Feuerwehruniformen und -helme hängen aufgereiht an einer grauen Wand. | dpa

Drohende Omikron-Welle Behörden reaktivieren Notfallpläne

Stand: 21.12.2021 18:53 Uhr

Die Ausbreitung der Omikron-Variante könnte für die kritische Infrastruktur, also etwa Polizei, Feuerwehr oder Versorger, gravierende Folgen haben - warnte der neue Expertenrat zuletzt. Die Behörden beginnen deshalb jetzt, sich vorzubereiten.

Mit zunehmender Sorge vor der Ausbreitung der Omikron-Variante wächst auch die Befürchtung, dass rasant steigende Infektionszahlen personelle Lücken in die sogenannte kritischen Infrastruktur reißen könnten. Dazu zählen neben Krankenhäusern beispielsweise auch die Feuerwehr, Polizei oder Betriebe, die die Energie- und Stromversorgung gewährleisten. Viele Unternehmen und Branchen wappnen sich jetzt gegen dieses Szenario - auch wenn die Lage bislang entspannt ist.

So teilte etwa der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft mit, die bewährten Notfall- und Pandemiepläne kämen fortwährend zum Einsatz. Daher würden die eigenen Mitgliedsbetriebe derzeit "kein erhöhtes Risiko für die Versorgungssicherheit" durch die Omikron-Variante sehen. Ähnlich klang es bei der Firma Envia M, die mit für die Energieversorgung in Sachsen und Thüringen sorgt. Trotz vieler Krankheits- und Quarantäne-Fälle habe nie ein Ausfall gedroht, sagte der Chef des Krisenstabs des Betriebes, Thomas Scheer, im Gespräch mit dem MDR.

Auch in der Luftfahrt fühlen sich mehrere Unternehmen auf den Fall der steigenden Fallzahlen vorbereitet. Die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, Fraport, hat eigenen Angaben zufolge zahlreiche Maßnahmen getroffen, um den Betrieb des größten deutschen Flughafens auch bei einer größeren Erkrankungswelle durch die Omikron-Variante sicherzustellen. Ebenso zeigten sich die Lufthansa und die Deutsche Flugsicherung überzeugt, dass man flexibel auf externe Störungen des Betriebs reagieren könne.

Forderung nach einheitlichen Regelungen

Doch es kommt auch Kritik aus den zur kritischen Infrastruktur gehörenden Sparten. So drängt der Deutsche Feuerwehrverband in einem Brief an den Corona-Expertenrat der Bundesregierung und an das Bundesgesundheitsministerium auf in sämtlichen Bundesländern einheitlich geltende Quarantäne-Regelungen. Derzeit seien die Bestimmungen teils sehr unterschiedlich "und vor allem hinsichtlich systemkritischer Personenkreise undifferenziert". Zudem würden sie von angesichts der derzeitigen Corona-Lage überlasteten Gesundheitsämtern gefällt. Dadurch drohten "erhebliche und vor allem vermeidbare Ausfälle gesellschaftlich dringend benötigter Zielgruppen".

Eine bundesweite Übersicht, mit welchen Maßnahmen sich die Betriebe, Einrichtungen und Organisationen der kritischen Infrastruktur auf mögliche Krisen und Engpässe vorbereiten, gibt es nicht. Denn der sogenannte Katastrophenschutz in Friedenszeiten ist Ländersache.

Expertenrat sieht "hohes Risiken"

Doch am Sonntag hatte der Corona-Expertenrat der Bundesregierung deutlich vor "hohen Risiken" für die kritische Infrastruktur gewarnt, sollte sich die Sorge vor einer massiven Omikron-Ausbreitung bestätigen. Darum sollten sämtliche Betreiber umgehend Notfallpläne aufstellen - mit Unterstützung des neu eingerichteten Krisenstabs von Bund und Ländern. Zudem plädierten die Experten für Kontaktbeschränkungen, um die Ausbreitung von Omikron möglichst einzudämmen. Auch das Robert Koch-Institut sprach sich heute für die Reduzierung von Kontakten und weitere Verschärfungen aus.

In der politischen Debatte um eventuell strenge Corona-Auflagen hatte Bundesjustizminister Marco Buschmann ein "relevantes Risiko" eingeräumt, dass die Omikron-Variante neue Belastungen für die Krankenhäuser bringe und viele Mitarbeiter der kritischen Infrastruktur gleichzeitig krank würden. Einen erneuten Lockdown lehnte der FDP-Politiker jedoch ab, auch wenn es "falsch" sei, "bestimmte Maßnahmen ein für alle Mal auszuschließen". Am Sonntag hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach einen Lockdown noch vor den Weihnachtstagen im Bericht aus Berlin ausgeschlossen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Dezember 2021 um 16:28 Uhr.