Ein PCR-Test wird für die Analyse auf Mutationen des Coronavirus vorbereitet wird. | dpa

Coronavirus in Deutschland Bisher fast 3200 Omikron-Fälle bekannt

Stand: 23.12.2021 15:38 Uhr

Laut RKI sind bundesweit bislang fast 3200 Corona-Infektionen durch die Omikron-Variante nachgewiesen worden. Die Sorge vor einer raschen Ausbreitung befeuert die Debatte um eine Impfpflicht. Inzwischen wurde der erste Omikron-Tote gemeldet.

In Deutschland sind von den Gesundheitsämtern bislang 3198 Corona-Infektionen gemeldet worden, die auf die Omikron-Variante zurückzuführen sind. Das geht aus der Statistik des Robert Koch-Institutes (RKI) mit Stand von Mittwoch hervor. Dabei handelt es sich demnach um per Gesamtgenomsequenzierung nachgewiesene Fälle oder um Verdachtsfälle, basierend auf den Ergebnissen von variantenspezifischen PCR-Tests.

Laut RKI wurden allein von Dienstag auf Mittwoch 810 weitere solcher Fälle gemeldet - was einer Zunahme von etwa 33 Prozent entspricht. Am häufigsten treten Omikron-Infektionen demnach in der Altersgruppen der 15- bis 34-Jährigen mit knapp 1500 Fällen und in bei 34- bis 59-Jährigen auf. Hier wurden bisher 1050 Ansteckungen erfasst, die auf die Variante zurückzuführen sind.

Inzwischen meldete das RKI den ersten Todesfall nach einer Infektion mit der Omikron-Variante. Der oder die Verstorbene war zwischen 60 und 79 Jahre alt, wie aus der täglichen Übersicht des RKI zu Omikron-Fällen hervorgeht.

Blickt man auf die Bundesländer wurden die meisten Omikron-Fälle im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen nachgewiesen. Hier sind es rund 1100. Dahinter folgen Bayern mit fast 600 Fällen und Hamburg mit rund 460 Omikron-Ansteckungen. Gerade einmal zwei Fälle wurden bisher im Saarland verzeichnet. Auch Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen mit fünf und sechs Fällen noch im einstelligen Bereich.

Hinweise auf möglicherweise milderen Krankheitsverlauf

In anderen Staaten hat sich Omikron deutlich rasanter ausgebreitet. In den USA ist die Variante mittlerweile die vorherrschende Virenform, ebenso in Südafrika. Hier wurde Omikron vor rund vier Wochen erstmals nachgewiesen. Nun veröffentlichten Forscher eine Studie, die darauf hindeutet, dass der Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit Omikron wohl schwächer verläuft als beispielsweise infolge einer Ansteckung mit der Delta-Variante.

Ähnliche Hinweise führen Wissenschaftler in Großbritannien und zwei dort erschienen Studien an. So hieß es etwa von der University of Edinburgh, dass von etwa 22.200 nachweislich mit der Omikron-Variante infizierten Personen deutlich weniger in eine Klinik eingeliefert werden mussten als es bei Betroffenen einer Delta-Infektion der Fall sei. Die Forscher bezifferten die Quote mit 68 Prozent.

Erneut mehr als eine Million Impfungen an einem Tag

Doch abseits der möglichen Krankheitsverläufe belegen Daten auch, dass sich Omikron wesentlich schneller ausbreitet als Delta. Die Bundesregierung versucht dem dadurch drohenden Anstieg der Corona-Infektionen mit einer umfassenden Booster-Kampagne entgegenzuwirken. Den Zahlen des RKI zufolge sind bislang bundesweit 70,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft und 33,8 Prozent haben bereits die Auffrischungsimpfung erhalten. Allein am Mittwoch hatten sich bundesweit mehr als eine Million Menschen gegen Covid-19 impfen lassen. Den Großteil machten dabei Drittimpfungen aus.

Geboostert wird derzeit mit den Impfstoffen von BioNTech und Pfizer sowie von Moderna. Um mögliche Engpässe bei der Impfstoff-Versorgung zu vermeiden, soll Moderna 35 Millionen Impfdosen früher liefern als ursprünglich mit der Bundesregierung vereinbart. Auch bei BioNTech hat die Bundesregierung weiteren Impfstoff geordert - und der soll bereits auf die Omikron-Variante angepasst sein, wenn er laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach voraussichtlich im April oder Mai 2022 geliefert wird. Lauterbach geht davon aus, dass "eine spezifische Varianten-Impfung gegen Omikron" nötig sein wird - damit also Impfung Nummer vier.

