Ein Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes entnimmt einen Abstrich für einen Corona-Test. | dpa

Corona-Neuinfektionen Bedrohliche Zahlen

Stand: 31.07.2020 11:38 Uhr

Lange gab es in Deutschland 300 bis 500 neue Corona-Infektionen pro Tag. Aktuell sind es etwa doppelt so viele. In die Diskussion über eine zweite Welle schalten sich jetzt auch die Amtsärzte ein.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 870 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Damit bleiben die täglichen Fallzahlen weiterhin auf einem hohen Niveau. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 208.698 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI meldete.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9141. Demnach sind seit dem Vortag sieben weitere Menschen gestorben. Bis Donnerstagmorgen hatten 191.800 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Aufgrund einer technischen Störung lagen am Freitagmorgen zunächst keine aktualisierten Zahlen vor.

Trendumkehr in Deutschland befürchtet

Am Donnerstag hatte das RKI mit 902 Neuinfektionen an einem Tag einen Spitzenwert bekannt gegeben. Es war die höchste Zahl seit Mai - abgesehen vom lokalen Corona-Ausbruch beim Fleischfabrikanten Tönnies im Juni. Bereits zuvor hatte das RKI aufgrund der gestiegenen Werte eine Trendumkehr in Deutschland befürchtet.

Als Ursache für den Anstieg führt das RKI Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln an. Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handle, sei unklar, hatte Behördenpräsident Lothar Wieler am Dienstag gesagt. Bis vor einiger Zeit habe man es geschafft, die Fallzahlen stabil bei täglich 300 bis 500 neu gemeldeten Fällen zu halten.

Schulstart könnte Infiziertenzahl erhöhen

Eine regionale Häufung von Infektionen gibt es derzeit in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und in Mecklenburg-Vorpommern. Die neuen Fälle werden unter anderem auf Reiserückkehrer zurückgeführt, als Ursachen wurden aber auch größere Veranstaltungen gemeldet wie einer Baby-Begrüßungsparty mit mehr als 35 Personen im Raum Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) oder eine Trauerfeier in Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg).

Zu einem weiteren Anstieg der Neuinfektionen könnte außerdem der bevorstehende Schulstart in vielen Bundesländern beitragen. In Mecklenburg-Vorpommern enden die Sommerferien schon an diesem Wochenende. Es folgen Hamburg, Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Der Deutsche Lehrerverband sieht die Schulen nicht ausreichend darauf vorbereitet, in einen von den Kultusministern geforderten Regelbetrieb überzugehen. Vorgesehene Maßnahmen wie regelmäßiges Lüften der Klassenräume seien vielfach nicht praktikabel.

Amtsärzte sehen Gesundheitsämter schlecht aufgestellt

Sollte es zu einer zweiten Corona-Welle kommen, befürchten die Amtsärzte große Probleme in den Gesundheitsämtern. "Für eine zweite Pandemie-Welle sind die Gesundheitsämter viel zu knapp besetzt", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Mit den steigenden Infektionszahlen rollt ein riesiges Problem auf uns zu."

Die Gesundheitsämter könnten nicht warten, bis die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung zur Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes in Kraft träten. "Wir brauchen eine kurzfristige Lösung. Wir müssen wissen, wo die Gesundheitsämter im Notfall Verstärkung bekommen." Konkret sprach sie sich für ein bundesweites Freiwilligen-Register aus - eine Art Jobbörse, die im Ernstfall Mitarbeiter vermittele, die bereits geschult seien.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Juli 2020 um 11:00 Uhr.