Ein Mitarbeiter wartet auf Kundschaft in einer Corona-Teststation in Bautzen, Sachsen | dpa

Coronavirus-Pandemie Inzidenz sinkt erstmals seit Dezember

Stand: 13.02.2022 07:15 Uhr

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist erstmals seit Dezember wieder gesunken. Das RKI gab den Wert mit 1466,5 an. Die Gesundheitsämter meldeten 125.160 Neuinfektionen. Vor allem die FDP dringt nun auf Lockerungen der Corona-Maßnahmen.

Erstmals seit Ende Dezember ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz im Vergleich zum Vortag gesunken. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner und Woche mit 1466,5 an. Am Vortag lag der Wert bei 1474,3. Vor einer Woche hatte die bundesweite Inzidenz bei 1400,8 gelegen (Vormonat: 427,7).

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 125.160 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es 133.173 Ansteckungen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 58 weitere Todesfälle verzeichnet. Damit stieg die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, auf 119.935.

Infektionszahlen mit bedingter Aussagekraft

Die Aussagekraft der RKI-Daten ist derzeit eingeschränkt. Experten gehen von einer hohen Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind. Testkapazitäten und Gesundheitsämter sind demnach vielerorts am Limit, Kontakte werden nur noch eingeschränkt nachverfolgt.

Auch wurden Inzidenzwert und Infektionszahlen in den vergangenen Wochen wegen Nachmeldungen nachträglich regelmäßig und zum Teil noch sehr deutlich nach oben korrigiert.

Daher ist es schwer zu beurteilen, ob sich mit den aktuellen Zahlen ein Plateau der Omikron-Welle andeutet und der rasante Anstieg bei den Ansteckungen in Deutschland gebremst ist. Es könnte auch sein, dass der Inzidenz-Rückgang nicht das tatsächliche Infektionsgeschehen widerspiegelt, sondern Folge eines überlasteten Melde- und Testsystems ist.

Eine Rolle könnte unter anderem auch spielen, dass einige Menschen ihren positiven Selbst- oder Schnelltest nicht mit einem PCR-Test abklären lassen. Sie tauchen dann nicht in der Statistik auf.

Mehr als 12,3 Millionen Infektionen

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 12.344.661 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 8.737.000 an.

Die Zahl der in Kliniken gekommenen Corona-infizierten Patienten je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb von sieben Tagen hatte das RKI zuletzt mit 6,46 angegeben. Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben. Am Wochenende werden keine Daten zu den Klinikaufnahmen veröffentlicht.

FDP-Chef fordert deutliche Lockerungen

In der kommenden Wochen wollen die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit Bundeskanzler Olaf Scholz über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Vor dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern dringt die FDP nun auf schnelle und spürbare Lockerungen.

Nach den Beratungen müsse es einen "spürbaren Unterschied in unserem Alltag" geben, sagte FDP-Parteichef Christian Lindner der "Bild am Sonntag". "Klar ist, dass man zu forsch beim Öffnen sein kann. Diese Gefahr ist aber inzwischen äußerst überschaubar."

Kommunen fordern einheitliche Öffnungsschritte

Die Kommunen wollen zumindest einen konkreten, einheitlichen Plan für Öffnungen. "Nach über zwei Jahren Corona-Pandemie wollen die Menschen und die Wirtschaft endlich ein Hoffnungssignal", sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Als erstes sollten bundesweit die Zugangsbeschränkungen im Einzelhandel fallen. "Zusätzlich sollten Erleichterungen insbesondere für Jugendliche und bei Sportveranstaltungen bundeseinheitlich vorgegeben werden", sagte Landsberg.

Landsberg führte an, dass der Höhepunkt der Omikron-Welle in wenigen Tagen erwartet werde und sich eine Überlastung der Krankenhäuser nicht abzeichne. "Natürlich müssen Abstände und auch die FFP2-Maske weiterhin vorgeschrieben werden."

"Einschränkungen Schritt für Schritt zurückzunehmen"

Fraglich ist derzeit, wie schnell und in welchen Schritten Öffnungen kommen und ob das bis 19. März befristete Infektionsschutzgesetz als Grundlage der Schutzmaßnahmen darüber hinaus vorsorglich verlängert werden soll. Die Ampel-Koalition hatte auf Drängen der FDP bereits einmal - zu Beginn der vierten Welle - das Schutz-Instrumentarium reduziert und dann angesichts der außer Kontrolle geratenen Infektionslage nachsteuern müssen.

FDP-Fraktionschef Christian Dürr drängt auf die Aufhebung aller Maßnahmen am 19. März. "Und damit das nicht auf einen Schlag passiert, sollten wir bereits jetzt anfangen, erste Einschränkungen Schritt für Schritt zurückzunehmen", sagte er der "Bild am Sonntag".

Lockerungen unter Verlängerung der Rechtsgrundlage

Die SPD-Länder und auch Wirtschaftsminister Robert Habeck scheinen Lockerungen unter Verlängerung der Rechtsgrundlage für die Maßnahmen anzustreben. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, der zur Vorsicht mahnt, hatte sich dafür ausgesprochen, Öffnungsperspektiven zu entwickeln. Dem "Spiegel" sagte Lauterbach mit Blick auf die derzeitigen Schutzmaßnahmen: "Wir retten pro Tag 100 bis 150 Menschenleben."

Bundesjustizminister Marco Buschmann zieht solche Modellrechnungen in Zweifel. "Wir sollten den Menschen nicht mehr Angst einjagen, als es angezeigt ist. Viele befinden sich seit zwei Jahren in einer sehr belastenden Situation. Da muss man den Stress nicht noch vergrößern", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Karagiannidis für zielgerichtete Tests

Das Mitglied des Corona-Expertenrats der Regierung, Christian Karagiannidis, der das DIVI-Intensivregister leitet, forderte derweil Vorbereitungen auf eine weitere Corona-Welle im Herbst und dabei auch eine neue Teststrategie. Beim Redaktionsnetzwerk Deutschland schlug er vor, "im Herbst nicht mehr auf Verdacht zu testen, sondern Tests nur noch für vulnerable Gruppen und Personen mit Corona-Symptomen anzubieten".

Ergänzend solle es Abwasser-Screenings geben und ein Monitoring der Patienten mit Atemwegsinfektionen. "Klar ist schon jetzt, dass wir im Herbst und Winter mindestens zum Schutz der chronisch Kranken wieder Masken benötigen", sagte Karagiannidis.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Februar 2022 um 05:50 Uhr.