Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer Pressekonferenz zur Corona-Pandemie Anfang November 2020. | HENNING SCHACHT/POOL/EPA-EFE/Shu

Merkel zum November-Lockdown Verzicht zum Wohle aller

Stand: 02.11.2020 19:15 Uhr

Es werden harte vier Wochen, dessen ist sich Kanzlerin Merkel bewusst. Und trotzdem mahnt sie, warnt sie, bittet sie. Denn strengere Regeln müssten sein, um einen in der Corona-Pandemie so dringend notwendigen Wendepunkt zu erreichen.

Von Torsten Huhn, ARD-Hauptstadtstudio

Mit eindringlichen Worten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel um Verständnis für die neuen Einschränkungen gebeten. Sie mache sich Sorgen, sagte Merkel, und bat die Menschen um Verständnis für die neuerlichen Verschärfungen.

Torsten Huhn ARD-Hauptstadtstudio

"Ich bin heute zu ihnen gekommen, weil mit dem heutigen Tag in Deutschland die Einschränkungen des öffentlichen wie des privaten Lebens in Kraft treten, die Bund und Länder für den Monat November beschlossen haben. Diese Einschränkungen treffen eigentlich jeden", sagte Merkel.

"Werden noch einige Zeit mit Pandemie leben müssen"

Sehr viele Bürgerinnen und Bürger würden mit Verständnis und Einsicht auf die neuen Regeln reagieren, aber es gebe auch Zweifel, Skepsis und Ablehnung. "Wir müssen uns aber bewusst machen, dass wir noch einige Zeit mit der Pandemie leben müssen", sagte Merkel. Heute seien über 12.000 neue Fälle gemeldet worden. "Das ist in etwa eine Verdreifachung in 14 Tagen, eine Verfünffachung seit Mitte Oktober", führte die CDU-Politikerin aus. "Das ist exponentielles Wachstum, das uns mit zunehmender Geschwindigkeit auf eine akute Notlage in unseren Krankenhäusern zulaufen lässt."

Eine sichtlich besorgte Kanzlerin erklärte, die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen habe sich in den vergangenen zehn Tagen verdoppelt. Eine solche Entwicklung könne keine Regierung verantworten.

Das Ziel ist der Grenzwert

Merkel wies darauf hin, dass die schnelle Verbreitung des Virus die Gesundheitsämter überfordere. Man könne die Verbreitung des Virus nicht mehr nachvollziehen. Und drei Viertel der Fälle könnten nicht mehr zugeordnet werden. "Deshalb müssen wir hier wieder in eine Situation kommen, in der die Gesundheitsämter Kontakte nachverfolgen können. Sonst nimmt das exponentielle Wachstum immer weiter zu", warnte Merkel.

"Wir müssen wieder auf 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner kommen", forderte Merkel, bis dahin könnten die Gesundheitsämter das noch nachvollziehen. Diese Zahl zu erreichen, sei das Ziel der nächsten vier Wochen. Die würden hart, das wisse sie, betonte die Kanzlerin. 

Kontakte so weit reduzieren wie möglich

Immer wieder sagte Merkel, dass man Kontakte vermeiden müsse: "Es geht immer um die Frage. Weil wir wissen, dass da ein enger Zusammenhang besteht, zwischen der Zahl der Kontakte und der Zahl der Infizierten. Das heißt, wir müssen Kontakte reduzieren, wo immer das möglich ist."

Die Kanzlerin fordert viel: zu Hause arbeiten, keine Urlaubsreisen, keine unbedingt notwendigen Verwandtenbesuche, keine Feste und Feiern, keine Kulturveranstaltungen. Und selbst zu Hause sollen sich so wenig Menschen wie möglich treffen. "Und das bedeutet natürlich vier Wochen lang Verzicht auf vieles, was das Leben schön macht. Und das wissen wir, sowohl die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten als auch wir in der Bundesregierung."

Einen besseren Weg habe man nicht gefunden. Die Maßnahmen seien aber notwendig und sie könnten ein Wellenbrecher werden, so formulierte es Merkel. Jeder und jede habe es in der Hand, den November zum Erfolg zu machen, zu einem Wendepunkt zu bringen.

Am 16. November will die Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten über die dann bestehende Lage beraten. Große Hoffnungen auf ganz normale Weihnachten hat diese Pressekonferenz nicht gemacht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. November 2020 um 17:00 Uhr.