Menschen laufen im Dezember 2021 teils mit Corona-Maske durch eine Einkaufsstraße in Gießen. | dpa

Coronavirus in Deutschland Sieben-Tage-Inzidenz sinkt auf rund 280

Stand: 23.12.2021 08:24 Uhr

Die täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus gehen laut RKI weiter zurück. Binnen eines Tages meldete das Institut 44.927 weitere Fälle. Die Sorge vor der Omikron-Variante wächst aber und treibt die Debatte über eine Impfpflicht voran.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus geht bundesweit laut Robert Koch-Institut (RKI) weiter zurück. In den vergangenen 24 Stunden haben die Gesundheitsämter demnach 44.927 weitere Fälle gemeldet - und damit rund 6300 weniger als noch vor einer Woche. Am vergangenen Donnerstag hatte das RKI 56.677 bestätigte Neuinfektionen verzeichnet.

Damit sinkt auch die Sieben-Tage-Inzidenz erneut und unterschreitet nun wieder die Schwelle von 300. Sie liegt mittlerweile bei 280,3. Am Mittwoch betrug der Wert 306,4 und vor einer Woche hatten sich im Durchschnitt 353 von 100.000 Bürgerinnen und Bürgern binnen einer Woche mit dem Virus angesteckt.

Höchste Inzidenz in Thüringen

Unter den Bundesländern weist momentan Thüringen mit 726,7 die höchste Sieben-Tage-Inzidenz auf - gefolgt von Sachsen-Anhalt und Sachsen, die mit Werten von 556,2 und 555,7 nahezu gleichauf liegen. Den niedrigsten Wert melden Niedersachsen mit 155,5 und Schleswig-Holstein mit 163,2.

Die Zahl der Todesfälle bleibt mit 425 aber weiterhin hoch. Vor genau einer Woche hatte es Angaben des RKI zufolge 453 Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gegeben. Seit dem Ausbruch der Pandemie in Deutschland verzeichnete das Institut mehr als 109.700 Todesfälle und mehr als 6,9 Millionen bestätigte Corona-Infektionen.

Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Neuinfektionen wieder steigen wird - vor allem wegen der sich ausbreitenden Omikron-Variante. Doch über die Feiertage und die Zeit zwischen den Jahren droht eine gewisse Ungewissheit: Der Verband der Amtsärzte geht von einer Untererfassung der Fälle in diesem Zeitraum aus. Verlässliche Zahlen seien erst ab Januar wieder zu erwarten.

Gesundheitsminister begrüßen frühere Booster-Empfehlung

Der Fokus der Politik richtet sich jedoch auf den befürchteten Anstieg der Fallzahlen durch die Omikron-Variante. Um deren Ausbreitung bestmöglich einzudämmen, hat nun auch die Ständige Impfkommission (STIKO) empfohlen, den Abstand zwischen vollständiger und dritter Impfung zu verkürzen. Das Boostern solle bereits nach drei Monaten erfolgen. Zuvor hatte das Gremium dafür plädiert, einen zeitlichen Abstand von sechs Monaten einzuhalten.

Die Gesundheitsminister der Bundesländer begrüßten die Entscheidung der STIKO. "Auch, wenn noch viele Fragen zu Omikron offen sind, sind sich die Expertinnen und Experten einig, das Booster-Impfungen zum Schutz gegen die Virusvariante besonders wichtig sind", sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

Gleichzeitig drängen er und seine Amtskollegen darauf, dass für die Booster-Kampagne genügend Impfstoff bereitstehen müsse. Mitte Dezember hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach eingeräumt, dass nach derzeitigem Stand im ersten Quartal 2022 ein Engpass bei den Impfdosen drohe. Seitdem bemüht sich sein Ministerium um zusätzliche oder frühere Lieferungen. So hat der Hersteller Moderna bereits zugesichert, 35 Millionen Impfdosen vorzeitig zu liefern.

Auch beim Konzern BioNTech hat die Bundesregierung weiteren Impfstoff geordert - und der soll bereits auf die Omikron-Variante angepasst sein, wenn er laut Lauterbach voraussichtlich im April oder Mai 2022 geliefert wird. Lauterbach geht davon aus, dass "eine spezifische Varianten-Impfung gegen Omikron" nötig sein wird - damit also Impfung Nummer vier.

Wachsende Zustimmung für Impfpflicht

Den Zahlen des RKI zufolge sind bislang bundesweit 70,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft und 33,8 Prozent haben bereits die Auffrischungsimpfung erhalten. Zu wenig, kritisiert vor allem die Union. Darum drängte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst in den tagesthemen erneut auf die schnelle Umsetzung einer allgemeinen Impfpflicht. Diese sei gerade mit Blick auf Omikron "unerlässlich".

Parteiübergreifend stellen sich immer mehr Politiker hinter eine Impfpflicht. Darunter auch SPD-Chef Lars Klingbeil, der in der Vergangenheit immer "sehr überzeugt" gewesen sei, dass keine Impfpflicht kommen werde, wie er selbst gegenüber den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland einräumte: "Das war ein Fehler." Er habe geglaubt, dass sich "sehr viel mehr Menschen impfen lassen werden als es bis heute tatsächlich der Fall ist". Gleichzeitig betonte Klingbeil, wenn die derzeitige Impfquote "schlagartig auf 95 Prozent" steigen würde, sei eine Impfpflicht nicht mehr nötig. Doch diese Entwicklung zeichne sich derzeit nicht ab.

Auch von den Grünen kommt Zustimmung zu der vorgeschlagenen Impfpflicht. In der FDP hingegen spaltet sie die Gemüter. Parteichef Christian Lindner befürwortet sie mittlerweile. Doch sein Vize, Wolfgang Kubicki, hat beim Bundestag einen ersten Antragsentwurf eingereicht, in dem er sich gegen die Einführung einer Impfpflicht ausspricht. Wie die "Rheinische Post" berichtet, sollen sich bislang 31 FDP-Abgeordnete diesem Antrag angeschlossen haben.

Offenbar mehrere Abstimmungsanträge zur Impfpflicht

In einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme hatte der Deutsche Ethikrat die Ausweitung der Impfpflicht zwar mehrheitlich befürwortet, einen solchen Schritt aber an Bedingungen geknüpft.

Nach Informationen der "Rheinischen Post" sind im kommenden Jahr mindestens drei Abstimmungsanträge der Bundestagsfraktionen zur Impfpflicht geplant. Einer soll eine allgemeine Impfpflicht ab 18 Jahren vorsehen, einer eine Pflicht für Menschen ab 60 Jahren. Hinzu kommt der bereits bekannte Entwurf gegen die Einführung einer Impfpflicht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Dezember 2021 um 09:00 Uhr.