Ein Banner an einem Testzentrum in Hannover wirbt im Januar 2022 für kostenlose Corona-Tests. | dpa

Corona-Pandemie in Deutschland Erstmals mehr als 200.000 Neuinfektionen

Stand: 27.01.2022 07:10 Uhr

Erneut erreichen die Zahl der Corona-Neuinfektionen und die Sieben-Tage-Inzidenz neue Höchstwerte: Das RKI meldet mehr als 200.000 Ansteckungen binnen eines Tages. Die Inzidenz überschreitet den Wert von 1000.

Zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland und genau zwei Jahre nach dem ersten bestätigten Fall hierzulande wurden den Gesundheitsämtern binnen eines Tages mehr als 200.000 Neuinfektionen mit dem Erreger gemeldet. Dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden seit Mittwoch 203.136 weitere Ansteckungen übermittelt.

Damit steigt auch die Sieben-Tage-Inzidenz auf den Höchstwert von 1017,4 gegenüber dem Wert von 940,6 am Vortag und 638,8 vor genau einer Woche. Derzeit muss das RKI die tagesaktuellen Fallzahlen häufig im Laufe des Tages noch nach oben korrigieren, da die häufig überlasteten Gesundheitsämter die Daten erst verzögert übermitteln. Darum gehen Experten auch von einer hohen und weiter steigenden Zahl von Infektionen aus, die gar nicht in den RKI-Daten erfasst sind.

Der erste Corona-Fall war in Deutschland am 27. Januar 2020 offiziell in Bayern bestätigt worden. Seitdem haben sich bundesweit mehr als 9,2 Millionen Menschen mit dem Virus angesteckt. Mehr als 7,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner gelten oder galten laut RKI nach einer Infektion wieder als genesen. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion stieg in den vergangenen 24 Stunden um 188 auf insgesamt 117.314 Tote an.

Acht Bundesländer überschreiten 1000er-Inzidenz

Den rapiden Anstieg der Infektionszahlen führen Experten vor allem auf die Omikron-Variante des Virus zurück, die zwar offenbar einen milderen Krankheitsverlauf nach sich zieht als die Delta-Variante, dafür aber deutlich ansteckender ist. Derzeit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in acht Bundesländern über der Schwelle von 1000. Am höchsten ist sie momentan in Berlin mit 1863,2 und Hamburg mit 1616,2. Die niedrigste Inzidenz verzeichnet mit einem Wert von 371,8 Thüringen.

Bei den Impfungen gegen das Coronavirus zählt Thüringen mit einer Quote von 69,2 Prozent hingegen neben Brandenburg und Sachsen zu den drei Schlusslichtern bundesweit. Mit 89 Prozent hat sich im deutschlandweiten Vergleich in Bremen größte Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner impfen lassen.

Bremen liegt damit deutlich über der bundesweiten Quote: Bis Dienstag galten in ganz Deutschland 73,6 Prozent der zur Impfung berechtigten Bevölkerung als vollständig geimpft. Mehr als die Hälfte hat bereits eine Booster-Impfung erhalten.

Zweifel an Hospitalisierungsrate

Mediziner warnen angesichts der hohen Infektionszahlen vor einer drohenden Überlastung der Kliniken und Arztpraxen in Deutschland. Die Hospitalisierungsrate beziffert das RKI aktuell mit 4,26. Sie gibt an, wie viele der Patienten in Kliniken wegen einer Corona-Infektion behandelt werden müssen.

Allerdings weckt ein Bericht der "Bild" auch an diesem Wert Zweifel. Demnach fließen in die Statistik auch Patienten ein, die aufgrund wegen eines positiven Tests zwar offiziell als Covid-Patienten gemeldet sind, aber eigentlich wegen einer anderen Krankheit behandelt werden. Im Saarland soll in den vergangenen zwei Wochen nur jeder vierte offiziell gemeldete Corona-Patient tatsächlich wegen Covid im Krankenhaus stationiert gewesen sein. Im Dezember war es demnach noch jeder zweite.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Januar 2022 um 06:45 Uhr.