Novavax und AstraZeneca versichern Wirksamkeit ihrer Vakzine

Doch auch andere Hersteller pochen auf die Wirksamkeit ihrer Vakzine. So sicherte der Konzern Novavax eine wirksame Immunreaktion gegen Omikron zu. Der Impfstoff des Unternehmens wurde erst Anfang der Woche von der Europäischen Arzneimittelbehörde zugelassen.

Und auch der britisch-schwedische Hersteller AstraZeneca beruft sich auf eine eigene Studie, die zeige, dass ihr Impfstoff nach einer Auffrischungsimpfung gegen Omikron schütze. Zudem seien nach einer dritten Impfdosis mehr Antikörper gegen Covid-19 im Körper nachgewiesen worden als bei Personen, die nach einer Corona-Infektion als genesen gelten.

Wiederholt hatte Lauterbach die Booster-Impfung als wichtigstes Werkzeug im Kampf gegen die Omikron-Ausbreitung bezeichnet.

Wachsende Zustimmung für Impfpflicht

Seit Wochen nimmt die Debatte um eine allgemeine Impfpflicht immer mehr an Fahrt auf - und findet parteiübergreifend immer mehr Befürworter. Vor allem die Union drängt auf eine rasche Umsetzung dieses Schrittes. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst nannte die Impfpflicht in den tagesthemen "unerlässlich" angesichts der Omikron-Variante.

Auch SPD-Chef Lars Klingbeil ist in seiner Sichtweise umgeschwenkt. Er sei der Vergangenheit immer "sehr überzeugt" gewesen, dass keine Impfpflicht kommen werde, wie er selbst gegenüber den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland einräumte: "Das war ein Fehler." Er habe geglaubt, dass sich "sehr viel mehr Menschen impfen lassen werden als es bis heute tatsächlich der Fall ist". Gleichzeitig betonte Klingbeil, wenn die derzeitige Impfquote "schlagartig auf 95 Prozent" steigen würde, sei eine Impfpflicht nicht mehr nötig. Doch diese Entwicklung zeichne sich derzeit nicht ab.

Auch von den Grünen kommt Zustimmung zu der vorgeschlagenen Impfpflicht. In der FDP hingegen spaltet sie die Gemüter. Parteichef Christian Lindner befürwortet sie mittlerweile. Doch sein Vize, Wolfgang Kubicki, hat beim Bundestag einen ersten Antragsentwurf eingereicht, in dem er sich gegen die Einführung einer Impfpflicht ausspricht. Wie die "Rheinische Post" berichtet, sollen sich bislang 31 FDP-Abgeordnete diesem Antrag angeschlossen haben.

Offenbar mehrere Abstimmungsanträge zur Impfpflicht

In einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme hatte der Deutsche Ethikrat die Ausweitung der Impfpflicht zwar mehrheitlich befürwortet, einen solchen Schritt aber an Bedingungen geknüpft.

Nach Informationen der "Rheinischen Post" sind im kommenden Jahr mindestens drei Abstimmungsanträge der Bundestagsfraktionen zur Impfpflicht geplant. Einer soll eine allgemeine Impfpflicht ab 18 Jahren vorsehen, einer eine Pflicht für Menschen ab 60 Jahren. Hinzu kommt der bereits bekannte Entwurf gegen die Einführung einer Impfpflicht.

Sieben-Tage-Inzidenz sinkt auf rund 280

Insgesamt geht die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland derzeit aber noch weiter zurück. In den vergangenen 24 Stunden haben die Gesundheitsämter laut RKI 44.927 weitere Fälle gemeldet - und damit rund 6300 weniger als noch vor einer Woche. Am vergangenen Donnerstag hatte das RKI 51.301 bestätigte Neuinfektionen verzeichnet.

Damit sinkt auch die Sieben-Tage-Inzidenz erneut und unterschreitet nun wieder die Schwelle von 300. Sie liegt mittlerweile bei 280,3. Am Mittwoch betrug der Wert 289,0 und vor einer Woche hatten sich im Durchschnitt 353 von 100.000 Bürgerinnen und Bürgern binnen einer Woche mit dem Virus angesteckt.

Über Feiertage könnte Datenerfassung schwächeln

Die Zahl der Todesfälle bleibt mit 425 aber weiterhin hoch. Seit Beginn der Pandemie in Deutschland verzeichnete das Institut mehr als 109.700 Todesfälle und mehr als 6,9 Millionen bestätigte Corona-Infektionen.

Experten warnen davor, dass die Infektionen im Januar oder sogar bereits vor dem Jahreswechsel wieder zunehmen könnten. Doch über die Feiertage bis in den Januar hinein droht eine gewisse Ungewissheit: Der Verband der Amtsärzte und das RKI gehen von einer Untererfassung der Fälle in diesem Zeitraum aus. Verlässliche Zahlen seien erst im Januar wieder zu erwarten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Dezember 2021 um 14:00 Uhr.