Bayrische Schülerinnen der neunten Klasse einer Mittelschule sitzen am ersten Schultag zu Beginn des Unterrichts mit Mundschutz im Klassenzimmer. | Bildquelle: dpa

Umfrage zu Infektionsgefahr "Kein erhöhtes Risiko an Schulen"

Stand: 16.10.2020 13:18 Uhr

Die Sorge war groß, dass die wieder geöffneten Schulen nach den Sommerferien zu Corona-Infektionsherden werden könnten. Doch danach sieht es laut einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland bisher nicht aus.

Die Schulen als Corona-Hotspots? Bisher hat es nach Recherchen des Redaktionsnetzwerks Deutschland nur relativ wenige Corona-Infektionen und Quarantäne-Maßnahmen an deutschen Schulen gegeben. Bis zum Start der Herbstferien hätten durchschnittlich 98 Prozent aller Schülerinnen und Schüler an Präsenzunterricht teilnehmen können, gehe aus einer Umfrage bei den Kultusministerien der Länder hervor.

Demnach waren in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Bayern rund 0,04 Prozent der Schüler mit dem Coronavirus infiziert. In Berlin waren es 0,07 Prozent. Es gab zudem nur relativ wenige Quarantäne-Maßnahmen. So seien zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen am Stichtag 7. Oktober 98,1 Prozent der Schüler nicht von Quarantäne betroffen. In Bayern befand sich am 15. Oktober rund ein Prozent der Schüler in Quarantäne.

"Von außen hereingetragen"

"Wir haben die Beobachtung gemacht, dass es kein verstärktes oder im Vergleich zur übrigen Gesellschaft erhöhtes Infektionsgeschehen an Schulen oder Kitas gibt", sagte die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot dem RND. "Infektionen finden ganz überwiegend außerhalb der Schulen und Kitas statt und werden von außen hereingetragen", so die SPD-Politikerin.

Ähnlich hatte sich vor gut zwei Wochen der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit in den tagesthemen geäußert. "Alles deutet darauf hin, dass Schulen und Kitas nicht die Haupt-Infektionsherde sind", sagte er. "Das sind sehr gute Nachrichten, die uns in den Maßnahmen, die wir getroffen haben, bestärken."

Erneute Schulschließungen vermeiden

Die Schulen waren im Sommer mit umfangreichen Schutzkonzepten in das neue Schuljahr gestartet - die sich allerdings von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Nun gilt es, sich angesichts steigender Infektionszahlen auf den Winter vorzubereiten. Sowohl die Kultusminister als auch die Bundesregierung hatten zuletzt immer wieder betont, dass flächendeckende Schulschließungen wie im Frühjahr unbedingt vermieden werden sollten. Offenen Schulen und Kitas wird "oberste Priorität" eingeräumt.

Und so stand die Corona-Lage auch auf der Tagesordnung der Kultusminister, die sich gestern und heute zu Beratungen zusammengeschaltet haben. Das Umweltbundesamt lieferte eine Handreichung für alle Schulen zum Thema Belüftung. In den vergangenen Tagen hatte es eine Debatte über Kälte, Mützen und Schals im Klassenzimmer gegeben. Die Experten empfehlen, zur Verringerung der Ansteckungsgefahr alle 20 Minuten zu lüften.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Oktober 2020 um 10:45 Uhr.

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