Kunden halten den vorgegebenen Abstand bei einem Café Besuch. | dpa

Alternativen zum Lockdown Wenigstens ins Gartenlokal

Stand: 20.03.2021 11:00 Uhr

Trotz steigender Corona-Ansteckungszahlen suchen einige Bundesländer nach regionalen Alternativen zum Lockdown. Rheinland-Pfalz etwa öffnet in einem Modellprojekt die Außengastronomie.

Allen vorsichtigen Lockerungen der Corona-Beschränkungen zum Trotz: Restaurants und Cafés sind seit Monaten geschlossen. Rheinland-Pfalz beginnt nun am Montag mit einem Modellversuch, der eine Öffnung der Außengastronomie trotz steigender Corona-Zahlen ermöglichen soll.

Ziel sei es, "dass die Menschen in den anstehenden Osterferien bei uns wandern und in einem Gartenlokal einkehren können, statt nach Mallorca zu fliegen", erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Öffnung der Außengastronomie erfolge unter strengen Bedingungen. So müssten Besucher einen gültigen negativen Corona-Schnelltest vorweisen und die allgemeinen Schutzmaßnahmen beachten. 

Während die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen bundesweit fast die kritische Marke von 100 erreicht hat, liegt sie in Rheinland-Pfalz laut Robert Koch-Institut noch bei 74. "Weil wir ganz Deutschland nicht für weitere Monate komplett abriegeln können, setzen wir in Rheinland-Pfalz darauf, auch regionale Lösungen zu finden", so Dreyer.

In der kommenden Woche solle mit den Kommunen darüber beraten werden, wie in den Modellregionen "durch schlüssige Test- und Nachverfolgungskonzepte einzelne behutsame Öffnungen" ermöglicht werden könnten. Dabei gehe es neben der Außengastronomie auch um Kultureinrichtungen und den Einzelhandel, sagte die SPD-Politikerin in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Sie wies aber auch darauf hin: Sobald die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 steige, werde die von Bund und Ländern beschlossene "Notbremse" gezogen, mit der Lockerungen wieder zurückgenommen werden sollen.

Schwesig: Wieso nicht Osterurlaub im eigenen Land?

Auch aus Sicht von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig müsse es ermöglicht werden, Urlaub hierzulande zu machen. "Wir sollten zumindest darüber sprechen, ob es Möglichkeiten für einen kontaktfreien Urlaub im eigenen Bundesland gibt", sagte die SPD-Politikerin mit Blick auf den nächsten Bund-Länder-Gipfel am Montag. "Viele Menschen verstehen nicht, dass es Möglichkeiten für den Osterurlaub auf Mallorca gibt, aber zuhause nicht einmal eine Ferienwohnung im eigenen Bundesland angemietet werden kann."

Pilotversuch im Fußballstadion

In Schwesigs Bundesland startet der FC Hansa Rostock bereits heute ein Pilotprojekt: Der Fußball-Verein öffnet seit knapp fünf Monaten erstmals wieder die Stadiontore für Zuschauer - und ist damit bundesweit der Vorreiter. 777 Fans dürfen mit Einverständnis des Gesundheitsamts und der Landesregierung die Partie des Drittligisten gegen den Halleschen FC im Ostseestadion sehen. Vorher müssen sie einen Schnelltest machen. Die Erfahrungen, die der FC Hansa sammelt, sollen allen interessierten Profivereinen zugänglich gemacht werden.

Schulen auf - Schulen zu

Auch Hamburg versucht es mit einer Alternative zum ganz strengen Lockdown. Obwohl seit heute die "Notbremse" greift und Lockerungen zurückgenommen sind, bleiben die Schulen geöffnet. Auch hier soll ein Schnelltest-Konzept helfen. In Bayern hingegen müssen sich viele Schüler und Lehrer wieder umstellen: Für 38 Landkreise und kreisfreie Städte wurde von Montag an Distanzunterricht angeordnet, wie ein Sprecher des Kultusministeriums mitteilte.

Generell sieht der bayerische Ministerpräsident Markus Söder Lockerungen derzeit skeptisch. "Weitere Öffnungen ergeben angesichts der erneut steigenden Infektionen keinen Sinn. Die Notbremse muss für alle gelten. Und zwar konsequent", sagte der CSU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Wirtschaft fordert Umdenken

Wirtschaftsvertreter appellierten an die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Bund-Länder-Runde am Montag, eine andere Herangehensweise zu wählen. So mahnte der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Rainer Dulger, eine stärkere Öffnung des Wirtschaftslebens an. Dies sei dringend nötig, "denn wir sind jetzt an einem Wendepunkt, wo vielen Betrieben die Puste ausgeht", sagte er der "Welt". "Diese perspektivlose Hinhaltepolitik macht viele Betriebe und Beschäftigte nur noch hilflos und wütend."

Der Chef des Müncher Ifo-Instituts, Clemens Fuest, beklagte in der "Augsburger Allgemeinen": "Ein Problem der Debatte und der aktuellen Politik besteht darin, dass nur in den Alternativen 'Öffnung versus Lockdown' gedacht wird." Es fehle seit langer Zeit eine proaktivere Politik im Corona-Management. Fuest kritisierte vor allem eine unzureichende Teststrategie. Entscheidend wäre es gewesen, Lockerungen an Testkonzepte zu binden.

Entsprechend erfreut äußerte sich der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Rheinland-Pfalz zu dem dortigen Modellversuch zur Öffnung der Außengastronomie. Dies sei für die gebeutelte Branche ein wichtiges Signal. Der Verband erwarte, dass Ministerpräsidentin Dreyer nun ihre Zusage einhalte, Hotels und Restaurants an Ostern eine Öffnungsperspektive zu geben. Dies müsse bei den Bund-Länder-Beratungen an diesem Montag verwirklicht werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. März 2021 um 09:00 Uhr.