Ein Mann lässt sich in einem Supermarkt impfen. | picture alliance/dpa

Wegen sinkender Impfzahlen Politiker fordern "kreativere Impfangebote"

Stand: 08.07.2021 09:37 Uhr

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt, die Zahl der täglichen Impfungen geht seit Tagen zurück. Politiker wollen nun "kreativere" Angebote, um das Impfen einfacher und attraktiver zu machen. Auch Impfprämien-Verlosungen sind im Gespräch.

Die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus breitet sich immer weiter aus, und zugleich sinkt die Impfbereitschaft der Bürger. Experten und Politiker fordern daher nun, das Impfen einfacher und unaufwändiger zu machen.

So schlägt die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, vor, "kreativere Impfangebote" zu machen. Bürger müssten sich auch in Fußgängerzonen, Wohnsiedlungen und bei Veranstaltungen impfen lassen können, sagte Dittmar in der "Welt".

Ähnlich sieht es die Ärztegewerkschaft Marburger Bund: "Da ist etwas mehr Kreativität bei den lokalen Behörden gefragt", sagte die Vorsitzende Susanne Johna der Düsseldorfer "Rheinischen Post". "Wir müssen Menschen auch direkt ansprechen und nicht warten, bis sie ins Impfzentrum oder zum Hausarzt kommen. Je niedrigschwelliger, desto besser", so Johna. Entscheidend sei, dass man nun auch all diejenigen erreiche, die bisher noch zögern oder überzeugt werden wollen.

DIVI-Präsident schlägt Impf-Lotterie vor

Auch Intensivmediziner mahnen zu weiteren Anstrengungen für eine höhere Impfquote. Sinnvoll seien mobile Impfteams in Innenstädten und großen Treffpunkten wie beispielsweise Fußballstadien, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVi), Gernot Marx, dem "Handelsblatt".

"Außerdem sollten wir uns ein Beispiel an Kampagnen wie in den USA nehmen und die Impfung mit einer Verlosung von einem Gewinn von Hunderttausenden Euro verbinden." Für die nächsten Monate sieht er die Intensivmedizin gut gerüstet. "Ich blicke mit Respekt, aber nicht mit Panik auf den Herbst und eine mögliche vierte Welle."

Zahl der täglichen Impfungen rückläufig

Saar-Ministerpräsident Tobias Hans sprach sich ebenfalls für zusätzliche Anreize in Form von Lotterien aus. "Man könnte an eine Verlosung denken, bei der unter den Impfbereiten beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder ein anderer schöner Preis ausgegeben wird", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Mobile Impfteams und Sonderaktionen seien gerade in sozialen Brennpunkten nötig.

In den vergangenen zwei Wochen ist die Zahl der Impfungen pro Tag in Deutschland deutlich zurückgegangen. Am Dienstag wurden nach Zahlen des Robert Koch-Instituts 699.500 Impfdosen verabreicht, am Dienstag der Vorwoche waren es 917.000, an den Dienstagen der drei Wochen davor jeweils mehr als eine Million Dosen gewesen.

Bislang haben mehr als 57 Prozent der Menschen in Deutschland eine erste Impfdosis erhalten, rund 40 Prozent sind vollständig geimpft.

Mehr Neuinfektionen und höhere Ansteckungsrate

Die Sorge ist vor allem deshalb groß, weil die zuerst in Indien aufgetretene Delta-Variante sich rasant ausbreitet. Sie dominiere erstmals mit einem Anteil von 59 Prozent, hieß es am Mittwochabend in der jüngsten Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) für die vorvergangene Woche (25. Kalenderwoche, 21.-27. Juni).

Heute verzeichnete das RKI mit 970 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden etwas mehr Fälle gemeldet als in der Vorwoche. Vor einer Woche hatte der Wert bei 892 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit bundesweit 5,2 an (Vortag: 5,1; Vorwoche: 5,1).

Die für die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus entscheidende Reproduktionszahl liegt über der Schwelle von 1. So gab das RKI den sogenannten 7-Tage-R-Wert am Donnerstag mit 1,09 an (Vortag: 1,01). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 109 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Der R-Wert lag über viele Wochen deutlich unter 1, stieg aber zuletzt relativ kontinuierlich an. Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 31 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 63 Tote gewesen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Juli 2021 um 08:44 Uhr.

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Moderation 08.07.2021 • 13:33 Uhr

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