlich

Ein solcher Schritt mit einer entsprechenden Änderung der Corona-Impfverordnung wird inzwischen immer wahrscheinlicher. Gestern stellte Bundesgesundheitsminister Spahn in Aussicht, dass Erzieherinnen und Erzieher sowie das Grundschulpersonal - bislang in Priorisierungsgruppe drei - in die zweite Priorisierungsgruppe aufrücken.

Nach Angaben von Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha ist diese Änderung bereits in Arbeit. Eine Grundsatzentscheidung solle voraussichtlich auch in der Gesundheitsministerkonferenz an diesem Montag fallen, so der Grünen-Politiker.

Schüler fordern medizinische Masken und Schnelltests

Um den Schulbesuch für Schüler und Schülerinnen sicherer zu machen, forderte die Bundesschülerkonferenz auch an Schulen eine Pflicht zum Tragen medizinischer Masken. "Wir erleben das überall sonst im Alltag, warum nicht an den Schulen?", sagte der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Ebenfalls wichtig seien jetzt Investitionen für eine funktionierende Teststruktur. "Wir brauchen an den Schulen tägliche zertifizierte Selbsttests und Schnelltests für alle, die ein Schulgebäude betreten", sagte Schramm.

Viele Kinder kehren Montag an Schulen zurück

An diesem Montag öffnen in zehn weiteren Ländern wieder Grundschulen. Es findet entweder sogenannter Wechselbetrieb mit halben Klassen statt, die abwechselnd zur Schule kommen, oder auch Vollbetrieb mit festen Gruppen, die sich möglichst nicht begegnen sollen. Bei den Kitas dürfen mehr Kinder oder auch alle wieder in die Betreuung zurück. Auch das unterscheidet sich in den Ländern.

Für ältere Schüler und Jugendliche geht es erst einmal mit sogenanntem Distanzlernen weiter. Ausgenommen davon bleiben Abschlussklassen. In Niedersachsen sind Grundschüler bereits seit Januar wieder in den Schulen, in Sachsen seit Beginn dieser Woche. Auch die Kitas sind im Freistaat seit vergangenem Montag wieder geöffnet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Februar 2021 um 09:55 Uhr.

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Moderation 21.02.2021 • 16:09 Uhr

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