Vor einem Café am Timmendorfer Strand stehen die Leute im Mai 2021 Schlange. | dpa

Freiheiten für Geimpfte und Genesene Zerreißprobe für die Gesellschaft?

Stand: 09.05.2021 11:28 Uhr

Diejenigen mit Impfschutz dürfen wieder mehr, doch viele müssen auf die Impfung und damit auf die Lockerungen der Corona-Auflagen noch warten. Der Deutsche Ethikrat warnt vor zunehmenden Spannungen durch dieses Ungleichgewicht.

Ab heute gelten für vollständig gegen das Coronavirus Geimpfte und für diejenigen, die nach einer Infektion als genesen gelten, wieder mehr Freiheiten. Rechtlich sind die strikten Auflagen wie etwa die Ausgangssperre für diese Personen nicht zu halten, so die Begründung. Doch die Sorge wächst, dass die neuen Regelungen zu einer Missstimmung in der Gesellschaft führen.

"Man muss aufpassen, dass die Spannung nicht zur Spaltung wird", warnte Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Denn es seien gerade jüngere Altersgruppen wie "Kinder, Jugendliche, Auszubildende und Studentinnen", denen der Schutz durch eine Impfung noch fehle und die auf mehr Freiheiten im Alltag noch warten müssten.

"Geimpfte dagegen haben den doppelten Vorteil: Sie sind geschützt und dürfen mehr", so Buyx weiter. Damit trete "ein echtes Solidaritäts- und Gerechtigkeitsproblem in unserer Gesellschaft" auf "und wir erleben eine soziale Spannung". Und es sei gerade die jüngere Generation, die sich in der Zeit der Pandemie häufig "für die Alten und Schwachen hinten angestellt" habe.

Zunehmende Belastungen für jüngere Altersgruppen

Und die Belastungen für die jüngere Bevölkerung nehmen aus Sicht der Vorsitzenden des Ethikrats weiter zu, je länger Beschränkungen wegen des Coronavirus andauerten. Buyx nennt als Beispiele Lücken und Rückstände in der Bildung oder beim Lernen oder schlicht, dass viel Leben durch die Einschränkungen verpasst worden sei. "Die ökonomische und mentale Belastung steigt, die psychischen Folgen sind erheblich", so Buyx.

Für Familien etwa könnten die Freiheiten zudem neue Fragen aufwerfen: Was etwa, wenn eine Familie mit Kindern in den Urlaub reisen möchte und die Eltern nach einer vollständigen Impfung von der Quarantäne befreit sind, die Kinder wegen des fehlenden Impfschutzes aber noch nicht?

Buyx sieht die Politik in der Verantwortung, einer gesellschaftlichen Spannung entgegenzuwirken. Sie müsse "diese temporär ungerechte Situation" ernst nehmen, ansprechen und gestalten. Beispielsweise könnten freiwerdende Testkapazitäten genutzt werden, um Jüngeren mehr Testangebote zu machen. Auch eine Erhöhung des Impftempos könne "zu einer gesellschaftlichen Entspannung beitragen".

Strafen bei gefälschten Impfnachweisen

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht treibt noch eine andere Sorge um: der mögliche Betrug mit gefälschten Impfnachweisen. Im Interview mit der "Welt am Sonntag" warnte die SPD-Politikerin:

Wer dies tut, setzt andere der Gefahr einer schweren Erkrankung aus und verhindert eine wirkungsvolle Bekämpfung der Pandemie. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die mit empfindlicher Geldstrafe oder mit Freiheitsstrafe geahndet werden kann.

Dabei müssten nicht nur diejenigen mit Strafen rechnen, die Impfnachweise fälschen, sondern auch die Personen, die sie nutzen, so Lambrecht. Auch, wer den Impfnachweis eines anderen als seinen eigenen ausgibt, mache sich strafbar.

Lambrecht drängt auf digitales Zertifikat

Helfen könnte eine digitale Variante eines Impfzertifikates. Doch auch hier müsse sichergestellt werden, dass die "Übertragung von gefälschten Impfnachweisen auf das elektronische Zertifikat verhindert wird und die Taten zur Anzeige gebracht werden", forderte Lambrecht. Daher schlug sie vor, dass der schriftliche Nachweis in der Arztpraxis oder dem Impfzentrum übertragen wird, wo die Impfung auch verabreicht wurde und die Daten des oder der Geimpften bereits erfasst worden seien.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Mai 2021 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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DrBeyer 09.05.2021 • 13:43 Uhr

@bäuerchen 13:31

"Immer wieder auffällig in diesem Forum sind IHRE Beiträge, in denen Sie anderen, die Ihre Sichtweise nicht teilen, vorwerfen nicht selbstständig denken zu können, Böswilligkeit unterstellen oder selber anderen Foristen gegenüber beleidigend werden. Genau deswegen schreibe ich zwar ab und an einen Kommentar, eine ernsthafte Diskussion werde ich hier aber mit Sicherheit nicht beginnen. Und nein, Sie brauchen auch nicht zu Antworten, sparen Sie sich die Zeilen." Dann mache ich es eben. Nach meiner Erfahrung ist Sausevind zwar jemand, mit dem oder der ich nicht immer einer Meinung bin, der (gener. Mask.) aber auf jeden Fall an einer sachlichen Diskussion interessiert ist. Wenn Sie ihm gute Argumente bringen, werden die auch so beantwortet. Plattitüden natürlich auch. Es würde mich ja mal interessieren, mit welchen Usern Sie sich hier im Forum eine Diskussion vorstellen könnten.