Sendungsbild

Lindner zu Corona-Maßnahmen "Nicht überdramatisieren"

Stand: 18.10.2020 19:38 Uhr

Eine Ausgangssperre wie in Frankreich wäre in Deutschland unverhältnismäßig, so FDP-Chef Lindner im Bericht aus Berlin. Die Politik sollte die Lage nicht überdramatisieren. Große Feiern und Massenbesäufnisse seien hingegen tabu.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat dazu aufgerufen, bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Derzeit werde vor allem auf die Zahl der Neuinfektionen geschaut, sagte Lindner im Bericht aus Berlin. Dabei gebe es Experten, die sagten, man müsse auch andere Parameter in Betracht ziehen. Dazu gehöre die Situation in den Arztpraxen und bei der stationären Versorgung.

Zudem müsse man fragen, wer infiziert wird, forderte der FDP-Chef. Infektionsherde seien vor allem Massenveranstaltungen und Partys, anstecken würden sich insbesondere jüngere Menschen.

Ausgangssperre wäre unverhältnismäßig

"Es wäre Alarmstufe Rot, wenn jetzt Menschen in Altenpflegeeinrichtungen zuerst betroffen wären, die sind ja besonders schutzbedürftig." Er rate zur Vorsicht, so Lindner, "wir sollten aber auch nicht überdramatisieren". Eine Ausgangssperre wie derzeit in Frankreich wäre "völlig unverhältnismäßig" und müsse ausgeschlossen werden. "Und im übrigen halte ich es auch für unverhältnismäßig, wenn bei einer kleinen privaten Feier von zehn Leuten plötzlich die Polizei klingelt, weil Nachbarn sich plötzlich denunziatorisch betätigen."

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der gemeinsam mit Lindner im Bericht aus Berlin zu Gast war, ging auf die Frage, ob eine Ausgangssperre drohe, sollten die Corona-Fälle in Deutschland weiter stark zunehmen, nicht ein. "Ich sage nicht, was droht wenn, sondern ich sage nur: Wenn die Zahlen nicht runtergingen, dann würden wir viel größere Probleme bekommen für unsere Wirtschaft, für unsere Gesellschaft, für die jungen Leute und ihre Zukunftschancen."

Appell an Feiernde

Wichtig sei es, die derzeitige Infektionsdynamik zu brechen. Das sei auch im April und Mai gelungen, so der CDU-Politiker. "Damals hatten wir noch weniger Erfahrungen, wo die eigentlichen Infektionsherde sind." Heute wisse man, es sind vor allen Dingen Partys und private Feiern. "Da müssen wir an alle appellieren, dass sie für einige Wochen oder Monate das hinten anstellen, damit wir die gesundheitliche Lage unter Kontrolle kriegen." Schulen und Kitas könnten dafür geöffnet bleiben, Geschäfte auch. Dort gebe es kaum Ansteckungen.

Auch Lindner hielt fest, dass manche Aktivitäten wegen der Corona-Lage momentan tabu sein müssten, beispielsweise "Massenbesäufnisse in der Partyszene von Berlin" und wilde Club-Abende. "Das lebt von Nähe, lebt von einer dichten Atmosphäre - und genau das geht jetzt in Pandemie-Zeiten nicht."

Über dieses Thema berichtete die ARD in der Sendung Bericht aus Berlin am 18. Oktober 2020 um 18:05 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Opinionist 18.10.2020 • 23:51 Uhr

Nicht überdramatisieren

Stimmt, wir sollten nicht überdramatisieren, vor allen Dingen die Angst, dass die Demokratie leiden könnte. Das wird sie nicht, wenn wir Respekt vor den Auswirkungen von Corona haben, und das Notwendig tun, diese Auswirkungen so gering zu halten, dass die Menschen in den Krankenhäusern, die Dienst tun, nicht überlastet werden, oder die Schlüsselindustrie genügend gesunde Kollegen hat, um diese am Laufen zu halten. Z.B. für chemische Grundprodukte zur Herstellung von Einmalhandschuhen und -kitteln oder Desinfektionsmitteln etc. Es wäre gut öfter mal die Meinung von den Menschen zu hören, die verantwortlich schaffen, damit der Laden Gesellschaft läuft, als die, die nur gerne mal wieder in den Medien stehen und nichts Essentielles zum vorankommen in der jetzigen Misere beitragen und noch nicht mal mit ihren Äußerungen ermutigen, dass wir den Mist mit möglichst wenig Verlusten an Menschenleben und Ökonomie bewältigen können, wenn wir vorbeugen. Denn vorbeugen ist besser als später heulen.