Die bemalte Fensterfront einer Kita | dpa

Corona-Lockdown Etwa jedes dritte Kita-Kind in Notbetreuung

Stand: 27.01.2021 09:16 Uhr

Für viele Eltern bringt die Corona-Pandemie Probleme bei der Betreuung ihrer Kinder mit sich. Laut einem Bericht wird trotz Lockdown etwa jedes dritte Kita-Kind in die Betreuung geschickt. Einige Länder planen bereits, Kitas wieder schrittweise zu öffnen.

Im geltenden Corona-Lockdown sollen auch Schulen und Kitas noch bis Mitte Februar möglichst geschlossen bleiben. Die Bundesregierung appelliert an Eltern, ihre Kinder so weit wie möglich zu Hause zu betreuen. Doch viele Eltern müssen offenbar trotzdem auf die Notbetreuung in Kitas zurückgreifen. Das berichten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Für den Bericht seien Daten von sämtlichen Bundesländern abgefragt worden. Das Ergebnis: Etwa jedes dritte Kita-Kind besucht derzeit solche Betreuungsangebote. Die Nachfrage nach einer Notbetreuung habe seit Jahresbeginn zugenommen. In Hamburg befindet sich demnach die Hälfte aller Kinder bis zu sechs Jahren in der Notbetreuung. In Bayern treffe das auf etwa 20 Prozent aller Kinder im Kita-Alter zu. Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen und Hessen hätten keine Angaben zu der Inanspruchnahme von Notbetreuung übermittelt.

Schulen und Kitas sollen Priorität bei Lockerungen haben

Vor allem die Corona-Einschränkungen für Kitas und Schulen hatten beim letzten Treffen von Bund und Ländern vor rund einer Woche für zähe Diskussionen gesorgt. Der Kompromiss lautete schließlich, Schulen und Kitas bis zum 14. Februar "grundsätzlich geschlossen zu halten", die Präsenzpflicht im Unterricht solle ausgesetzt bleiben. Nach Ende des Lockdowns sollen Schulen und Kitas dann Priorität bei möglichen Lockerungen genießen, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor wenigen Tagen. Auch wenn ab Mitte Februar nicht gleich alles wieder geöffnet werden könne.

Doch trotz der von Bund und Ländern vereinbarten Beschlüsse bleibt das Thema Bildung Ländersache - und damit auch die Entscheidung, wann was wieder geöffnet wird. Und einige Länder erwägen bereits, von dem Lockdown-Kurs abzuweichen.

Prescht Baden-Württemberg bei Öffnungen vor?

Ein Beispiel ist Baden-Württemberg. Hier stellte Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Aussicht, Schulen und Kitas schon ab kommender Woche "schrittweise und behutsam" wieder zu öffnen. Die endgültige Entscheidung soll voraussichtlich noch heute oder morgen fallen. Die Präsenzpflicht im Unterricht soll aber weiterhin ausgesetzt bleiben.

Gewerkschaften reagierten auf Kretschmanns Vorstoß mit Kritik. Ver.di mahnte etwa, der Gesundheitsschutz müsse an erster Stelle stehen und die Öffnung von Kitas dürfe nicht an ein konkretes Datum geknüpft werden, sondern an verbindlichen Kriterien beim Infektionsgeschehen. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft steht der Öffnung von Kitas und Schulen ab dem 1. Februar kritisch gegenüber. Zuvor müsse der Schutz für Kinder und Personal erhöht werden.

Auch in Rheinland-Pfalz soll ab Anfang Februar in Grundschulen wieder der Wechselunterricht starten. Andere Bundesländer wollen den Schülern der Abschlussklassen die Rückkehr in den Wechselunterricht ab kommender Woche ermöglichen, so etwa Bayern.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Januar 2021 um 11:00 Uhr.