Ein Hand mit blauem Handschuh hält eine Spritze mit einem Impfstoff | Bildquelle: picture alliance / Pressebildage

Entwurf der Impfkommission Priorität für Risikogruppen

Stand: 07.12.2020 15:47 Uhr

Die Ständige Impfkommission empfiehlt, Risikopatienten und -gruppen zuerst gegen das Coronavirus zu impfen. Konkret nennt sie in dem jetzt vorgelegten Entwurf Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheimen und Menschen über 80.

Für die geplante Priorisierung von Impfungen gegen das Coronavirus in Deutschland liegen nun detailliertere Vorschläge vor. Die Ständige Impfkommission (STIKO) verschickte dazu einen Entwurf an die Länder und medizinischen Fachgesellschaften.

Empfohlen wird demnach, Personengruppen mit besonders hohem Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe für Impfungen vorzusehen. Doch auch Gruppen, die beruflich besonders exponiert sind oder engen Kontakt zu Risikogruppen haben, sollen demnach vorrangig Impfungen angeboten werden. Die prioritär zu impfenden Gruppen umfassen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) mehr als 8,6 Millionen Menschen in Deutschland.

Zuerst Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen

Konkret nennt die Empfehlung Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen und Menschen über 80 Jahre. Zudem aufgeführt wird Personal mit besonders hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen wie Notaufnahmen und in der Betreuung von Corona-Patienten sowie Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu Risikogruppen in der Behandlung von Blutkrebs und der Transplantationsmedizin.

Genannt werden weiter Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege sowie andere Tätige in Senioren- und Altenheimen mit Kontakt zu Bewohnern.

Kritik von der Stiftung Patientenschutz

Grund für die Festlegung von Prioritäten ist, dass zu Beginn von Impfungen noch nicht mit genug Impfstoff für alle Interessierten zu rechnen ist. Einen Rahmen dafür und zum Verfahren hatte der Bundestag in einem kürzlich beschlossenen Gesetz vorgegeben. Dieses ist die Basis für die STIKO-Empfehlungen.

Kritik kam von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. "Über acht Millionen Menschen scheinbar gleichberechtigt bei der Priorität auf Nummer eins zu setzen, kann nicht funktionieren", erklärte Vorstand Eugen Brysch. "Deshalb müssen zunächst die Pflegebedürftigen und Schwerstkranken die Chance auf eine Impfung bekommen. Erst danach sind Menschen an der Reihe, die in medizinischen und pflegerischen Bereichen arbeiten. An dritter Stelle gilt es, die systemrelevanten Berufe zu stellen."

Beratungen über STIKO-Vorschlag

Bislang handelt es sich laut Gesundheitsministerium um eine vorläufige Empfehlung, weil es zunächst eine Zulassung von Impfstoffen durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) geben müsse. Die STIKO konnte laut Entwurf die Daten zur Effektivität und Sicherheit möglicher Impfstoffe "noch nicht vollumfänglich bewerten", da noch keine Publikationen solcher Daten vorlägen.

Das Ministerium verwies auch darauf, dass die Empfehlungen jetzt in einem dreitägigen Stellungnahme-Verfahren zur Diskussion stehen. Wegen besonderer Eilbedürftigkeit werden Länder und Experten um Rückmeldungen zum Entwurf bis kommenden Donnerstag gebeten. Dann wird die Empfehlung veröffentlicht. Auf deren Basis erstellt das Gesundheitsministerium schließlich eine Rechtsverordnung, die noch im Dezember veröffentlicht werden soll.

Die STIKO rechnet damit, dass ein Impfstoff Ende des Jahres oder Anfang 2021 zur Verfügung steht. Für eine vollständige Impfserie sind zwei Impfstoffdosen im Abstand von 21 Tagen notwendig. Bei zunehmender, aber weiterhin begrenzter Impfstoffverfügbarkeit sollen weitere von der Kommission definierte Personengruppen mit besonderen Risiken vorrangig geimpft werden. Die Reihenfolge soll ständig neu bewertet werden.

Ständige Impfkommission will Entwurf für die Priorisierung der Impfung vorlegen
Franka Welz, ARD Berlin
07.12.2020 11:29 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 07. Dezember 2020 Deutschlandfunk um 06:50 Uhr und MDR aktuell um 15:05 Uhr.

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