Die Kirche der Evangelischen Advent-Zachäus-Kirchengemeinde in Berlin ist Anfang April 2020 wegen der Corona-Krise menschenleer. | Bildquelle: dpa

Corona-Auflagen für Kirchen Wachsender Unmut über anhaltende Verbote

Stand: 16.04.2020 14:29 Uhr

Gottesdienste wird es wegen der Corona-Krise auch weiterhin nicht geben. Für Kirchen gelten die Lockerungen der Einschränkungen vorerst nicht. Das stößt bei Kirchenvertretern zunehmend auf Kritik.

Die ersten Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie werden ab kommender Woche gelockert. Doch Kirchen bleiben bundesweit vorerst leer. Gottesdienste und religiöse Zusammenkünfte sind bis auf Weiteres noch untersagt, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, kann die Entscheidung der Bundesregierung nicht nachvollziehen. Im Interview mit der Zeitung "Welt" zeigte er sich überzeugt, dass Kirchen bereits jetzt die notwendigen Hygienevorschriften umsetzen sowie den angeordneten Mindestabstand in Gottesdiensten gewährleisten könnten.

Eingriff in Grundrecht auf Religionsausübung

Gerade die Ostertage hätten gezeigt, dass Gottesdienste vielen Millionen Menschen Orientierung und Halt unter den schwierigen Lebensbedingungen der Krise gäben, so Bätzing weiter. Er betonte auch, dass das Verbot der Gottesdienste tief in das Recht der freien Religionsausübung eingreife und verwies auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe.

Die Richter hatten in der vergangenen Woche zwar gegen Klagen entschieden, durch die Gläubige das Abhalten von Gottesdiensten durchsetzen wollten. In der Begründung des Urteils sprach das Gericht aber auch von einem "überaus schwerwiegenden Eingriff in die Glaubensfreiheit". Allerdings überwiege derzeit der Schutz "von Leib und Leben". Die Richter hatten in ihrer Entscheidung gefordert, das Verbot von Gottesdiensten regelmäßig und streng zu prüfen.

Gottesdienst im Internet "ist kein Ersatz"

Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, betonte in einer schriftlichen Mitteilung, das ZdK erwarte, "dass unter Berücksichtigung aller Schutzmaßnahmen den Religionsgemeinschaften wieder Möglichkeiten eröffnet werden, unter Berücksichtigung strenger Regeln in eingeschränktem Maß wieder zu Gottesdiensten zusammenzukommen".

Die Übertragung von Gottesdiensten im Internet oder im Fernsehen sei kein Ersatz für das Mitfeiern in der Kirche, hieß es in dem Schreiben weiter. Besonders Bestattungen, seelsorgerische Begleitung in Heimen und Krankenhäusern, aber auch der Verlust religiösen gemeinschaftlichen Lebens würden als großes Problem empfunden.

Sternberg setzt nun auf ein für Freitag anberaumtes Treffen der Bundesregierung mit Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche, um über Möglichkeiten zu beraten, wie die Religionsausübung bundesweit wieder öffentlich ermöglicht werden soll. Er hoffe auf eine Einigung, um die Öffnung der Kirchen "schrittweise zu ermöglichen", so der ZdK-Präsident.

Bedford-Strohm setzt auf einvernehmliche Lösung

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zeigte sich zuversichtlich, dass das Treffen "sehr bald zu einvernehmlichen Klärungen führt, die verantwortbare Formen des Gottesdienstes in unseren Kirchen wieder ermöglichen".

Die Evangelische Kirche unterstütze "ausdrücklich die weiterhin notwendige gesamtgesellschaftliche Anstrengung, das Leid, das durch die Ausbreitung des Coronavirus entsteht, soweit irgend möglich zu begrenzen".

Kritik an Gottesdienst-Verbot wächst
Angela Ulrich, ARD Berlin
16.04.2020 16:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. April 2020 um 14:45 Uhr.

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